Hofheims 2000-Prozent-Wahn: Die fette Illusion unserer Stadtpolitiker
Es ist Zeit für einen schonungslosen Zwischenblick. Eine Tiefenanalyse ohne das übliche Phrasenlametta. Denn Hofheims Lokalpolitik läuft derzeit völlig aus der Spur: Die Kasse ist chronisch leer, die Schulden explodieren im Zeitraffer. Und während unter unseren Volksvertretern noch immer die fette Illusion vom unendlichen Wohlstand gepflegt wird, wartet auf die Bürger im nächsten Jahr das finanzielle Schafott: Der Hebesatz der Grundsteuer droht auf über 2.000 Prozent hochzuschießen – vermutlich sogar deutlich darüber.
Das ist die brutale Wahrheit. Eine mathematische Gewissheit, vor der die Stadtverordneten im Parlament jedoch am liebsten die Augen fest verschließen. Ja, sie hören aus dem Rathaus die Hiobsbotschaften, dass die Gewerbesteuereinnahmen unaufhaltsam wegbrechen und sich ein neues Millionenloch nach dem anderen auftut. Und ja, sie haben theoretisch verstanden, dass sie im nächsten Jahr nicht nur irgendwie einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen müssen – was ohne massive Steuererhöhungen ohnehin kaum noch darstellbar ist. Sie müssten eigentlich auch zwingend anfangen, den gigantischen Schuldenberg abzutragen.
Inzwischen ist das Jahr fast halb um, aber nennenswerte Anstrengungen der Lokalpolitik, die Einnahmen zu steigern oder die Ausgaben spürbar zu senken, bleiben aus. Gebetsmühlenartig wird darauf verwiesen, dass die Kommunen von Bund und Ländern immer neue Aufgaben übertragen bekommen, ohne dass die Kasse dafür ausreichend gefüllt wird – während gleichzeitig der Spielraum für freiwillige Ausgaben gegen null geht. Bürgermeister Willi Schultze beschrieb das Dilemma kürzlich mit den Worten: „Wir müssen das konsequente Sparen weiterführen, aber wir werden keine fünf Millionen im Haushalt finden, die wir einsparen können.“
Wenn das so ist, bleibt nur noch eine einzige, hässliche Konsequenz, die aktuell vor den Wählern niemand laut aussprechen mag: Die Grundsteuer B muss noch einmal drastisch erhöht werden. Die Spirale der letzten Jahre zeigt die ganze Dimension des Desasters: Lag der Hebesatz 2024 noch bei 510 Prozent, kletterte er 2025 auf 658 Prozent, um in diesem Jahr regelrecht zu explodieren – auf astronomische 1.545 Prozent. Und das Ende der Fahnenstange ist nicht in Sicht. Für das kommende Jahr droht die nächste Rekordmarke: 2.000 Prozent stehen im Raum, mindestens. Wahrscheinlich deutlich mehr.
Nun sind die Hofheimer Hausbesitzer und Mieter ohnehin schon die Spitzenreiter im hessischen Steuer-Ranking. Doch dieser traurige Rekord hindert die Stadtverordneten offenbar nicht daran, die Schraube bis zum Anschlag weiterzudrehen.
Man müsste von verantwortungsvollen Stadtpolitikern in einer solchen Existenzkrise erwarten, dass sie der Bürgerschaft endlich reinen Wein einschenken. Dass sie sich hinstellen und sagen: Nichts geht mehr. Wir haben jahrelang über unsere Verhältnisse gelebt. Die Stadt ist blank – und zwar sowas von. Ihr müsst den Gürtel enger schnallen, und wir tun es auch. Auch wenn’s weh tut, es gibt kein Entrinnen.
Das wäre ehrlich. Aber so redet kein Politiker, der wiedergewählt werden will.
