Metzger vs. Stadtverwaltung – Wochenmarkt-Konflikt sorgt für Aufsehen
Das Hofheimer Rathaus hat einen Metzger vom Wochenmarkt ausgeschlossen – der macht seinem Ärger öffentlich in den sozialen Medien Luft. Die Empörung im Netz ist groß, und ein Landtagsabgeordneter wirft der Stadtverwaltung ein Versagen der Wirtschaftsförderung vor. Die Verwaltung kontert und veröffentlicht interne Details zu dem Fall, woraufhin ein Anwalt dem Rathaus fragwürdiges Vorgehen vorwirft. In Hofheim kocht die Debatte hoch – wir schauen uns den Fall genauer an.
Die Metzgerei von Peter Walz aus Mainz darf nicht länger auf dem Wochenmarkt verkaufen. Der Inhaber machte die Entscheidung selbst auf Facebook öffentlich: Die Stadt habe die Zusammenarbeit „fristlos gekündigt“, schreibt er. Als Grund nennt Walz „krankheitsbedingte Ausfälle“, weshalb die Standzeiten über Monate nicht hätten eingehalten werden können. Besonders bedauerlich sei für ihn, „dass ein klärendes persönliches Gespräch zuletzt nicht mehr stattgefunden“ habe.

Die Empörung im Netz war umgehend groß. „Schade!“, „Wir werden Euch vermissen“ hieß es mehrfach. Andere reagierten sarkastisch – Harald Schmitt schrieb etwa: „Schön, dass es in Hofheim so viele Metzger gibt.“ Und der FDP-Stadtverordnete Ralf Weber kommentierte trocken: „Klasse Leistung vom Hofheimer Rathaus.“
Auch ein Landtagsabgeordneter meldete sich zu Wort. Axel Wintermeyer, der für die CDU auch im Hofheimer Stadtparlament sitzt und offenbar Kunde des Metzgers ist („Ich werde Ihren Stand sehr vermissen“), kritisierte die Stadtverwaltung scharf: „Wirtschaftsförderung und Empathie im Hofheimer Rathaus sind seit Monaten nicht mehr vorhanden.“
Wintermeyer spricht ein Thema an, dass in letzter Zeit für erhebliche Aufregung sorgte: Die städtische Wirtschaftsförderung steht massiv in der Kritik. Sie gilt als verschlafen und unmotiviert – und das nicht erst, seit ein Investor sie in einem Interview als „schwach aufgestellt“ bezeichnete [hier]. Der Bereich fällt in die unmittelbare Zuständigkeit von Bürgermeister Willi Schultze, der die Aufgaben der Wirtschaftsförderung kürzlich einem jungen Mitarbeiter übertragen hat. Fragen zu dessen Qualifikation wollte er allerdings nicht beantworten: „Persönliche Informationen geben wir grundsätzlich nicht heraus“, ließ er mitteilen – was in diesem Fall wohl auch als Antwort gilt.

Hofheim-News hat im Rathaus auch zur Vertreibung des Metzgers nachgefragt – und diesmal zeigte sich die Verwaltung gesprächsbereiter: Die Metzgerei habe seit 2011 einen Vertrag, der vorsah, den Wochenmarkt mittwochs und samstags anzufahren. Der Samstagstand sei jedoch seit dem 17. Mai 2025 unbesetzt geblieben. Seitdem habe man mehrere Gespräche geführt und Herrn Walz, „ein geschätzter Marktteilnehmer“, über längere Zeit Verständnis entgegengebracht.
Im Dezember 2025, so der Rathaussprecher weiter, habe Walz angekündigt, den Samstagsmarkt ab Mitte Februar wieder zu bedienen. Zuletzt habe die Stadt ihn aufgefordert, bis zum 15. März 2026 eine Rückmeldung zu geben, und ihm zusätzlich einen Aufhebungsvertrag für den Samstagstand vorgeschlagen. „Eine verbindliche Aussage seitens der Metzgerei blieb aus.“
Abschließend heißt es in der Stellungnahme der Stadt: Man befinde sich bereits „in zielführenden Gesprächen mit anderen Bewerbern“ und sei zuversichtlich, dass es wieder ein Metzger-Angebot an beiden Markttagen geben werde.
Den Vorwurf von Wintermeyer weist die Stadt gegenüber Hofheim-News zurück: Die Wirtschaftsförderung sei an der Sache nicht beteiligt – die Organisation des Wochenmarkts liege beim „Team Messen und Märkte“. Das heißt allerdings auch: Der Wochenmarkt fällt in die Zuständigkeit der Fachdienststelle „Kultur und Sport“ – was den Konflikt um den Marktstand vielleicht erklären könnte…
Die Stadtverwaltung hat ihre Antwort auf die Fragen von Hofheim-News inzwischen auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht – ein ungewöhnlicher Schritt, der umgehend neue Kritik provozierte: „Interna aus Geschäftsbeziehungen haben auf Facebook nichts zu suchen“, schreibt der Hofheimer Rechtsanwalt Axel Pabst. Er bringt es auf den Punkt: „Wenn ich selbst Vertragspartner der Stadt wäre, wollte ich solche Informationen nicht öffentlich über unser Vertragsverhältnis lesen.“
Unser Bild oben zeigt einen Blick auf den Platz am Untertor mit dem Wochenmarkt an diesem Mittwoch.
HN/TR

