Das neue Hofheim: Am Untertor jetzt „oben ohne“ Pause machen
Wir sehen das neue Hofheim. Bänke ohne Rücklehnen. Bänke im billigen Plastik-Look. Und das ausgerechnet auf dem Platz „Am Untertor“ – einem der geschichtsträchtigsten Orte der Hofheimer Altstadt. Auf engstem Raum verbindet sich hier eigentlich 700-jährige Stadtgeschichte mit dem heutigen Leben. Wer vom Chinonplatz oder vom Bahnhof in die Altstadt flaniert, kommt an diesem Entree kaum vorbei. Es ist die Visitenkarte unserer Stadt. Eigentlich.
Und jetzt das: Bänke ohne Rücklehnen. Unweit daneben: Bänke im Plastik-Look. Es ist unübersehbar, der Zustand schreit es geradezu heraus: Diese Stadt ist am Ende. Aber sowas von.
Ortstermin an diesem Mittwochmorgen. Von den klassischen, Hofheim-typischen Bänken – massive Betonsockel, dicke Holzbohlen, gemütliche Rückenlehne – präsentieren sich neuerdings einige Exemplare im gewagten „Oben-ohne“-Stil. Die Lehne ist weg. Und nein, diesmal waren es nicht die Vandalen in der Nacht. Es waren die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs. Amtlich verordneter Rückbau von Sitzkomfort.
Die offizielle Mitteilung aus dem Rathaus klingt gewohnt hölzern: „Derzeit sind nicht alle Bänke am Platz Am Untertor im Umfeld des Türmchens in vollem Umfang nutzbar. Aufgrund von Defekten mussten die Lehnen einzelner Bänke entfernt werden.“
Weil eine Lehne defekt ist, wird sie nicht repariert, sondern einfach weggeschraubt. Ein paar Meter weiter das gleiche Trauerspiel: Zwei Bänke wurden komplett demontiert. Immerhin beruhigt die Stadtverwaltung die besorgten Bürger: „Die Bänke werden kurzfristig mit Ersatz aus dem Bestand ersetzt bzw. repariert.“
Die spannende Frage ist nur: Was bedeutet im Hofheimer Rathaus eigentlich „kurzfristig“?
Fakt ist: Die Stadt ist blank. Der Haushalt pfeift auf dem allerletzten Loch, freiwillige Ausgaben sind de facto gestrichen. Von Bürgermeister Willi Schultze kam bis heute kein einziger wegweisender Vorschlag, wie das finanzielle Ruder herumgerissen werden könnte. Seine einzige kreative Glanztat, ganz frisch auf den Tisch: Die Androhung, die Grundsteuer B auf über 2000 Punkte hochzujagen!
Gleichzeitig bittet der Rathauschef die Hofheimer Vereine zur Kasse. Die könnten ja auch mal ihre Mitgliedsbeiträge erhöhen, ließ er jetzt wissen. Übersetzt bedeutet das: Mit städtischen Zuschüssen braucht hier niemand mehr zu rechnen. Auch für die Kultur und das soziale Leben ist kein Geld mehr da – und für intakte Sitzbänke in der Altstadt erst recht nicht.
Das ist es also, das neue Hofheim. So sieht sie aus, die viel beschworene Lebensqualität in der Kreisstadt. Schönen Mittwoch noch.
RR/TR



Hofheim-Downcycling.
Holzbänke sind schon wertig, auch wenn sie nach dem Regen oft bissel wasserschwammig sind.
So Ersatzlatten kann der Bauhof bestimmt selbst herstellen und gegebenenfalls lackieren; nehmt doch Eichenholz aus eurem Forst – etwas Nachhaltigeres gibt’s doch gar nicht.
Bänke mit Recycling-Plastik-Lattung werden schön heiss in der Sonne. Im Hochsommer kein guter Sitz – dann verformen sich die Plastiklatten aufgrund der ungleichmässigen Materialmischung aus diverser Plaste. Es sind Downcyclingprodukte aus Gelber-Sack-Quelle, manchmal noch mit Aluschnipseln – und das Grausamste: wenn die Zeit gekommen ist ,wird’s Sondermüll. Schlau gedacht irgendwie und dann doch nicht.
Achtung, wir sollten jetzt Hofheim nicht zur Ghost-Town publizieren. Das Image ist eh mehr als angekratzt. Ich empfehle mal zur Ruhe zu kommen und nachzudenken. Wo liegen die Kern-Schwerpunkte in der Stadt, die unbedingt mit wahrnehmbarer Leistung für die Bürgerschaft und Gäste dieser Stadt weiter gut bespielt werden müssen. Auf keinen Fall Gießkannenpolitik betreiben, sondern den Markenkern der Stadt stärken – wo dieser liegt, dass gilt es einmal neu zu definieren. Gerade vor dem finanziellen Hintergrund ist zu erarbeiten, mit welchen Stärken will man trotzt der Lage Zukunft gestalten. Dazu braucht es ein Narrativ des Wandels. Wohin geht die Reise einer Stadt, die mit sehr begrenzten Mitteln eine neue Strahlkraft braucht. Wie positioniert sie sich als Wirtschaftsstandort, als Kulturstadt (da gehört vor allem Bildungsstadt dazu), wie als attraktiver Lebensraum in der Metropolregion. Meine Meinung lautet ganz klar: Hofheim ist angeschlagen, aber nicht ausgezählt. Deshalb Hofheim im Wandel, Hofheim in Aufbruchstimmung Zukunft. Da müssen die Erzählungen einzahlten und nicht im ewigen Trübsinnblasen. Und hier sind wir Bürgerinnen und Bürger auch gefragt. Vielleicht in einem Bürgerforum: Ich mach da mit – Hofheim auf Zukunftskurs.