Die parlamentarische Praxis: Weiter wie immer
Wie tief die Realitätsverweigerung im Genom der Hofheimer Politik verankert ist, zeigte sich vergangene Woche in der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments. Hier wurde überdeutlich: Unsere Volksvertreter tun so, als gäbe es kein Morgen. Zwei aktuelle Beispiele beleuchten das exemplarisch.
Das Trauerspiel um die Musikschule: Die Institution stand vor kurzem noch dicht vor der Pleite und musste in einer dramatischen Rettungsaktion mit Geld aus der Stadtkasse auf den letzten Drücker vor dem Aus bewahrt werden. Die klare Auflage der Politik lautete: Die Führung muss ein tragfähiges Zukunftskonzept aufstellen – eigentlich die Kernaufgabe eines Geschäftsführers. Doch was passiert? Der Geschäftsführer der Musikschule erscheint in den Sitzungen, zuckt mit den Schultern und liefert: nichts. Und wie reagiert die Politik? Anstatt harte Konsequenzen zu ziehen, soll nun ein teures externes Büro helfen. Das kostet extra Geld, dauert bestimmt Monate – und bis dahin zahlt die Stadt einfach weiter.
Das teure Pflaster an der Zeilsheimer Straße: Der dortige Sportplatz wird vom SV 09 und dem Roten Stern genutzt – zwei Vereine mit wertvoller Jugendarbeit, keine Frage. Leider ist der Platz völlig marode. Es gab mal die vernünftige Überlegung, das wertvolle Gelände zu verkaufen, für Wohnbebauung freizugeben und einen neuen Sportgelände an der Reifenberger Straße zu errichten. Doch die Politik hat das Thema jahrelang verschleppt. Jetzt ist die Zeit abgelaufen, der Kunstrasen hinüber, die Kasse leer. Die Reaktion der Stadtverordneten: Sie beschließen kurzerhand, dass im nächsten Jahr 400.000 Euro für einen neuen Kunstrasen einzuplanen sind. Geld, das sie überhaupt nicht besitzen.
Gegen diesen kollektiven Ausgabenrausch stemmte sich im Stadtparlament lediglich das FDP-Duo. Die beiden Liberalen strampelten sich spürbar ab, argumentierten gegen die Pläne und forderten als absolute Minimalforderung, den Betrag für den Sportplatz wenigstens auf die 400.000 Euro zu deckeln und diese Grenze explizit im Beschluss festzuschreiben. Keine Chance. Das wurde von der Mehrheit eiskalt abgelehnt.
Das Muster dahinter ist immer dasselbe: Schwierige Entscheidungen werden vertagt, unbequeme Wahrheiten umgangen und finanzielle Konsequenzen in die Zukunft verschoben. Dabei macht jeder Monat des Aufschubs die später notwendigen Maßnahmen nur noch schmerzhafter. Die vom Rathaus vorgeschlagene Gebührenerhöhung für alle Kita-Eltern: aufs nächste Jahr verschoben. Das Gewerbegebiet Wallau Ost III, das eines Tages dringend benötigtes Geld in die Kasse spülen soll: vertagt. Die geplante Kürzung der eigenen Fraktionsgelder: kein Thema mehr.
So geht es munter immer weiter, bis in die letzten Verästelungen der Lokalpolitik, wo die Wunschlisten trotz Ebbe in der Kasse fleißig wachsen: Da fordern Ortsbeiräte und Fraktionen quer durch die Stadtteile unverzügliche Reparaturen von Smiley-Blitzern in Wallau, neue Spielplatz-Wippen in der Kernstadt, Temposchwellen in Marxheim, Verkehrsberuhigungen in Lorsbach, den gezielten Einsatz von Kehrmaschinen in Wildsachsen oder – als Krönung dieses politischen Wunschdenkens – historisch schickere Straßenschilder für den Langenhainer Ortskern.
