Geheimsache Kita: Hier sind sie – die Zahlen aus den Ortsteilen
Gestern berichteten wir über die geplante Erhöhung der Kita-Gebühren, die erst einmal vertagt wurde [hier]. Heute geht es weiter: Im Sozialausschuss entbrannte eine bemerkenswerte Debatte um Daten, die das Rathaus vor der Öffentlichkeit lieber unter Verschluss gehalten hätte. Es ging um die Frage, wie viele Kita-Plätze es in den Ortsteilen überhaupt gibt – und wie viele davon tatsächlich belegt sind. Was folgte, war ein rathauspolitisches Lehrstück in drei Akten. Frei nach dem Motto: Wer die Wahrheit sucht, muss im Hofheimer Rathaus manchmal erst das Schloss knacken.
Hier ist die Geschichte, frisch aufbereitet:
1. Der weite Weg zurück zur Transparenz
Unter SPD-Bürgermeisterin Gisela Stang war die Welt der Kita-Planung noch überschaubar gegliedert: Ortsteil für Ortsteil, Kasten für Kasten. Das Credo war so simpel wie einleuchtend: „Kurze Wege für kurze Beine“. Jeder Knirps sollte im eigenen Viertel unterkommen. Vor allem aber konnten alle Eltern schwarz auf weiß nachlesen, wo die Stadt lieferte – und wo sie blankzog.
Dann kam der Christdemokrat Christian Vogt, und mit ihm zog der Nebel ein. Die Kita-Bedarfsplanung verschwand in den Tiefen der Verwaltung, vorbei an den Kontrollblicken der Stadtverordneten. Als nach vernehmlichem Grummeln doch wieder Zahlen präsentiert wurden, gab es nur noch den großen Hofheimer Gesamttopf. Die Details zu den einzelnen Stadtteilen, so versprach man damals hochheilig, würden „später“ nachgereicht.
Aus dem „Später“ wurde ein „Nie“. Bis heute.
2. Das „Nicht-Öffentlich“-Manöver des neuen Chefs
Jetzt regiert Willi Schultze von den Bürgern für Hofheim (BfH). Und siehe da: Erstmals seit gefühlten Ewigkeiten liegen sie wieder auf dem Tisch, die nackten Kita-Zahlen für die einzelnen Ortsteile. Ein Grund zur Freude? Eigentlich ja. Wenn da nicht der ausgeprägte Hang der Verwaltung zur Diskretion wäre.
Bürgermeister Schultze wollte das Zahlenwerk nämlich am liebsten im dämmrigen Schutz der Nichtöffentlichkeit im Sozialausschuss vorstellen. Die Öffentlichkeit – interessierte Eltern beispielsweise – sollten bei diesem Thema ausgeschlossen werden, sprich: den Raum verlassen müssen. Dass für derlei Geheimnistuerei die rechtliche Grundlage fehlte? Geschenkt, schien man sich im Magistrat zu denken.

Dabei ist die Hessische Gemeindeordnung in Paragraf 52 ziemlich humorlos: Kommunale Gremien tagen öffentlich. Basta. Die Tür darf nur zugehen, wenn das Wohl der Allgemeinheit gefährdet ist oder schützenswerte Interessen Einzelner auf dem Spiel stehen. Schultzes Argument, man könne aus der Kita-Ortsteile-Statistik eventuell Rückschlüsse auf einzelne Kita-Träger ziehen, dürfte einer rechtlichen Prüfung kaum standhalten. Seit wann ist die Auslastung einer Kita ein Staatsgeheimnis?
3. Die Eltern als Rettungsanker
Die anschließende Debatte im Sozialausschuss hatte dann fast schon wieder Unterhaltungswert. Anstatt dem Bürgermeister trocken den Gesetzestext um die Ohren zu hauen, entdeckten die Stadtverordneten ihr Herz für die Basis. Sie argumentierten mit dem Informationsbedürfnis leidgeprüfter Eltern: Die müssten doch erfahren dürfen, was ihr Ortsteil an Kita-Plätzen anbiete.
Das juristische Handwerk der gewählten Bürgervertreter war zwar wackelig, das Ergebnis stimmte trotzdem: Die Mehrheit erzwang die Scheinwerfer.
Und nun liegt er da, der Schatz, der eigentlich im rathäuslichen Panzerschrank bleiben sollte. Das Ergebnis der Transparenzoffensive ist allerdings ernüchternd: In fast allen Hofheimer Stadtteilen fehlen Kita-Plätze – teils drastisch. Die offizielle Ortsteile-Statistik stellt dabei den rechnerischen Bedarf (Kinderzahl) den genehmigten Plätzen gegenüber. Die Realität sieht jedoch, wie die Statistik auch zeigt, anders aus: Die Zahl der tatsächlich belegten Plätze liegt meist deutlich darunter, weil schlicht das Personal für die Betreuung fehlt.
Hier sind die Zahlen, die Sie eigentlich gar nicht sehen sollten:
Kita-Plätze für Unter-3-Jährige (U3) nach Ortsteilen 2025-2026
| Stadtteil | Bedarf | Genehmigt | Belegt | Differenz Bedarf/Belegt |
| Kernstadt | 197 | 120 | 114 | –83 (42 %) |
| Marxheim | 125 | 112 | 88 | –37 (30 %) |
| Diedenbergen | 57 | 47 | 36 | –21 (37 %) |
| Langenhain | 35 | 46 | 43 | +8 (23 %) |
| Lorsbach | 39 | 36 | 36 | –3 (8 %) |
| Wallau | 57 | 59 | 49 | –8 (14 %) |
| Wildsachsen | 26 | 17 | 16 | –10 (36 %) |
| Hofheim gesamt | 536 | 437 | 382 | –154 (29 %) |
Hofheimweit werden für Kinder unter drei Jahren 536 Kita-Plätze benötigt. Genehmigt sind bislang jedoch nur 437 Plätze, tatsächlich belegt sind sogar nur 382. Damit fehlen 154 Plätze – knapp 29 Prozent des Bedarfs.
Kita-Plätze für Über-3-Jährige (Ü3) nach Ortsteilen 2025-2026
| Stadtteil | Bedarf | Genehmigt | Belegt | Differenz Bedarf/Belegt |
| Kernstadt | 542 | 415 | 415 | –127 (23 %) |
| Marxheim | 417 | 480 | 470 | +53 (13 %) |
| Diedenbergen | 162 | 150 | 122 | –40 (25 %) |
| Langenhain | 146 | 125 | 125 | –21 (14 %) |
| Lorsbach | 120 | 105 | 105 | –15 (13 %) |
| Wallau | 176 | 181 | 150 | –26 (15 %) |
| Wildsachsen | 72 | 70 | 57 | –15 (21 %) |
| Hofheim gesamt | 1.635 | 1.526 | 1.444 | –191 (12 %) |
Bei den über Dreijährigen stellt sich die Situation etwas entspannter dar: Benötigt werden 1.635 Plätze. Genehmigt sind 1.526, tatsächlich belegt 1.444. Unterm Strich fehlen 191 Plätze – rund zwölf Prozent des Bedarfs.
HN/TR

