Blick hinter Beton, Stahl und Glas: Führung durch die bedrohte St. Bonifatius-Kirche

Blick hinter Beton, Stahl und Glas: Führung durch die bedrohte St. Bonifatius-Kirche
Die katholische Kirche St. Bonifatius in Marxheim ist ein eingetragenes, denkmalgeschütztes Kulturdenkmal.

Prägend für das Stadtbild, doch von ungewisser Zukunft: Seit 1969 gilt die St. Bonifatius-Kirche als architektonische Landmarke im Hofheimer Süden. Da das Gotteshaus im Zuge massiver Einsparungen von der Pfarrei St. Elisabeth Hofheim/Kriftel/Eppstein künftig nicht mehr gehalten werden kann, schrumpft die Zeit für einen Besuch. Der Verein für Heimatgeschichte Marxheim bietet Interessierten nun eine einmalige Gelegenheit, das architektonische Erbe noch einmal in seiner ursprünglichen Funktion zu erleben.

Es war in den 1960er-Jahren: Die Einwohnerzahl in Marxheim und im Hofheimer Süden stieg rasant an – damals entstand mit dem Neubau ein modernes Gebäudeensemble für den Gottesdienst und das Gemeindeleben einer wachsenden katholischen Gemeinde.

Entworfen im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965), spiegelt der Bau die optimistische Aufbruchsstimmung jener Jahre wider, geprägt von einer neuen Gestaltungsfreiheit aus Beton, Stahl und Glas. In ihrer gelungenen Verbindung von Liturgie, Architektur und Kunst ist die Kirche ein außergewöhnliches Zeugnis ihrer Epoche. Wegen ihrer hohen künstlerischen, geschichtlichen und städtebaulichen Bedeutung wurde sie als Kulturdenkmal unter Schutz gestellt.

Doch sinkende Mitgliederzahlen und rapide schrumpfende Einnahmen zwingen die Kirche zum Handeln: Die Pfarrei St. Elisabeth Hofheim/Kriftel/Eppstein muss sich von etlichen Immobilien trennen und hat auch die St. Bonifatius-Kirche auf die Streichliste gesetzt.

Wann genau sich die Nutzung des Gebäudes verändern wird, ist derzeit noch offen. Umso bedeutsamer ist die Chance, den Komplex vor einschneidenden Veränderungen noch einmal kennenzulernen. Der Verein für Heimatgeschichte Marxheim lädt hierzu – mit freundlicher Genehmigung der Pfarrei St. Elisabeth – zu einer Sonderführung ein.

Wer mehr über Entstehung, Architektur und die künstlerische Ausstrahlung dieses besonderen Ortes erfahren möchte, ist am Samstag, 26. September, um 15 Uhr in die St. Bonifatius-Kirche (Hermann-Löns-Straße 26) eingeladen.

Bonifatius
Der charakteristische Stahlbetonbau der St. Bonifatius-Kirche wurde vom bekannten Würzburger Dombaumeister Hans Schädel geplant. Das Erscheinungsbild ist durch Sichtbetonflächen, Klinkerwände und markante Fensterbänder geprägt.

Durchgeführt wird der Rundgang von Hans Colloseus. Als Mitglied des Vereins für Heimatgeschichte Marxheim und langjährig aktives Gemeindemitglied kennt er das Gotteshaus bestens. Er beleuchtet nicht nur die architektonischen Finessen, sondern hat auch packende Anekdoten parat – darunter den legendären Skandal um das „Mess-Festival“ vom 13. Juni 1971. Damals sorgte ein experimenteller Jugendgottesdienst mit Live-Musik, Diskussionen und einer anschließenden Agape mit Würstchen und Getränken vor dem Altar für bundesweites Aufsehen, schaffte es sogar in die Schlagzeilen der „Bild“-Zeitung und ging als kirchenhistorischer Meilenstein in die Geschichte des Bistums Limburg ein.

Im Anschluss an die Führung besteht in den Gemeinderäumen bei Kaffee, Kuchen und persönlichen Gesprächen die Gelegenheit zum Austausch. Der Eintritt ist frei, der Verein für Heimatgeschichte Marxheim freut sich über Spenden zum Erhalt seiner Arbeit.

Quelle: Verein für Heimatgeschichte Marxheim

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