Das „Bündnis für Hofheim“ und die Kunst der Realitätsverweigerung
Währenddessen inszeniert sich die neue Mehrheit aus Grünen, BfH und SPD – die im Stadtparlament gerade mal auf eine hauchdünne Mehrheit von einer einzigen Stimme baut – in wohlfeiler Lyrik. Bei der Vorstellung ihres „Bündnisses für Hofheim“ gaben sie sich zwar kurz staatsmännisch besorgt: „Die Finanzsituation der Stadt Hofheim ist äußerst dramatisch.“ Doch der direkt darauf folgende Wunschkatalog liest sich, als hätte das Geld im Rathauskeller gerade Junge geworfen.
Trotz desaströser Kassenlage dürfe der „Zusammenhalt der Stadtgesellschaft nicht gefährdet werden“. Und deshalb fordern die Bündnispartner munter im Kreis: Für die wachsende Zahl älterer Menschen brauche es eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung und der Pflege. Für die Jugendlichen müssen Begegnungsmöglichkeiten her – und zwar bitteschön in allen Stadtteilen, inklusive angemessener Angebote für Jugendliche mit und ohne Beeinträchtigungen. Überhaupt müsse die Stadt permanent neue Orte für Begegnungen schaffen, damit man in Hofheim nicht nur nebeneinander wohne, sondern miteinander lebe.
Beim Thema Verkehr geht das Wunschkonzert nahtlos weiter: Ein zuverlässiger und bezahlbarer ÖPNV wird gefordert, dazu sichere Radwege, bessere Querungsmöglichkeiten an Hauptverkehrsstraßen für Fußgängerinnen und Fußgänger sowie „intelligente Verkehrslösungen“. Auch eine gute Verbindung zwischen den Ortsteilen und eine gute Anbindung an die Nachbarorte sei ein zentrales Thema der nahen Zukunft.
Damit nicht genug: Umwelt- und Naturschutz sowie Klimaschutzmaßnahmen seien sozial gerecht zu entwickeln, der Ausbau der erneuerbaren Energien soll vorangetrieben werden. Und bei der Digitalisierung wolle man sowieso mit gutem Beispiel vorangehen, schließlich sei die Zukunft jetzt. Informationstechnologie könne dazu beitragen, die Verwaltungsabläufe effizienter zu machen, weshalb man sich für weitere digitale Serviceangebote für die Bürgerinnen und Bürger einsetze.
Seite um Seite geht das so. Das ist kein politisches Programm für eine insolvente Kreisstadt – das ist ein süßes Narkosemittel. Der Öffentlichkeit wird hier dreist etwas vorgegaukelt. Fast jede einzelne Forderung mag für sich genommen vernünftig sein. Politik besteht jedoch nicht darin, Wunschlisten aufzuschreiben. Politik besteht darin, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen – insbesondere dann, wenn das Geld fehlt.
Wenn die Realität die Politik überstimmt
Der Haushalt für das laufende Jahr ist bis heute von der Kommunalaufsicht nicht genehmigt worden. So lange darf die Stadt keinen einzigen Cent ausgeben, es sei denn, es handelt sich um absolut lebensnotwendige Pflichtaufgaben. Der Landrat hat die Kreisstadt bereits explizit aufgefordert, bei jeglichen freiwilligen Ausgaben sehr zurückhaltend zu sein.
Aber ach, etwas planen und träumen wird man doch wohl noch dürfen, oder?
Das Fatale an diesem parlamentarischen Wolkenkuckucksheim ist das verheerende Signal, das es aussendet. Die Botschaft an die Bürger lautet: Eigentlich ist alles gar nicht so schlimm. Irgendwie werden wir das Ding schon wuppen.
So steuert Hofheim sehenden Auges auf den finanziellen Offenbarungseid zu. Eine Grundsteuer B von über 2.000 Prozent – die Mathematik lässt sich nicht überstimmen. Man kann Anträge vertagen, Beschlüsse verschieben und Wunschlisten schreiben. Doch irgendwann kommt der Moment, in dem die Rechnung präsentiert wird. Und dann entscheidet nicht mehr die Politik über die Höhe der Belastung – sondern die nackte Realität.
