Jazzkeller Hofheim: Nach Wasserschaden steht die Zukunft auf der Kippe

Jazzkeller Hofheim: Nach Wasserschaden steht die Zukunft auf der Kippe

Sie wollten Klarheit – und gingen am Ende doch mit neuen Fragezeichen nach Hause. Stadtverordnete haben sämtliche Unterlagen gesichtet, die im Hofheimer Rathaus nach einem Wasserschaden im Jazzkeller angelegt worden waren. Auf Antrag der Linken war die Akteneinsicht zustande gekommen; im Raum stand der Verdacht, dass das Rathaus die Versicherung nicht vollständig informiert habe und die Stadt auf einem Teil der Kosten sitzen bleiben könnte. Die entscheidende Frage blieb am Ende unbeantwortet: Wie geht es weiter mit dem Jazzkeller? Stattdessen tat sich ein neuer Vorwurf auf: Wurde der Betrieb im Jazzkeller geduldet, obwohl er aus Brandschutzgründen längst hätte untersagt werden müssen?

Geschehen war Folgendes: SPD-Beigeordneter Bernhard Köppler hatte – es war vor gut zwei Jahren – seine vielfach als eher dürftig bewertete Rathaus-Bilanz noch schnell aufpolieren wollen. Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit verpachtete er den heruntergekommenen – denkmalgeschützten! – Güterschuppen an die Taunus Braumanufaktur.

2025 folgte die Eröffnung. Es gehe darum, ließ Köppler von der Lokalzeitung verbreiten, den Jazzkeller zu retten und dem Güterschuppen neues Leben einzuhauchen. Dass die Lage längst festgefahren war, verschwieg er.

Der SPD-Mann hatte bereits 2024 die Weichen für den Einzug der Brauerei gestellt. Die Vorbereitungen waren nicht billig – doch im Rathaus schien Geld zu diesem Zeitpunkt noch keine allzu große Rolle zu spielen.

Auch die jungen Brauereibetreiber wollten als künftige Pächter des Güterschuppens mit anpacken und zunächst für Ordnung sorgen. Ein Besen genügte ihnen nicht: Sie griffen zum Hochdruckreiniger – und das hatte gravierende Folgen. Das Wasser drang durch die rissige Betondecke – im darunterliegenden Jazzkeller gingen alle Lichter aus.

Im Oktober vergangenen Jahres schied Köppler aus dem Amt. Im Jazzkeller, dem er neues Leben versprochen hatte, blieb es dunkel. Bis heute.

Jazzkeller
Blick in den Jazzkeller nach dem Wasserschaden.

Der Jazzkeller ist eine jahrzehntealte Kulturinstitution, vielleicht etwas aus der Zeit gefallen, aber mit viel Herzblut von einem kleinen Verein betrieben. In der Corona-Zeit ging es steil bergab, danach blühte der Betrieb wieder auf – bis das Wasser von oben kam.

Auch wenn man es nicht sieht: Im Hintergrund wurde vor und nach dem Wasserschaden viel Geld ausgegeben. Die Stadt knauserte nicht; eine detaillierte Kostenaufstellung liegt vor. Ein kleiner Auszug aus der langen Liste: Dacharbeiten (8.000 Euro), Brandschutz-Gutachten (1.200 Euro), Architekten-Honorar (7.500 Euro), Wasserleitungen für Ausschankcontainer (2.000 Euro), restauratorische Voruntersuchung von Fassade und Innenraum (knapp 6.000 Euro), Feinstaubreinigung (17.000 Euro). Zur Bekämpfung von Schimmel im Keller wurde ein mikrobiologisches Gutachten erstellt (4.000 Euro), ein schalltechnisches Gutachten kostete 6.000 Euro.

Es läpperte sich: Insgesamt gab die Stadt 2024 und 2025 rund 150.000 Euro für die Herrichtung des Güterschuppens aus – und teilweise auch für die Aufräumarbeiten im nicht mehr nutzbaren Jazzkeller.

