Ausverkauf beginnt: Stadt will 32 Parkplätze mitten in der Altstadt verkaufen
Hofheims Haushalt steht vor dem Kollaps, Steuererhöhungen und Sparbeschlüsse reichen bei weitem nicht – jetzt greift der übliche Reflex: Das städtische Tafelsilber wird verscherbelt. Im geheim tagenden Arbeitskreis zur Haushaltskonsolidierung entstand ein Plan, der am morgigen Mittwoch erstmals im Haupt- und Finanzausschuss öffentlich gemacht wird und eine Woche später beschlossen werden soll: Vier städtische Liegenschaften stehen auf der Abschussliste – darunter 32 Parkplätze im Zentrum der Stadt. Der Ausverkauf beginnt.
Ein Blick auf die Objekte offenbart eine bunte Mischung aus maroder Technik, Denkmalpflege-Sorgen und Hoffen auf den schnellen Euro.
1. Ein Stück Wiese in Lorsbach
In Lorsbach geht es verhältnismäßig unspektakulär los: Veräußert werden soll ein unbebautes Grundstück von rund 300 Quadratmetern im Areal „Am Kleinen Feld“. Bei einem aktuellen Bodenrichtwert von 590 Euro je Quadratmeter liegt die Messlatte bei knapp 177.000 Euro.
Die Verwaltung erhofft sich hier ein leichtes Spiel und spricht von „guten Vermarktungsmöglichkeiten“. Kein Wunder: Dass hier gebaut werden darf, wurde bereits per positiver Bauvoranfrage rechtssicher geklärt. Geplant ist ein öffentliches Bieterverfahren mit dem Bodenrichtwert als Mindestgebot: Wer am tiefsten in die Tasche greift, bekommt den Zuschlag.
2. Sanierungsfalle Parkdeck Kurhausstraße
Spannender wird es im Hofheimer Kerngebiet. Dort steht in der Kurhausstraße ein 1985 erbautes Parkdeck zum Verkauf (Flur 17, Flurstück 99/3). Ein echter Geheimtipp: Die 571 Quadratmeter große Fläche verbirgt sich im Geviert zwischen Kurhaus-, Haupt-, Stollberg- und Stephanstraße. Zu erreichen ist sie über eine kleine Stichstraße direkt gegenüber vom Schuhhaus Benner.
Derzeit sind die 32 Stellplätze auf dem Areal an Einzelpersonen vermietet. Der Bodenrichtwert im Areal beläuft sich auf 770 Euro/m².

Der Haken: In den letzten Jahren hat die Stadt am Unterhalt gespart. Jetzt stehen Sanierungen an Entwässerung und Betonkonstruktion an. Bevor die teuren Arbeiten den Haushalt belasten, soll das Areal abgestoßen werden. Der Käufer muss die Sanierung stämmen, soll aber nach Möglichkeit die bestehenden Mietverträge der Stellplatzinhaber übernehmen.
Das Mindestgebot auch hier: Der reine Grundstückswert nach Bodenrichtwert (ca. 440.000 Euro) im öffentlichen Bieterverfahren.
3. Wallauer Romantik mit Reparaturstau
In Wallau geht es um historische Bausubstanz. Das denkmalgeschützte Anwesen Rezepturhof 1 („Alte Schule“) steht seit geraumer Zeit leer. Das Grundstück ist 382 m² groß, die Nutzfläche umfasst 514 m². Der Bodenrichtwert wird mit 560 Euro/m² angegeben.
Auch hier das bekannte Problem städtischer Immobilien: Bei der Haustechnik herrscht im Grunde Totalschaden. Ein Sanierungskonzept samt Kostenschätzung liegt zwar in der Schublade, doch die Stadt will das Geld möglichst nicht ausgeben. Der Plan sieht vor, dass ein künftiger Betreiber erhebliche Teile der Sanierung übernimmt. Das Haus soll im Bieterverfahren auf den freien Markt. gehen – Mindestgebot: Grundstückswert laut Bodenrichtwert (rund 214.000 Euro).
4. Milchhäuschen Wallau
Gleich nebenan wartet die nächste Denkmal-Baustelle: Rezepturhof 6, besser bekannt als das ehemalige Milchhäuschen in Wallau (181 m² Grundstück, 136 m² Nutzfläche, Bodenrichtwert ebenfalls 560 Euro/m²). Auch hier gilt: Es herrscht Leerstand und erheblicher Sanierungsbedarf. Einfach plattmachen geht nicht – Denkmalschutz!
Die Liegenschaft sorgte schon einmal für Schlagzeilen: Das Häuschen beherbergte die beliebte Pizzeria „da Rita“. Weil die Stadt das Gebäude morsch werden ließ und Ausbauversprechen schuldig blieb, musste der Traditionsbetrieb nach jahrelangem Zermürbungskampf mit dem Rathaus schließlich schließen. Seitdem hat sich dort erkennbar nichts getan.
Immerhin, der Verwaltung liegen nach eigenen Angaben bereits erste Bekundungen von Kaufinteressenten vor. Auch für das Milchhäuschen gilt: Verkauf an den Höchstbietenden im öffentlichen Bieterverfahren ab Mindestgebot Bodenrichtwert (ca. 101.000 Euro).
Millionensegen oder Ausverkauf? Die Entscheidung naht
Insgesamt erhofft sich der Magistrat auf frisches Geld in sechsstelliger bis einstelliger Millionenhöhe. Gleichzeitig kann sich die Stadt drückender Sanierungsverpflichtungen entledigen. Ob die Kalkulation aufgeht und sich für sanierungsbedürftige Denkmäler und reparaturbedürftige Parkplätze im freien Bieterverfahren interessierte Käufer finden, werden die nächsten Monate zeigen.
Zuvor aber müssen die Stadtverordneten dem Ausverkauf grünes Licht geben: An diesem Mittwoch, 13. August, befasst sich zunächst der Haupt- und Finanzausschuss mit der Vorlage (ab 18 Uhr im Rathausanbau). In der Woche darauf tagt das Stadtparlament, um die endgültige Entscheidung zu fällen.
Unser Bild oben zeigt die Zufahrt zu der städtischen Parkgarage in der Kurhausstraße.
TR


