Gewählt: Die geheimen Weichensteller im Hofheimer Rathaus
Hofheims Polit-Ausschüsse haben in dieser Woche ihre Vorsitzenden gewählt. Offiziell agieren sie als überparteiliche Schiedsrichter im Hintergrund – doch wer die Geschäftsordnung beherrscht, lenkt die Geschicke der Stadt. Hier sind die vier Namen, die man jetzt kennen muss.
Es sind Ehrenämter im Dienste der Stadt, und wer den klassischen Blick auf das hessische Kommunalverfassungsrecht wirft, könnte sie glatt unterschätzen: Die Vorsitzenden der städtischen Ausschüsse spielen in der Stadtverordnetenversammlung eine politisch eher dezent gedachte Rolle. Die Hessische Gemeindeordnung (HGO) zwingt sie auch zur strikten Neutralität: Sie erteilen das Wort, rügen Verstöße, wachen über die Redezeit und zeichnen am Ende brav die Protokolle ab. Eine zusätzliche Stimme oder gar ein Vetorecht? Fehlanzeige. Am Abstimmungstisch wiegt ihr Votum kein Gramm mehr als das jedes anderen Mandatsträgers.
Und dennoch gab es auch diesmal wieder im Vorfeld hinter den Kulissen ein Gerangel um das Zugriffsverfahren. Denn wer die formale Macht mit politischer Ohnmacht verwechselt, verkennt das Handwerk der strategischen Strippenzieherei. Da gilt: Wissen ist Macht, und die Tagesordnung ist die Waffe. Im Zusammenspiel mit dem Magistrat bestimmen die Vorsitzenden, welches brisante Thema wann das Licht des Sitzungssaals erblickt – und welches strategisch vertagt wird.
Die vier Ausschüsse des Hofheimer Parlaments haben in dieser Woche ihre Schlüsselpersonen benannt. Naturgemäß haben die Fraktionen nach den Ressorts gegriffen, die ihnen politisch am schwersten auf der Seele brennen:
- Eva Litzius (Bündnis 90/Die Grünen) wurde die Vorsitzende des Ausschusses für Wald, Energie, Nachhaltigkeit und Umwelt. Hier sitzen die grünen Kernthemen. In Zeiten von Klimawandel und Energiewende moderiert Litzius ein debattenintensives Ressort, in dem Nuancen der Sitzungsleitung über den Ton und den Ausgang der Diskussionen entscheiden.
- Michael Schulze (Bürger für Hofheim – BfH) übernahm den Vorsitz des Ausschusses für Jugend, Sport, Kultur, Soziales und Integration. Das soziale Gewissen und die reiche Vereinslandschaft der Stadt liegen in den Händen der Wählergemeinschaft. Ein Ressort mit enormer Nähe zur Bürgerbasis und direktem Draht in die Hofheimer Zivilgesellschaft.
- Jörg Ströhmann (CDU) ist jetzt Vorsitzender des Ausschusses für Planen, Bauen und Verkehr. Beton, Straßen, Stadtentwicklung – das klassische Machtressort der Christdemokraten. Wo gebaut und saniert wird, geht es um viel Geld und handfeste Interessen. Ströhmann sitzt hier an einer der strategisch wichtigsten Schnittstellen zur Verwaltung.
- Armin Thaler (CDU) ist seit Mittwochabend Vorsitzender des Haupt-, Finanz- und Beteiligungsausschusses. Das absolute Königsressort der Kommunalpolitik. Ob Haushalt, Steuern oder städtische Beteiligungen: Ohne diesen Ausschuss läuft in Hofheim kein Cent. Thaler sitzt an der Quelle der Zahlenmacht und moderiert das einflussreichste Kontrollgremium der Stadtverordnetenversammlung.
Ein rein administrativ agierender Vorsitzender bleibt der freundliche Schiedsrichter, der die Sitzung pünktlich schließt. Ein strategischer Kopf dagegen nutzt den massiven Informationsvorsprung. Weil die Vorsitzenden viel früher als die einfachen Abgeordneten in die Vorbereitung und Vorlagen der Verwaltung eingebunden sind, können sie Stimmungen frühzeitig antizipieren.Wer das Wort erteilt, steuert die Dynamik. Durch das gezielte Zulassen oder Einbremsen von Reden lässt sich die Atmosphäre im Raum spürbar lenken
Die Richtlinienkompetenz liegt zwar weiterhin bei den Fraktionsspitzen und den harten Mehrheiten im Plenum. Doch Litzius, Schulze, Ströhmann und Thaler stellen die Weichen – und sie bestimmen damit, wohin der Zug überhaupt fahren kann.
HN/TR
Unsere Bilder oben zeigen (v.l.) Eva Litzius und Michael Schulze (oben) sowie Jörg Ströhmann und Armin Thaler (Fotos: Grüne, BfH, CDU).