Soweit alles unstrittig.

Die Probleme begannen, als die Frage aufkam, wer für den Wasserschaden aufkommen muss. Der Jazzkeller-Verein wandte sich an die Stadt, die ihre Versicherung einschaltete – mit dem Ergebnis: Kein Gebäudeschaden, sondern ein privater Haftpflichtschaden der Brauerei-Betreiber, den deren Versicherung abdecken müsse.

Zu jener Zeit liefen solche Vorgänge im Rathaus – freundlich formuliert – im Schneckentempo ab. Hofem-Schlofem eben. Auch der Jazzclub ließ sich angeblich viel Zeit, brauchbare Unterlagen einzureichen. Erst mit dem Personalwechsel im Rathaus kam Bewegung in die Sache: Der Erste Beigeordnete Daniel Philipp übernahm den Fall und rief zeitnah alle Beteiligten an einen Tisch. Der Jazzkeller-Verein benötigte danach noch etwas Zeit, um seine Schäden zusammenzustellen – die Liste liegt seit Mitte Januar bei der Versicherung.

Letzten Mittwoch kam das Thema im Haupt- und Finanzausschuss auf den Tisch. Vor allem Linke und FWG monierten, dass das Rathaus den Gebäudeschaden nicht angegeben habe.

Doch Ralf Aßhoff, Architekt in der Hochbau-Abteilung des Rathauses, wies das zurück: Das gesamte Gebäude sei baufällig, Wasser dringe von überall ein. Und dann sagte er auch: Der Jazzkeller hätte gar nicht mehr geöffnet sein dürfen. Die – inzwischen entsorgte – abgehängte Decke habe nicht mehr den Brandschutzvorschriften entsprochen, weil Löcher für Beleuchtung gebohrt worden waren. Und auch die Elektroinstallation hätte längst saniert werden müssen – veraltet, porös und „wegen bestehender Nagerschäden“.

Mancher glaubte seinen Ohren nicht zu trauen: Maroder Zustand, offensichtliche Brandschutzmängel – und die Behörde ließ den Jazzkeller trotzdem einfach weiterlaufen. Eine Erklärung blieb aus, Fragen dazu übergangen.

Jazzkeller
Der Eingang zum Jazzkeller. Man ahnt: Hier muss einiges saniert werden.

Und wie geht es jetzt weiter?

Die Versicherung wird sich demnächst melden, aber vermutlich gibt’s nicht allzu viel Geld. Der Jazzkeller benötigt eine Totalsanierung. Zwar haben sich Freiwillige mit Sachverstand gemeldet, die mit anpacken wollen, doch die notwendigen Brandschutzmaßnahmen müsste die Stadt als Eigentümer übernehmen. Sie sind komplex – und vermutlich auch sehr teuer.

Die Stadtverwaltung hat eine erste Kostenschätzung vorgelegt: Für Maßnahmen mit hoher Dringlichkeit – Lüftung, Brandschutz, Elektro, Sanitär, Kanalisation – werden rund 400.000 Euro veranschlagt. Dachsanierung und eine neue Toilettenanlage müssten danach folgen; hierfür rechnet man mit über 200.000 Euro.

Das ist viel Geld in einer Zeit, in der die Stadt vor einem Schuldenberg in Millionenhöhe steht und sich eigentlich nichts mehr leisten kann. Demnächst entscheiden die Stadtverordneten über den Haushalt 2026. Ob sie dann noch Hunderttausende in der Stadtkasse für den kleinen Jazzkeller finden: derzeit offen.

Die Alternative liegt auf der Hand: Der Jazzkeller bleibt geschlossen – ein weiteres trauriges Kapitel im Hofheimer Geschichtsbuch. Und der Güterschuppen würde, wie andere städtische Gebäude auch, einfach weiter verfallen.

HN / TR

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