Rathaus informiert: Grundsteuer soll auch in den nächsten Jahren weiter stark ansteigen

Rathaus informiert: Grundsteuer soll auch in den nächsten Jahren weiter stark ansteigen

Jetzt liegt die Wahrheit auf dem Tisch – und sie ist noch einmal wesentlich schlimmer als bisher befürchtet: Die Grundsteuer B, also die Steuer auf das Wohnen, die alle Hofheimerinnen und Hofheimer zahlen müssen, wird nicht nur in diesem Jahr deutlich angehoben. Aktuell liegt sie bei 658,23 %. Rückwirkend zum 1. Januar 2026 soll sie mehr als verdoppelt, möglicherweise sogar verdreifacht werden. Worüber kaum jemand spricht: Danach soll es Jahr für Jahr weitergehen – bis 2029 könnte sie fast 2.500  Prozent erreichen.

Die Information stammt aus einer Mitteilung des Rathauses, die Bürgermeister Willi Schultze an alle Stadtverordneten verschicken ließ. Das Schreiben lässt erahnen: Wohnen in Hofheim, schon heute für viele kaum finanzierbar, wird noch einmal drastisch teurer – für Eigentümer und Mieter gleichermaßen.

Hintergrund: Als Schultze im Dezember letzten Jahres seinen Haushaltsentwurf für 2026 vorstellte, wurde bekannt, dass Hofheim stark verschuldet ist. Das laufende Konto war um einen zweistelligen Millionenbetrag überzogen, eine Rückzahlung bis Jahresende nicht möglich.

Schultzes Lösung: Er erhöhte die Grundsteuer B auf über 2.200 Prozent – so konnte er einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Seine Botschaft an die Stadtverordneten: Wer diese Belastung nicht akzeptieren will, soll Vorschläge machen, wie man sparen kann – etwa durch gekürzte Ausgaben, höhere Gebühren, Steueranpassungen oder Immobilienverkäufe.

Der Landrat setzte zudem eine klare Frist: Bis 2029 muss der Schuldenberg abgebaut sein.


Heute tagt das Stadtparlament

Am heutigen Dienstagabend, 3. März, tagt das Stadtparlament. Auf der Tagesordnung steht eher Klein-Klein: ein paar Berichte, einige Anträge – das spannendste Thema ist eine neue Satzung zu den Parkgebühren in der Innenstadt [hier]. Die Sitzung beginnt um 18 Uhr in der Stadthalle. Eigentlich sollte sie am morgigen Mittwoch fortgesetzt werden, um den Haushalt zu verabschieden. Dieser Termin wurde gestrichen; stattdessen ist eine weitere Runde der Haushaltsberatungen für den Haupt- und Finanzausschuss angesetzt. Beginn: 18.15 Uhr, ebenfalls in der Stadthalle. Beide Sitzungen sind öffentlich, Zuhören ist erlaubt.


Seither ist in Hofheims Politik nichts mehr wie früher. In stundenlangen Sitzungen prüften die Stadtverordneten den 700-seitigen Haushaltsplan. Laut aktuellem Stand konnte der Etat gerade einmal um rund 1,8 Millionen Euro verbessert werden; beim Investitionsprogramm wurden zusätzlich 2,3 Millionen eingespart.

Das klingt nicht schlecht, ist aber viel zu wenig. Und so bleibt die Grundsteuer ein zentraler Streitpunkt und angesichts bevorstehender Kommunalwahlen auch ein Schreckgespenst für die Lokalpolitiker. Einige wollen eine Obergrenze von 1.000  Prozent, andere akzeptieren höchstens eine Verdoppelung, wieder andere eine Marke von 1.500  Prozent. Ansonsten, so hieß es auch mal, würde man dem Haushaltsplan nicht zustimmen.

Jetzt müssen sie erfahren, dass die für dieses Jahr geplanten Erhöhungen noch harmlos sind – angesichts dessen, was in den nächsten Jahren folgt. Aktuelle Rathaus-Berechnungen zeigen drei Varianten:

  • Variante 1: Erhöhung 2026 auf 1.615 %, 2027 auf 2.250 %, 2028 auf 2.350 % und 2029 auf 2.430 %.
  • Variante 2: Erhöhung 2026 auf 1.800 %, 2027 auf 2.150 %, 2028 auf 2.300 % und 2029 auf 2.400 %.
  • Variante 3: Erhöhung 2026 auf 1.950 %, 2027 auf 2.100 %, 2028 auf 2.250 % und 2029 auf 2.350 %.

Die kommenden Tage werden zur Nagelprobe: Welche Variante setzt sich durch – und wie viel müssen die Hofheimerinnen und Hofheimer wirklich zahlen? Die finale Entscheidung muss danach im Stadtparlament fallen. Ob vor der Wahl am 15. März Klarheit herrscht, ist inzwischen mehr als fraglich.

Ursprünglich wollten die Stadtverordneten diese Woche den Haushalt – samt neuer Grundsteuer – beschließen. Doch die Beratungen zogen sich hin. Für Mittwochabend wurde deshalb eine Zusatzsitzung des Haupt- und Finanzausschusses angesetzt. Ob dort der Knoten platzt? Zweifel sind angebracht. Vielleicht reicht auch das nicht, und eine weitere Runde wird nötig.

Ein Termin für die entscheidende Abstimmung im Stadtparlament? Bisher Fehlanzeige.

Am 15. März sind dann die Wahlen. Für manche Lokalpolitiker könnte das neue Timing kaum besser sein: Wenn vor der Wahl keine Entscheidung über die Grundsteuer fällt, dürfen die Wähler unbeschwert ihre Kreuzchen setzen.

Die bittere Wahrheit bleibt ihnen noch ein paar Tage schön vorenthalten.

HN/TR

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