Bezahlen müssen den fehlenden Mut zum Sparen am Ende die Bürger. Spätestens dann, wenn im nächsten Jahr der neue Grundsteuerbescheid im Briefkasten liegt.
Für unsere Stadtverordneten ist jetzt jedenfalls erst einmal Entspannen angesagt: Nach der Sitzung letzten Mittwoch entfleuchten sie in die Sommerpause. Mitte August trifft man sich wieder.
Thomas Ruhmöller



Bei den „alten und neuen“ Hofheimer Stadtverordneten stirbt auch die Hoffnung auf Wunder zuletzt, lieber wursteln sie weiter herum, um wieder bequem bei der nächsten Grundsteuererhöhung auf 2000 Punkte zu landen. Die Stadtvertreter müssten sich nackig machen und freiwillig insolvent werden, um Schlimmeres für Hofheim zu vermeiden.
Danke für die klaren Worte.
Vielen Dank für diese ungeschönten Zeilen. Seit Jahrzehnten hat Hofheim im Verhältnis zur Anzahl der Einwohner viel zu geringe Steuereinnahmen. Bei 40.000 Einwohnern müssten mindestens 40 Millionen an Gewerbesteuer eingenommen werden, stattdessen sind es nur 30. Frau Stang hat jahrelang gepennt und Herr Vogt hat das Problem zwar erkannt, aber konnte mangels politischer Mehrheiten nichts umsetzen.
Einkommensteuerzuweisungen bekommen wir in erklecklicher Höhe von Neubürgern mit hohem Einkommen. Für die haben wir aber keine Grundstücke in Hofheim und in Vorderheide 2 war es wichtiger, dass ein blöder Vogel geschützt wird, anstatt den Menschen Baugrundstücke zur Verfügung zu stellen und damit Einnahmen zu generieren.
Solange rotgrüne Ideologie hier die politische Mehrheit stellt, die ganz offensichtlich verhindert, in Hofheim für stabile und angemessene Einnahmen zu sorgen, wird sich nichts zum Guten ändern!
Ach je, der Herr Weber von der gelben Partei, die nun endlich (aus Gründen) in der Versenkung verschwindet, äußert sich in seiner bekannt rückständigen Art und Weise, als wären wir noch in den 50er Jahren. Auch Sie als Hofheimer „Immobilienmogul“ sollten zur Kenntnis nehmen, dass naturnahe Grünflächen nur einmal bebaut werden können und dann für immer verloren sind. Werden Sie kreativ und denken sich bitte andere Ennahmequellen aus, anstatt Hofheim weiter zuzubauen.
Sehr geehrter Herr Lindner,
Sie haben deutlich gemacht, dass Sie Herrn Webers Äußerungen nicht gutheißen. Ich möchte jedoch anmerken, dass allzu persönliche Repliken wenig sachdienlich sind. Wie wäre es mit folgendem Wortlaut als Antwort auf Herrn Webers Ausführungen, der auch meinen Überzeugungen entspricht:
„Ja, Hofheim hat ein strukturelles Einnahmeproblem. Ja, die Gewerbesteuer liegt gemessen an Größe, Lage und Potenzial der Stadt deutlich unter dem, was man erwarten dürfte. Und ja, es ist richtig, darüber zu sprechen, warum es über Jahre nicht gelungen ist, ausreichend gewerbliche Entwicklung, Ansiedlungen und tragfähige Einnahmequellen zu organisieren. Wer die Haushaltslage ernst nimmt, kommt an dieser Frage nicht vorbei.
Nur wird die Sache nicht dadurch analytischer, dass man sie auf „rotgrüne Ideologie“, eine frühere Bürgermeisterin, einen verhinderten Nachfolger oder gar auf einen „blöden Vogel“ reduziert. Der Vogel hat vermutlich weder den Haushalt beschlossen noch Gewerbeflächen ausgewiesen, keine Bauleitplanung verzögert und auch keine Mehrheiten im Stadtparlament organisiert. Ihm die Verantwortung für Hofheims Einnahmeschwäche zuzuschieben, wäre also selbst für kommunalpolitische Verhältnisse ein bemerkenswert kreativer Ansatz.
