Kein Geld mehr da: Hofheim tritt beim Radschnellweg FRM 3 voll auf die Bremse
Der Radschnellweg FRM 3 von Wiesbaden nach Frankfurt – nein, er liegt noch nicht im Grab. Aber das „Weiter-so“ auf Steuerzahlers Kosten? Das ist seit Dienstagabend Geschichte. Im Bau- und Planungsausschuss herrschte eine in der Hofheimer Stadtpolitik seltene Einmütigkeit: So geht es nicht weiter.
Hofheim-News hatte es jüngst in einem ausführlichen Bericht aufgezeigt: Hier wird kein gewöhnlicher Radweg geplant – hier soll ein fahrradgewordenes Prestigeprojekt entstehen. Die Maße: 42 Kilometer lang, bis zu fünf Meter breit, durchgehend beleuchtet. Der Preis: 138 Millionen Euro – Stand heute, wohlgemerkt. Neben Wiesbaden und Frankfurt beteiligen sich die Anliegerkommunen Hochheim, Flörsheim, Kriftel, Hattersheim – und eben Hofheim. Rund 30 Millionen Euro soll der Ausbau allein auf Hofheimer Gemarkung kosten. Reine Theorie natürlich. Denn kein Mensch glaubt, dass es bei dieser Summe bleibt.
Und alle wissen: Hofheim kann diese Kosten nicht stemmen. Die Kreisstadt hat das Geld nicht. Weder auf dem Konto noch in Aussicht.
Der Ausschuss zog deshalb die Notbremse. Der FRM 3 sei ja ganz nett, aber ohne Moos nix los. SPD-Fraktionschef Aaron Kowacs gab den Wortführer: Grundsätzlich begrüße man das Projekt. Aber angesichts der eigenen Finanzprobleme könne man keine Finanzierungszusagen machen. Auch müsse man die Maximalforderungen der Planer abspecken. Kowacs: „Da ist einiges unnötig und überzogen.“
Zustimmendes Nicken auf allen Bänken. Man steht prinzipiell zum Projekt – aber ab sofort gilt der eiserne Haushaltsvorbehalt. Übersetzt heißt das: Erst kommt die Kasse, dann der Radweg. Die Streckenführung muss auf den Prüfstand, vorhandene Wege sollen genutzt und die imposanten Brückenbauwerke hinterfragt werden. Klingt ganz nach: Schluss mit der XXL-Variante.
Bleibt die bange Frage: Kostet uns dieses Hofheimer Zurückrudern am Ende wieder echtes Geld? Man erinnert sich schmerzhaft an die Pleite bei der 20 Millionen Euro teuren Fuß- und Radbrücke: Die Stadt will die Planung einstellen und soll deshalb 125.800 Euro an Fördergeldern zurückzahlen. Der Erste Beigeordnete Daniel Philipp beruhigte: Die bisherigen Planungskosten für den FRM 3 zahlt der Regionalverband.
Der allerdings hatte fest auf ein bedingungsloses „Go“ aus Hofheim gehofft. Nach der Hofheimer Vollbremsung: Ob und wie es weitergeht – völlig offen.
PS: Nach dem Bauausschuss befasst sich am heutigen Mittwoch, 12. August, ab 18 Uhr der Haupt- und Finanzausschuss im Rathausanbau mit dem Thema. Das letzte Wort hat das Parlament am kommenden Mittwoch, den 19. August, ab 17:45 Uhr in der Stadthalle.
TR

