KI-Plage über Hofheim: Wenn der Algorithmus das Altstadt-Flair killt

KI-Plage über Hofheim: Wenn der Algorithmus das Altstadt-Flair killt

Es braucht kein Auge mehr fürs Detail, um zu sehen, dass in unserer lokalen Werbewelt etwas gewaltig schiefläuft. Früher gab es Handwerk, heute gibt es „Prompts“. Was als digitaler Segen für den schnellen Flyer begann, ist in Hofheim mittlerweile zu einer optischen Landplage geworden. Eine Abrechnung mit dem Ende des guten Geschmacks – und einem Gewerbeverein, der vor lauter künstlicher Intelligenz die eigene Altstadt nicht mehr wiedererkennt.

Eine Welle schießt durchs Land – und mitten durch unser Städtchen: Wer heute durchs Internet cruist oder die einschlägigen Hofheimer Facebook-Gruppen öffnet, wird regelrecht geflutet von Beiträgen und Plakaten, die von KI erzeugt wurden. Jeder Verein, jede Kirchengemeinde, jeder Geschäftsmann gibt sich als Kunstschaffender und erzeugt seine Werbeplakate, Handzettel, Flyer und Bilder für die sozialen Netzwerke mit künstlicher Intelligenz. Wo früher Designer und Grafiker ihr Talent bewiesen, genügt heute ein schneller Prompt – Sekunden später ist das Kunstwerk da.

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Werbung Hofheimer Geschäftsleute – zum Vergrößern anklicken:
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Der Gentleman’s Barbershop sieht aus wie das Sekt-Tasting.
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Das italienische Restaurant hat wohl den gleichen Designer erwischt.
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Prompt generiert, Party garantiert: Einladung zur Karaokeparty in Wallau.

Das Sekttasting in einer Bar kommt so düster-schwarz daher wie das Schoppenturnier „Trink dich zum Sieg“ oder der Flyer für den Barbershop. Die Karaokeparty in der Harley-Garage in Wallau sieht aus wie das Werbebild für einen Grill in der Zeilsheimer Straße oder die Einladung eines italienischen Restaurants, wo die Spaghetti auf dem Bild wahrscheinlich sieben statt vier Ecken haben, weil der Computer den Unterschied zwischen Al Dente und Algorithmus nicht kennt.

Leider sieht die Werbung inzwischen wie geklont aus. Mit allzu geschönten Bildern. Mit viel zu viel Text. Unübersichtlich. Grafischer Einheitsbrei, der anfangs noch originell wirkte, inzwischen aber seine Strahlkraft völlig verloren hat und nur noch ermüdend wirkt.

Altstadt
Vom Spieß auf die Straße: So sieht es aus, wenn das lokale Taxi-Unternehmen beim Plakatdesign…
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…die gleiche „Alles-drauf-mit-Knoblauchsauce“-Philosophie wählt wie der Dönerimbiss von nebenan.

Wenn am Ende alles gleichermaßen blinkt, glänzt und nach Hollywood aussieht, sieht gar nichts mehr nach Hofheim aus. Dieser glattgeleckte Einheits-Schick ist das Gegenteil von guter Werbung – es ist visuelle Narkose im Sekundentakt.

Wie wohltuend war (und ist) dagegen das echte, selbstgemachte Plakat – kurz, knapp, auf den Punkt. Ohne grafischen Schnickschnack. Einfach ehrlich.

Aber heutzutage spart man sich eben den Hofheimer Grafiker oder den lokalen Fotografen, der unsere Gassen seit Jahrzehnten mit echtem Herzblut einfängt. Für ein bisschen Geiz-ist-geil-Mentalität füttern wir lieber die Server in Übersee und entziehen genau den Kreativen vor Ort die Existenz, die sonst das kulturelle Leben in unserer Stadt mitgestalten.

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Ob Bunter Abend zum Weltapfelweintag in der Bembelschänke…
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…oder Weinstand der Lorsbacher Kerbegesellschaft…
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…ob Landeier in Wildsachsen oder Trecker in Diedenbergen…
Schoppenturnier 1000
KI serviert grafischen Einheitsbrei – längst ohne Strahlkraft.

Der absolute Höhepunkt der KI-Verirrung schlägt uns allerdings ganz aktuell und ausgerechnet mitten im Stadtzentrum entgegen: Der Gewerbeverein lädt ein zur NightFlair – nächtliches Shopping in der Altstadt. Und er lädt ein mit einem KI-generierten Bild, das angeblich unsere historische Altstadt zeigen soll – das aber derart missraten ist, dass es einem glatt graust.

Die Fachwerkhäuser existieren so nur in der Phantasie eines kalifornischen Servers, der Kirchturm ist total deformiert, und lediglich die vage Ansicht des Alten Rathauses lässt überhaupt noch Rückschlüsse zu, dass hier Hofheim am Taunus gemeint sein könnte. Und das Beste: Warum brennt bitteschön mitten im Sommer ein Weihnachtsbaum auf dem Plakat? Warum erstrahlt weihnachtliche Festbeleuchtung die abendliche Einkaufsstraße? 