Richtig ist: Hofheim braucht stabile und angemessene Einnahmen. Dazu gehören Gewerbesteuer, Einkommensteueranteile, kluge Flächenpolitik, eine aktive Wirtschaftsförderung und eine nüchterne Prüfung vorhandener Potenziale. Richtig ist aber auch: Wohnungsbau, Gewerbeentwicklung, Natur- und Artenschutz sowie Lebensqualität lassen sich nicht beliebig gegeneinander ausspielen. Eine Stadt wird nicht zukunftsfähig, indem sie jeden Zielkonflikt mit der Planierraupe löst.
Gerade deshalb braucht Hofheim weniger ideologische Kurzformeln und mehr strategisches Denken. Wer mehr Einnahmen will, muss sagen, wo Gewerbe entstehen soll, welche Branchen man gewinnen möchte, welche Infrastruktur dafür nötig ist und wie Flächenentwicklung rechtlich, ökologisch und städtebaulich tragfähig gelingen kann. Wer mehr Wohnraum für einkommensstarke Neubürger will, muss zugleich beantworten, was das für Verkehr, Kitas, Schulen, soziale Durchmischung und Flächenverbrauch bedeutet.
Natürlich ist ein „blöder Vogel“ nicht wichtiger als der Mensch, aber die brennende Frage bleibt trotzdem, warum Hofheim über Jahre nicht in der Lage war, seine finanziellen, ökologischen und städtebaulichen Ziele zu einem überzeugenden Gesamtkonzept zu verbinden.
Solang politische Debatten vor allem mit Schuldzuweisungen, Reizworten und einfachen Feindbildern geführt werden, wird sich tatsächlich wenig zum Guten ändern. Hofheim braucht keine neuen Sündenböcke – weder mit Parteibuch noch mit Federn. Hofheim braucht endlich eine Finanz- und Stadtentwicklungspolitik, die in der Lage ist, fehlerlos zu rechnen und zielorientiert zu planen und das Gemeinwohl nicht erst entdeckt, wenn der nächste Grundsteuerbescheid verschickt wird.“
Glauben Sie mir, Herr Lindner, das sitzt!
Bravo. Vernünftig auf den Punkt gebracht. Das Hofheimer Problem der politischen Unentschlossenheit und wirtschaftspolitischen Einfalt ist locker 50 Jahre alt. Dabei leben wir in einem wirtschaftsstarken Ballungsgebiet, mit Menschen, die überwiegend in der Finanz- und Privatwirtschaft beschäftigt sind. Aber Hofheim mauert sich ein und verliert sehenden Auges an wirtschaftlicher Ertragskraft. Allein Steuererhöhungen schöpfen Ertragskraft der Bürger ab und Verkäufe von Sachwerten helfen nur kurzfristig, wenn nicht gleichzeitig die kommunale Wertschöpfung zunimmt.
Lange Rede – kurzer Sinn: Herr Vogt hat sich demnach wie eine „beleidigte Leberwurst“ verhalten und überproportionale Schulden produziert, sogar das hinterlassene Plus von Frau Stang verscherbelt. Leider hat die Belegschaft nicht aufgepasst! Hoffentlich beherzigt Herr Wilhelm Schultze, Bürgermeister und unser neuer „good looking guy“ die alte schottische Regel, die da heißt: There are two times in life you should not speculate: When you can afford and when you cannot afford! Good Luck….
