Spätes Erwachen: Rathaus drückt nach tagelanger Hass-Welle die Löschtaste
Es hat ungewöhnlich lange gedauert, doch nun hat die Hofheimer Stadtverwaltung reagiert: Die hasserfüllten und homophoben Kommentare, die gut zwei Wochen lang unter dem offiziellen Wappen der Kreisstadt im Netz kursierten, wurden gelöscht.
Der Hintergrund: Anlässlich des internationalen Idahobit-Aktionstags hatte das Rathaus ein Zeichen für Toleranz setzen wollen. Am 15. Mai wurde die Regenbogenflagge auf dem Chinonplatz gehisst, ein Foto mit Bürgermeister Willi Schultze und Vertretern der Stadtverwaltung wurde umgehend über die offiziellen Social-Media-Kanäle der Stadt verbreitet.
Doch statt des erhofften positiven Echos brach eine Welle der Entrüstung über die Kreisstadt herein. Binnen weniger Stunden eskalierte die Situation im Netz. Unter dem Beitrag sammelten sich hunderte Kommentare – eine Mischung aus homophober Hetze, ideologischen Tiraden und massiven Beleidigungen.
Die Stadtverwaltung setzte zunächst auf Aussitzen und ließ den virtuellen Mob tagelang gewähren. Auf Nachfrage von Hofheim-News zu den Hasskommentaren und dem beharrlichen Schweigen des Bürgermeisters erklärte der Rathaussprecher das Wegsehen sogar zu einer Art pädagogischen Strategie: Eine „ausführliche öffentliche Auseinandersetzung“ sei für die Verwaltung unumgänglich. „Ein einfaches Moderieren bzw. leises Löschen oder Verbergen der Kommentare wird diesem Ausmaß der Verunglimpfungen nicht gerecht“, hieß es vonseiten der Stadt.

Weitere zehn Tage vergingen, bis der Bürgermeister nun doch endlich die Reißleine zog. In einer aktuellen Internet-Videobotschaft bemühte sich Willi Schultze am Montag sichtlich um Schadensbegrenzung. „Was da abging, war wirklich erschreckend“, stellte er plötzlich fest und verurteilte die „hasserfüllten und gewaltverherrlichenden“ Entgleisungen aufs Schärfste. Eine bemerkenswert späte Reaktion – schließlich waren die Kommentare auch für die Stadtspitze über Tage hinweg unübersehbar online.
Als Reaktion und Signal für die Werte einer vielfältigen Gesellschaft soll die Regenbogenflagge nun den gesamten Juni über hängen bleiben. Zudem betonte Schultze im Nachgang, dass die Meinungsfreiheit da aufhöre, wo die Freiheit anderer eingeschränkt wird.
Diese Erkenntnis ist richtig – sie wirft jedoch die zwingende Frage auf, warum Hofheims Stadtverwaltung nicht von Anfang an konsequent nach diesen eigenen Maßstäben gehandelt hat.
Unser Bild oben zeigt einen Screenshot aus der neuesten Videobotschaft von Willi Schultze, die er über die städtischen Kanäle verbreitete.
HN/TR

