„Mir doch egal, oder?“ – Plädoyer für ein sauberes Hofheim und echtes Miteinander

„Mir doch egal, oder?“ – Plädoyer für ein sauberes Hofheim und echtes Miteinander

Hofheim liegt uns allen am Herzen – doch ein Spaziergang durch die Altstadt zeigt oft ein ernüchterndes Bild. Norbert Preusche hat genauer hingesehen: In seinem Gastbeitrag beschreibt er, warum Wegsehen keine Option ist – und wie wir mit ein wenig Zivilcourage und freundlichen Worten gemeinsam viel bewegen können. Ein Denkanstoß, der Lust auf ein besseres Miteinander macht!

Ein Gastbeitrag von Norbert Preusche

Auf dem Weg zum ehrenamtlichen Gießen neu gesetzter Pflanzen am Tivertonplatz und bei einem kleinen Rundgang durch die Hofheimer Altstadt musste ich leider wieder einmal feststellen, wie vermüllt – auf Neudeutsch: gelittert – dieser städtische Raum ist.

Es war am Samstag, morgens um 8:45 Uhr. Diesmal habe ich ein paar Fotos gemacht; meine Tochter, grafisch bewandert, hat daraus ein Plakat designt. Meine Gedanken dazu möchte ich gerne teilen:

Stadt, Ortsbeirat, Vereine und Initiativen bemühen sich unablässig, den zunehmend üblen Zustand auf unseren Straßen und Plätzen zu verbessern. Ob mit Appellen, Zeitungsartikeln, Aufrufen oder Reinigungsaktionen: Immer wieder versuchen sie, neue Impulse zu geben, um die Stadt – vor allem unsere gute Stube, die historische Altstadt – sauber zu halten. Vergeblich, wie man auf meinem kleinen Plakat sehen kann.

Auf der einen Seite sehen wir stets dieselben wenigen Bürgerinnen und Bürger, die mit Engelsgeduld etwas erreichen wollen: eine saubere und einladende Stadt.

Miteinander
Müll in der Altstadt, fotografiert an nur einem Morgen: Norbert Preusches Tochter Celine hat die Fotos zu einem ausdrucksstarken Plakat gestaltet..

Auf der anderen Seite stehen Menschen, die meiner Meinung nach keine ausreichende Erziehung genossen haben. Die einfach tun, was sie wollen – ohne Rücksicht auf andere. Ihre Hinterlassenschaften sehen wir beim Rundgang durch die Altstadt an einem Samstagmorgen. Wollten wir bei diesem Thema in die Tiefe gehen und nach den Verursachern und den Gründen ihres Verhaltens fragen, müssten wir vermutlich wie die polizeiliche SpuSi genauer hinschauen: Welche Einstellung und Motivation stecken wo dahinter?

Am einfachsten ist das noch bei nicht entsorgtem Hundekot und den verantwortlichen Hundehaltern zu erklären. Bei Flaschen oder Pizzakartons wird es schon schwieriger. Wer lässt leere Dosen und Kartons einfach dort liegen, wo der Inhalt genossen wurde? Auch Taschentücher oder Bonbonpapiere werden oft fallen gelassen – mit der bequemen Ausrede, das löse sich schon von alleine auf.

Es sind, das muss man auch sagen, nicht viele Menschen, die so handeln und eine Art Narrenfreiheit für sich in Anspruch nehmen. Trotzdem: Was da herumliegt, nimmt mittlerweile überhand. Und es wird noch mehr werden, da der Stadt das Personal und das Geld fehlen, um alles überwachen oder wegräumen zu lassen. Es wird damit bestimmt noch schlimmer werden: Wo Müll liegt, werfen andere Müll dazu. So wird es immer mehr.

„Mir doch egal“ ist für viele zur Grundhaltung geworden – ein Missverständnis von Freiheit und Individualität, das auf Kosten aller anderen geht. Deshalb mein Vorschlag: Sprechen wir die Menschen einfach an. Fragen wir zum Beispiel ruhig mal höflich nach, ob jemand ein Hundetütchen dabeihat. Ein freundlicher Hinweis kann zum Impuls werden, der vielleicht für mehr Sauberkeit und damit mehr Lebensqualität in unserer Stadt sorgen könnte.

Das ist keine Bevormundung, sondern ein kleiner Beitrag zu mehr Lebensqualität in unserer Stadt. Wir sollten dieses Thema nicht kampflos denen überlassen, die ohnehin am liebsten mit harter Hand durchgreifen würden. Zeigen wir stattdessen, dass Demokratie auch mit Anstand und gegenseitigem Respekt funktioniert – ganz ohne Zeigefinger von rechts außen.

Wir könnten es natürlich auch machen wie Singapur. Dazu empfehle ich, die KI zu fragen: „Warum ist Singapur so sauber – und mit welchen Mitteln erreicht es das?“ Die Antwort: frühzeitige Erziehung, strenge Kontrollen, hohe Strafen und ein gefestigtes Sauberkeitsbewusstsein im urbanen Raum.

Ein Sauberkeitsverständnis, das mit Zwang durchgesetzt wird – wollen wir das wirklich? Ich nicht. Bleiben wir also lieber wachsam, freundlich – und im Gespräch miteinander.

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Mittendrin statt nur dabei: Als Anwohner der Hofheimer Altstadt bringt sich Norbert Preusche mit viel Herzblut in das Stadtleben ein. Er bereichert Diskussionen mit frischen Impulsen und gestaltet Hofheim aktiv mit – unter anderem in der Initiative „Essbare Stadt“.

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