Wenn die Schulden nur im Zeitraffer explodieren haben wir noch mal Glück gehabt. Ohne Raffung der Zeit wachsen sie dann ja nur langsam. Vielmehr scheinen sie doch „tatsächlich“, oder mit etwas Phrasenlametta „in Slow Motion“ zu explodieren
Die einfache Rechnung – und die falsche Politik
Schönreden kann das niemand mehr: Hofheim steht finanziell massiv unter Druck. Doch die politische Antwort darauf wirkt erschreckend bequem: drastische Erhöhungen der Grundsteuer und der mögliche Verkauf städtischer Grundstücke, um kurzfristig Löcher zu stopfen. Die Stadtverordneten machen es sich eher einfach. Gerade darin liegt das eigentliche Problem. Haushaltskonsolidierung darf nicht bedeuten, reflexhaft Steuern zu erhöhen oder städtisches Vermögen zu veräußern. Beides kann im Einzelfall notwendig sein, aber nur dann, wenn zuvor gründlich geprüft wurde, welche Alternativen bestehen, welche langfristigen Folgen entstehen und ob die Entscheidung dem Gemeinwohl dient. Genau diese analytische Tiefe ist bislang kaum erkennbar.
Der mögliche Verkauf städtischer Grundstücke zeigt exemplarisch, wie problematisch eine solche Politik ist. Ein städtisches Grundstück ist nicht einfach ein Posten in der Haushaltsrechnung. Es ist ein Stück Zukunftsfähigkeit. Wer kommunales Vermögen verkauft, nimmt der Stadt Handlungsspielräume von morgen, um die Haushaltsprobleme von heute kurzfristig zu kaschieren – das hat mit nachhaltiger Finanzpolitik wenig zu tun.
Dass es auch anders ginge, zeigt das Beispiel Naturwald. Eine solche Fläche wäre ökologisch wertvoll, würde Biodiversität fördern, Klima- und Wasserschutz stärken, die Aufenthaltsqualität in Hofheim erhöhen und zugleich das Naturerleben für Bürgerinnen und Bürger verbessern. Außerdem spülte sie neben den genannten Vorteilen Geld in die leeren Kassen, und das nicht zu knapp. Genau solche Ansätze wären gefragt: kreativ, gemeinwohlorientiert und finanziell klug. Das wäre ein Beispiel zur Einnahmenseite, das auf der politischen Agenda ganz oben stehen sollte.
Kommunalpolitik kann außerdem auch Fragen stellen, Akten lesen, Zahlen verlangen und Anträge formulieren. Ob Zweitwohnungssteuer, Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft oder Innovationszentrum: Es ist richtig zu prüfen, ob Aufwand und Ertrag noch zusammenpassen, ob städtische Gesellschaften einen Beitrag zur Haushaltslage leisten können und ob öffentlich geförderte Einrichtungen tatsächlich das leisten, wofür sie gedacht sind. Genau solche Fragen gehören ins Parlament – unabhängig davon, von wem sie gestellt werden.
Politik besteht nicht darin, Belastungen einfach weiterzureichen. Politik besteht darin, Urteilskraft, Kreativität und analytische Stärke zu zeigen. Genau das wäre in Hofheim jetzt gefragt: eine ehrliche Debatte über Prioritäten, Ausgaben, Einnahmen, städtisches Vermögen und die langfristige Entwicklung der Stadt.
Wer stattdessen die Grundsteuer weiter nach oben treibt und zugleich Grundstücke verkauft, betreibt keine gemeinwohlorientierte Konsolidierung, sondern verwaltet den Mangel mit den bequemsten Mitteln. Das ist zu wenig für eine Stadt, die mehr braucht als Haushaltsarithmetik: Sie braucht politische Weitsicht.
