Das Jubiläum, die Sause – und der Paukenschlag: HWB-Chef Diehl verlässt Hofheim
Die Nachricht kommt zur Unzeit: Für den morgigen Donnerstag hat die Stadt Hofheim ein großes Fest angekündigt – 100 Jahre besteht die HWB. Mitten in die letzten Vorbereitungen platzt diese Nachricht: Norman Diehl hat gekündigt. Der wichtigere von zwei HWB-Geschäftsführern verlässt die Kreisstadt. Frankfurt hat ihn abgeworben.
Die Einladung stapelt tief: Zu einem „Come together“ wird in die Stadthalle gebeten, ab 18 Uhr an diesem 1. Oktober. Zwei- bis dreihundert Gäste werden erwartet, heißt es. Während die Stadtkasse klamm ist und die Grundsteuer an der Schmerzgrenze der Bürgerinnen und Bürger nagt, lässt es die stadteigene HWB mit den Stadtpolitikern und ausgewählten Gästen richtig krachen. Man munkelt von Live-Cooking, Bühnenfeuerwerk und angemieteten Möbeln, weil das reguläre Inventar der Stadthalle nicht standesgemäß schien. Erbetener Dresscode für die geladenen Rathaus-Führungskräfte: Abendgarderobe, bitte.
Ob eine derartige Sause zu einer Stadt passt, die finanziell am Krückstock geht, sei dahingestellt. Das eigentliche Thema des Abends steht ohnehin fest: HWB-Chef Norman Diehl geht.
Der Werdegang ist lokal verwurzelt: Diehl ist in Hofheim aufgewachsen, ging hier zur Schule und absolvierte bei der HWB eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann. Nach einem kurzen Intermezzo im hohen Norden kehrte er 2013 in die Heimat zurück. Rasch verdrängte er den zweiten Geschäftsführer, den deutlich gröber geschnitzten Josef Mayr, in die zweite Reihe und avancierte zum sympathischen, stets konzilianten Gesicht des städtischen Unternehmens – belohnt mit dem Titel des Vorsitzenden der Geschäftsführung sowie der Leitung der Hallen- und Parkhaus GmbH.
Das ist demnächst Geschichte. Zum 1. Januar nächsten Jahres wechselt Diehl als Geschäftsführer zur ABG Frankfurt Holding. Die Dimensionen sprechen für sich: Die ABG (Mehrheitsgesellschafter: Stadt Frankfurt) beschäftigt rund 800 Mitarbeiter, bewirtschaftet laut Eigenangabe 55.000 Wohnungen sowie knapp 37.900 weitere Mietobjekte und erwirtschaftete einen Konzernjahresüberschuss von 95,8 Millionen Euro.
Die HWB nimmt sich dagegen bescheiden aus: Ihr Wohnungsbestand (etwa 1.700 Einheiten) entspricht gerade einmal rund 3 Prozent des ABG-Portfolios, die Belegschaft (50 Mitarbeiter) rund 6 Prozent. Ein beruflicher Aufstieg für Diehl – ohne Zweifel.

Der Hintergrund des Wechsels ist eine historische Zäsur bei der ABG: Frank Junker, der das Unternehmen über Jahrzehnte prägte, verabschiedet sich zum Jahresende 2026 aus der Geschäftsführung. Der Aufsichtsrat hat die Nachfolge bereits geregelt: Zum 1. Januar 2027 übernehmen Norman Diehl und Armin Niedenthal die Führung des Frankfurter Wohnungsriesen – zwei erfahrene Köpfe aus dem kommunalen Wohnungsbau.
Den offiziellen Segen aus dem Rathaus gibt es für Diehl trotz des abrupten Abschieds. In einer dazu veröffentlichten Pressemitteilung bestätigte die Stadt den Jobwechsel, wobei formal noch der Aufsichtsrat über die vorzeitige Vertragsbeendigung entscheiden muss.
Bürgermeister: „Diehl hat HWB maßgeblich mitgeprägt“
Hier die Pressemitteilung der Stadt Hofheim im Wortlaut:
Norman Diehl, Geschäftsführer und Sprecher der Geschäftsführung der Hofheimer Wohnungsbau GmbH (HWB), hat den Aufsichtsrat darüber informiert, dass er zum 1. Januar 2027 in die Geschäftsführung der ABG Frankfurt Holding wechseln möchte. Er hat am heutigen Tag sein Amt als Geschäftsführer zum 31. Dezember 2026 niedergelegt. Vor diesem Hintergrund hat er um eine vorzeitige Beendigung seines Anstellungsvertrages zum Ende des Jahres 2026 gebeten. Über die vorzeitige Vertragsbeendigung entscheidet der Aufsichtsrat.
„Norman Diehl hat die HWB im vergangenen Jahrzehnt maßgeblich mitgeprägt – stets mit großer Verantwortung für das große Ganze, aber auch für den Blick für die Menschen, die bei uns leben. Für alles, was er eingebracht und bewegt hat, danke ich ihm sehr herzlich“, sagt Bürgermeister und HWB-Aufsichtsratsvorsitzender Wilhelm Schultze. „Seinen Wunsch, eine neue berufliche Aufgabe zu übernehmen, respektieren wir. Die HWB ist handlungsfähig und gut aufgestellt. Dem Aufsichtsrat werde ich die vorzeitige Beendigung des Anstellungsvertrages von Norman Diehl zum 31. Dezember 2026 vorschlagen. Außerdem wird der Aufsichtstrat in Ruhe und mit der nötigen Sorgfalt die Weichen für die künftige Aufstellung der Geschäftsführung und das weitere Verfahren stellen.“
„Die vergangenen elf Jahre bei der Hofheimer Wohnungsbau GmbH waren für mich eine außerordentlich bewegende und prägende Zeit. Gemeinsam mit meinem Geschäftsführerkollegen Josef Mayr, unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie unseren Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Stadtgesellschaft konnten wir Vorhaben auf den Weg bringen und realisieren. Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Norman Diehl.
Zu den bedeutendsten Entwicklungen in Norman Diehls Amtszeit zählen insbesondere der Bau der Neuen Stadtbücherei sowie die Neue Dorfmitte in Lorsbach. Darüber hinaus hat er sich immer dafür eingesetzt, als Dienstleister für Stadtgesellschaft aufzutreten – sei es bei Fragen der wohnungsnahen Grundversorgung oder auch der klassischen Quartiersarbeit vor Ort. Letzteres wurde in seiner Zeit mit dem Aufbau der Familie Marxheim und Familie Nord unterstrichen.
Mit seinem Wechsel zur ABG Frankfurt Holding möchte Diehl ab dem 1. Januar 2027 eine neue Verantwortung in Frankfurt übernehmen. „Der Wechsel ist für mich ein wichtiger nächster Schritt. Gleichzeitig fällt mir der Abschied aus Hofheim nicht leicht. Es ist jedoch ein guter Zeitpunkt, da die HWB als Unternehmen top aufgestellt für die Zukunft ist“, erläutert Diehl seine Entscheidung.
Die Hofheimer Wohnungsbau GmbH dankt Norman Diehl noch einmal ausdrücklich für sein langjähriges Engagement und erfolgreiche Arbeit. Dank ihm ist die Hofheimer Wohnungsbau auch überregional als Vorreiter für Wohnungs- und Stadtentwicklung bekannt und er hat so auch die Entwicklung Hofheims über ein Jahrzehnt maßgeblich mitgestaltet.

