Grundsteuer-Demo: Erwacht in Hofheim jetzt der Bürgerprotest?

Grundsteuer-Demo: Erwacht in Hofheim jetzt der Bürgerprotest?
Die ersten Demo-Plakate hängen bereits aus.

In der Kreisstadt hängen erste Plakate: Eine Demo gegen die Erhöhung der Grundsteuer soll demnächst stattfinden – im Oktober, vorm Rathaus. Wer steckt dahinter? Was ist das Ziel? Wir wissen es.

Der Mann ist vor einem Monat 60 geworden, lebt in Langenhain und betreibt seit rund 20 Jahren eine bescheidene GmbH als Firmensanierer: Dr. Stephan Keidel. Seit 2019 firmiert er zudem als Geschäftsführer der Sudhaus GmbH, einem mittelständischen Unternehmen im sauerländischen Iserlohn – laut Firmenwebseite mit stolzen 150 Mitarbeitern. Zum Sortiment gehören Schulranzen-, Möbel- und Mülltonnenschlösser.

Im Internet schlummert noch ein weiteres Detail: Die Sudhaus GmbH ist pleite. Anfang dieses Jahres wurde der Insolvenzantrag gestellt, die Eigenverwaltung angeordnet.

Wer im Westen die Schlösser nicht mehr zuhalten kann, hat offenbar Kapazitäten frei. Und die will Herr Keidel aus Langenhain jetzt in die Sanierung der Hofheimer Stadtfinanzen investieren.

Eine Webseite gibt es schon: www.hofheim-wehrt-sich.de. Wir sehen eine große Überschrift: „Grundsteuererhöhung stoppen“. Darunter geht’s weiter: Man kämpfe für die Bürger und Bürgerinnen, um weitere Erhöhungen zu verhindern. Deshalb: Sonntag, 25. Oktober, ab 11 Uhr, Kundgebung auf dem Chinon-Platz.

Demo
Reif für die Manege? Unter dem Titel „Zirkus Deutschland“ schimpfte Demo-Initiator Dr. Stephan Keidel im Netz über staatliche Bürokratie. Der Screenshot zeigt ihn in einem seiner Online-Filme.

Eigentlich ist der Slogan „Grundsteuer stoppen“ ja nicht ganz korrekt. Die Grundsteuer B – also die Steuer aufs Wohnen, die jeder berappen darf – wurde von den Stadtverordneten bekanntlich rückwirkend zum 1. Januar mehr als verdoppelt und auf 1545 Prozent festgesetzt. Das sicherte der Kreisstadt einen unrühmlichen Spitzenplatz in Hessen, bis Riedstadt mit 1600 Prozent vorbeizog.

In der Kreisstadt aber wird’s dabei vermutlich nicht bleiben: Bürgermeister Wilhelm Schultze kündigte für 2027 schon mal sportliche 2250 Prozent an. Ob es dabei bleibt oder nach heftigen Steuereinbrüchen noch eine Schippe draufgelegt werden muss, wird sich demnächst zeigen.

Keidel will das nicht hinnehmen. Mit „starkem Bürgerengagement“, schreibt er im Internet, strebe er die Rückführung „auf das Niveau von 2025“ an. Das ist mal eine Ansage: 2025 lag die Steuer bei schlanken 645 Prozent. Dahin will er also zurück.

Wie will er das schaffen? Und vor allem: Wie will er ohne die Millionen-Mehreinnahmen aus der Grundsteuer die städtischen Finanzen sanieren, wenn die Kommunalaufsicht zugleich unmissverständlich den Schuldenabbau fordert?

Im Gespräch gibt sich der Mann ebenso entschlossen wie verschlossen. So gehe es nicht weiter, schimpft Keidel markig. Bürgermeister Schultze sei einfach zu jung, ihm fehle jede Erfahrung, er identifiziere die Ursachen der Finanzmisere nicht richtig, so werde das nichts. Auch die Stadtverordneten agierten „unprofessionell“, er sehe ein „krasses Missmanagement“. Maßnahmen müssten her.

Und genau an der Stelle, wo der vermeintliche Heilsbringer endlich Butter bei die Fische geben müsste, taucht er ab in tiefes Schweigen: Seine Vorschläge verrate er erst auf der Demo, sagt er. Würde er vorher Fakten nennen, komme ja schließlich keiner. Dann aber, wenn er Klartext rede, werde eine Schockwelle durch die Stadt gehen. Da ist er sich sicher.

Dass er über das nötige Knowhow verfügt, will er bewiesen haben – erzählt er: Der  Diplom-Wirtschaftsingenieur hatte sich vor Jahren die Miesen der Rhein-Main-Deponie GmbH (RMD) angeschaut und befunden, die Lage des kommunalen Abfallunternehmens sei bedenklich. Die Lokalpresse berichtete groß, die RMD widersprach laut, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG kam damals allerdings zum selben Ergebnis.

Und auch bei der Massenmobilisierung will der Mann ein alter Hase sein: Als in Langenhain ein Privatmann einen Hubschrauberplatz anlegen wollte, initiierte der nur 150 Meter entfernt wohnende Keidel eine Unterschriftensammlung. 200 Langenhainer unterschrieben – so habe er das Projekt gestoppt, jubelt er noch heute. Dass das Regierungspräsidium Darmstadt später mitteilte, es habe überhaupt gar keinen Antrag auf einen Landeplatz gegeben? Eine Randnotiz.

Schloss-Experte ohne Schloss, Sanierer in der Eigenverwaltung, Hubschrauber-Schreck gegen imaginäre Hubschrauber: Hofheim darf sich auf einen unterhaltsamen Oktober gefasst machen.

TR

Ein Gedanke zu “Grundsteuer-Demo: Erwacht in Hofheim jetzt der Bürgerprotest?”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

© 2026 Hofheim-News | Impressum | Datenschutzerklärung