> Ja, wir Hofheimer sind finanziell in einer fürchterlichen Situation. Der vom Magistrat am 17.12.2025 in die Stadtverordnetenversammlung eingebrachte Haushaltsplanentwurf für das Haushaltsjahr 2026 sah einen Hebesatz der Grundsteuer B von 2.230 %-Punkte vor. Beschlossen hat das Stadtparlament dann am 11.03.2026 in seinem Haushaltskonsolidierungskonzept eine stufenweise Anhebung:
> Der Grundsteuerhebesatz B beträgt danach in Hofheim:
> in 2026: 1.545 %-Punkte
> in 2027: 2.250 %-Punkte
> in 2028: 2.360 %-Punkte
> in 2029: 2.450 %-Punkte
Die Linke hat dies abgelehnt. Nicht, weil sie gegen eine Haushaltskonsolidierung ist, sondern weil der Konsolidierungszeitraum viel zu kurz ist. Was jahrelang aus dem Ruder gelaufen ist, kann ohne soziale Verwerfungen nicht in drei Jahren korrigiert werden.
Daher muss der Zeitraum der Konsolidierung unseres Haushaltes von 2029 auf 2035 verlängert werden. Nur wenn wir mehr Zeit haben, einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen, können wir ohne diese maßlose Erhöhung der Grundsteuer B auskommen. Dass der Haushalt konsolidiert werden muss, steht außer Frage. Aber der Zeitraum, in dem dies geschehen muss, muss für die Gemeinde und ihre Büreger zumutbar sein. Das sieht auch die Rechtsprechung so: „Die Pflicht zur Wiederherstellung des Haushaltsausgleichs bezieht sich nur auf den „nächstmöglichen“ Zeitpunkt. Mit diesem Zeitpunkt ist nicht der rein technische Zeitpunkt gemeint, der unter Ausnutzung aller denkbaren Einsparungen und Einnahmeerhöhungen erreichbar wäre, sondern der Zeitpunkt, der unter Berücksichtigung der vielfältigen und auch häufig gegenläufigen Pflichten einer Gemeinde erreichbar ist, mithin der zumutbarer Weise nächstmögliche Zeitpunkt.“
Natürlich muss Hofheim sparen: Projekte wie Radschnellwege oder neue Brücken oder Unterführungen müssen wir uns abschminken. Und natürlich müssen wir alle Möglichkeiten der Einnahmeerzielung ausschöpfen, z.B. dadurch, einen Teil des Waldes aus der Nutzung zu nehmen. Damit behalten wir den Wald, erhöhen seinen ökologischen Nutzen und bekommen dafür auch noch Fördergelder in Millionenhöhe. Zudem würden sich dadurch die jährlichen Ausgaben von ca. einer halben Million zur Beförsterung des Waldes deutlich senken lassen.
Grundstücksverkäufe zu Haushaltskonsolidierung scheiden in Hofheim praktisch aus: die Stadt verfügt schon lange nicht mehr über geeignete Objekte. Die Ausweisung neuer Gewerbegebiete bringt zunächst mal überhaupt keine Gewerbesteuereinnahmen, denn dazu müssten sich erst steuerträchtige Betriebe dort ansiedeln. Aber die gibt es kaum. Im Gegenteil: Auch in Hofheim werden – wie überall im Lande – mehr Gewerbeflächen freigesetzt als neue genutzt werden, siehe Homburger und Hattersheimer Straße. Und auch In der Lach scheint die Nachfrage nach Gewerbeflächen nicht gerade überbordend zu sein.
Wir führen aktuell die falsche Debatte! Wir müssen attraktiv sein für Unternehmen, die sich mit gut bezahlten Arbeitsplätzen hier ansiedeln und zu Hofheim passen: IT-Unternehmen, Medizintechnik, Bildungs- und Weiterbildungsanbieter, innovative Handwerksbetriebe oder Unternehmen aus dem Bereich Energie- und Klimatechnik. Diese schaffen qualifizierte Arbeitsplätze, bilden aus und tragen langfristig zur Finanzierung unserer Stadt bei.
Dafür braucht es keine immer neuen Gewerbegebiete auf der grünen Wiese. Viel wichtiger sind eine aktive Wirtschaftsförderung, schnelle Genehmigungsverfahren, moderne digitale Infrastruktur und ausreichend Kita-Plätze sowie bezahlbaren Wohnraum für Fachkräfte. Unternehmen siedeln sich dort an, wo ihre Beschäftigten gerne leben.
