Gewerbeverein IHH warnt vor „Horrorszenario“ durch autofreie Innenstadt
Der Gewerbeverein IHH schlägt Alarm: In einem scharfen Rundschreiben wettert der Zusammenschluss gegen Bestrebungen für mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer. Während die Händler nach Baustellen-Stress ohnehin um Umsätze kämpfen, sehen sie in Verkehrswende-Ideen eine existenzielle Bedrohung für den Einzelhandel.
Die Fronten in Hofheim verhärten sich. In einem aktuellen Rundschreiben rechnet der Gewerbeverein IHH (Industrie, Handel und Handwerk) heftig mit jenen ab, die sich für eine fahrrad- und fußgängerfreundlichere Stadt einsetzen. Von einem „Horrorszenario“ ist die Rede, gegen dessen „ideologisch denkende Initiatoren“ man entschlossen auftreten müsse. Die Sorge der Händler: Kunden würden irritiert und verschreckt, die Umsätze brächen drastisch ein.
Vorsitzender des IHH ist Markus Buch, der die Probleme aus erster Hand kennt – er ist Betreiber großer Lebensmittelgeschäfte im Zentrum und im Chinon Center. In dem Brief heißt es: Zwar sei im Verteilerring nun Bauabschnitt 5 erreicht, womit die bekannten Parkplätze wieder auf alten Wegen erreichbar sind. Doch die Spuren der Baumaßnahmen seien tief: Besonders Gelegenheitskunden aus dem Umland – etwa Patienten nach einem Facharztbesuch, die früher spontan in der Innenstadt einkauften – blieben weg. Wer im Vorfeld lange überlegen müsse, wie er hinkomme und wo er parken könne, „gibt ein bisschen Gas und steuert eine andere Einkaufslage im Umkreis an“. Vor allem ältere Menschen seien stark auf Bequemlichkeit angewiesen.
Die Folgen spüre der Handel deutlich im Portemonnaie: Der Gewerbeverein nennt Umsatzrückgänge von bis zu 15 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren. Um die Dimensionen zu verdeutlichen, führt der Brief an, dass ein Umsatzminus von 10 Prozent für ein kleines Fachgeschäft bereits eine Halbierung des Gewinns bedeutet; bei 20 Prozent Minus drohen Verluste. Hinzu kommen externe Faktoren wie gestiegene Sprit- und Heizölpreise, die Konsumunlust auslösen, sowie tarifliche Lohnanpassungen. Mit großer Sorge blickt die IHH zudem auf die für 2027 in Hofheim anstehende nächste Grundsteuererhöhung, deren Nachforderungen über die Nebenkosten bei Mietern landen und den Einzelhandel durch erneute Sparbemühungen weiter treffen dürften.
Öl ins Feuer gießt aus Sicht der IHH die parallel geführte Diskussion über eine Verkehrsberuhigung und die Umgestaltung von Parkplätzen. Erst unlängst hatten die Grünen vorgeschlagen, die untere Hauptstraße zur Fußgängerzone zu machen – erst einmal versuchsweise. IHH-Chef Buch, der dort den Haupteingang zu seinem Innenstadt-Geschäft hat, stemmt sich gegen solche Pläne: Da fast 50 Prozent der Kunden die Innenstadt mit dem Pkw besuchen, würde eine autofreie Innenstadt genau diese Hälfte der Kundschaft vertreiben. Ein „Horrorszenario“: Hofheim stünde am Ende ohne Einzelhandel da – für jede Kleinigkeit müsste man in Nachbarorte ausweichen. Gute und bequeme Erreichbarkeit seien daher „derzeit nicht verhandelbar“.
Auch die Debatte um den Radverkehr sieht der Gewerbeverein kritisch: Hofheim sei historisch und topografisch bedingt nie eine Fahrradstadt gewesen. Ohne E-Bike seien die Wohnlagen am Rosen- oder Kapellenberg eine enorme Herausforderung, und erst der Siegeszug der E-Bikes lasse die Steigungen hinauf nach Marxheim bewältigbarer erscheinen. Es fehle in der Diskussion der Anwalt der auswärtigen Besucher sowie von Menschen mit Behinderungen oder älteren Bürgern, die weder laufen noch Rad fahren können.
Der IHH will die Probleme nicht einfach aussitzen, sondern mit Aktionen auf die Geschäfte aufmerksam machen. Man werde sich den Diskussionen in Hofheim stellen und den aus Sicht des Vereins „ideologisch denkenden Initiatoren“ mit Aufklärung und sachlichen Argumenten entgegentreten.
Quelle: IHH Hofheim
.