Das bleibt wohl das exklusive Geheimnis der Macher – oder eben einer völlig fehgesteuerten KI, die Hofheim anscheinend mit dem Christkindlesmarkt in Nürnberg verwechselt hat.

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Schöne neue Fake-Welt: Tannenbäume zur Sommer-NightFlair, Fantasie-Architektur und kein einziger Hofheimer Senior mehr auf der Gass. Das soeben veröffentlichte KI-Plakat des Gewerbevereins lässt uns ziemlich ratlos zurück.

Ausgerechnet der Gewerbeverein! Da wird sonst bei jeder Gelegenheit völlig zu Recht betont, wie wichtig das echte, historische Flair für den lokalen Einzelhandel ist. „Kauft vor Ort!“, heißt es da, „Erlebt unsere Altstadt!“. Wir kämpfen um jeden Kunden in der Innenstadt mit dem Argument, dass wir im Gegensatz zum anonymen Online-Handel noch echte Erlebnisse bieten – und dann jagen wir den Leuten online so eine seelenlose, austauschbare Fake-Kulisse vor den Latz? Das ist die pure Ironie.

Man fragt sich: Hat da eigentlich mal jemand hingeguckt, bevor das Ding in die Timeline hochgeladen und über die Kanäle gejagt wurde? Oder ist der Blick für das Echte im Rausch der schönen neuen Technikwelt komplett flöten gegangen? Hauptsache „digital“, hauptsache „modern“ – und am Ende sieht unsere stolze Kreisstadt aus wie eine missglückte Kulisse aus einem billigen Fantasy-Film.

Liebe Hofheimer Geschäftsleute, liebe Vereine: Schaltet den Computer mal wieder einen Gang zurück. Unsere Altstadt hat echtes Flair, das braucht keinen Weichzeichner aus dem Silicon Valley. Schreibt euren Text, nehmt ein echtes Foto oder greift im Zweifel einfach mal wieder zum Filzstift. Das ist vielleicht nicht perfekt – aber wenigstens ist es Hofheim.

Und vor allem: Es ist echt!

TR

Ein Gedanke zu “KI-Plage über Hofheim: Wenn der Algorithmus das Altstadt-Flair killt

  1. Lieber Herr Ruhmöller,
    Vielen Dank für den Artikel.
    Ja, wir haben uns in diesem Fall der KI bedient und dabei die ursprünglich vorgeschlagene Textfülle deutlich reduziert. Ausschlaggebend war für uns vor allem, dass wir kurzfristig zu einem Ergebnis kommen mussten. Leider ist bereits sehr viel Zeit in die aufwendige Planung der Veranstaltung geflossen.
    So einfach „mal gemeinsam etwas machen“ ist in Hofheim nämlich nicht. Es muss geklärt werden, was genehmigungsfähig ist, mit welchem Konzept möglichst viele Beteiligte aus Gastronomie und Handel eingebunden werden können und wie die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen sind. Nicht jeder kann mit jedem, jeder hat eigene Vorstellungen und am liebsten alles direkt vor der eigenen Tür.
    Gleichzeitig bringt jeder Beteiligte wertvolle Vorschläge ein, die wir ernst nehmen, prüfen und – wenn möglich – gerne aufnehmen. Unser Ziel ist es jedoch, unser Budget zu schonen und ins Handeln zu kommen, statt monatelang zu diskutieren und abzuwägen.

    Unsere Veranstaltungen werden nicht mit sechs Monaten Vorlauf geplant. Wir möchten bewusst spontan neue Ideen ausprobieren und experimentieren – immer mit dem Ziel, die Auswirkungen der Ringverkehr-Sanierung für die Innenstadt abzumildern und erfolgreiche Formate in den kommenden Jahren als feste Veranstaltungen zu etablieren.
    Ob ein Plakat dabei mit KI erstellt wird oder von einem Grafiker stammt, ist für uns letztlich zweitrangig. Entscheidend ist, dass die Veranstaltung umgesetzt wird und Besucher nach Hofheim kommen.
    Deshalb freuen wir uns sogar über die Berichterstattung. Denn unabhängig von der Diskussion über das Plakat wird nun über die Veranstaltung gesprochen. Und wenn dadurch einige Leserinnen und Leser neugierig werden und unseren Night-Flair besuchen, haben wir bereits ein wichtiges Ziel erreicht: Menschen für einen Besuch in Hofheim zu begeistern und die Innenstadt zu stärken.
    Am Ende zählen für uns nicht die Pixel auf dem Plakat, sondern die Menschen, die am Veranstaltungsabend durch unsere Altstadt gehen, einkaufen, essen, trinken und Hofheim erleben.
    Der Autor hat sich bei der Antwort der KI bedient, um Fehler auszumerzen. Der Inhalt stammt jedoch von ihm.

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