Statt immer neue Flächen auszuweisen, sollten wir zunächst die bestehenden Gewerbegebiete und Leerstände besser nutzen. Die Frage lautet nicht, wie viel Fläche wir noch versiegeln können, sondern wie wir die vorhandenen Flächen intelligenter entwickeln. Hofheim braucht eine Strategie für die Ansiedlung zukunftsfähiger Unternehmen – nicht die Hoffnung, dass neue Gewerbegebiete irgendwann von allein die Haushaltsprobleme lösen.
Genau. Da der verheerende Hofheimer Haushalt konsolidiert werden muss, wäre eine zeitliche Fristverlängerung um 6 Jahre bis 2035 angebracht. Ansonsten hätten die Steuererhöhungen eine erdrosselnde Wirkung, wie es die Rechtsprechung vorsorglich erwähnt. Vor allen Dingen sollte sich Hofheim seiner Kreis- und Schulstadt-Stellung erinnern, und die Jugend aktiv und kreativ in die Konsolidierung ihrer Haushaltslöcher einbeziehen.
Spannender Beitrag. Danke dafür
Wir müssen davon ausgehen, dass insbesondere die geplanten Erhöhungen im Bereich der Grundsteuer B in den nächsten Jahren mit weiteren deutlichen Steigerungen fortgesetzt werden, denn Hofheim ist mittlerweile ein Sanierungsfall. Einen Finanzmittelüberschuss gab es letztmalig im Haushaltsjahr 2022. Seitdem werden rote Zahlen geschrieben.
Im kommunalen Bereich wird anstelle eines Sanierungsplans dann die Erstellung eines Haushaltssicherungskonzepts für die nächsten Jahre verpflichtend. Dieses liegt neben dem eigentlichen Haushaltsplan vor und zeigt eine ganze Reihe unterschiedlicher operativer und strategischer Vorschläge und Sanierungsmaßnahmen der Fraktionen.
Diese Vorschläge müssen weiter konkretisiert, bewertet und priorisiert werden. Die finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt ist im Interesse der Bürgerinnen und Bürger zu sichern. Weder hektische Hauruckaktionen noch symbolischer Aktionismus führen hierbei zum Ziel. Ebenso wenig hilft es, notwendige Diskussionen und Entscheidungen auf die lange Bank zu schieben.
Die kommenden Jahre werden von den politischen Gremien Mut, Augenmaß und Durchhaltevermögen verlangen. Dabei wünsche ich allen Beteiligten eine ausgewogene Mischung aus Inspiration und Transpiration.
Noch ist Hofheim sanierungsfähig und genau deshalb sollten die notwendigen Weichen sehr zeitnah gestellt werden.
Vielen Dank für Ihren Bericht!
Mir ist unverständlich, warum die tatsächlich Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen werden und die Kommunalpolitiker ihrer Verantwortung gegenüber den Bürgern nicht gerecht werden!
Gute Frage: immerhin will die Linke rechtlich ./. die Verantwortlichen weitergehen. I.ü. Hat die FDP und die Linke am 11.03.26 dem Beschluss zur Erhöhung der Grundsteuer nicht zugestimmt. Thema ist umfänglich in der Presse nachzulesen. Der Aktionismus der jetzigen Verantwortlichen in Hofheim ist pure Verzeiflung und Ablenkung, glaube ich, wie Herr Guenther.
Hofheim hat kein Geld aber Schulden und keinen genehmigten Haushalt. Deshalb soll Hofheim sparen und Personal abbauen.
Aber was macht man? Man stellt neues Personal ein, wenigstens drei in den letzten zwei Monaten. Außerdem beauftragt man eine neue sinnlose Studie für die Musikschule.
Ich habe das Gefühl das man in der Verwaltung und auch bei den Stadtverordneten noch nichts verstanden hat.