Zankapfel Chinonplatz: Zwischen Hitzeinsel, Grundwasser und Haushaltsloch
Und täglich grüßt der Chinonplatz: Im Hofheimer Stadtparlament entbrannte erneut ein heftiger Schlagabtausch über die geplante Umgestaltung der zentralen Pflasterfläche zwischen Rathaus, Stadthalle und Chinon-Center. Während der Erste Stadtrat Daniel Philipp (Grüne) auf Klimaanpassung und fette Landeszuschüsse pochte, witterten CDU, FDP und FWG Geldverschwendung. Am Ende rettete ein formaler Kniff die vorerst festgefahrene Debatte.
Der Chinonplatz ist im Sommer vor allem eines: eine glühend heiße, versiegelte Wüste aus Stein. Ob allerdings hier etwas passieren soll, darüber wird unter Stadtpolitikern seit gut einem Jahr immer wieder heftig gestritten. In der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments am Mittwochabend entbrannte erneut ein Wortgefecht, als die CDU per Antrag die Notbremse ziehen wollte: Bis 2030 solle die Umgestaltung auf Eis gelegt werden, da die Stadt klamm sei und das Projekt keine Dringlichkeit besitze.
Dabei klingt die wirtschaftliche Rechnung des Magistrats auf den ersten Blick verlockend: Von den veranschlagten 500.000 Euro Gesamtkosten übernimmt das Land Hessen über ein Förderprogramm satte 80 Prozent, sodass der städtische Eigenanteil bei rund 100.000 Euro läge. Für den Ersten Stadtrat Daniel Philipp ein zentrales Argument gegen den CDU-Vorstoß. Er warnte zudem davor, dass bei einer Verschiebung auf 2030 nach aktuellem Stand nur noch 50 Prozent Förderung zu erwarten seien, und teilte in Richtung Opposition aus: „Bei den Antragstellern ist offensichtlich, dass Sie keinen Klimaschutz wollen und keine Klimaanpassung. Und auch die Aufenthaltsqualität reicht Ihnen auf diesem Platz komplett aus.“

Gleichzeitig überraschte der Umweltdezernent mit einer Hiobsbotschaft aus neuen Bodenproben: Das Grundwasser stehe bereits 1,50 Meter unter der Oberfläche. Man müsse die Planung nochmals überarbeiten, weshalb die Umsetzung sich bis 2028 verzögern werde. Weil aber schon eine reine Kanalsanierung ohne jede Begrünung die Stadt rund 110.000 Euro aus eigener Tasche kosten würde, warb Philipp für das Vorhaben: „Da zahle ich doch lieber gar nichts und habe dafür einen begrünte Platz mit Aufenthaltsqualität.“
Bei der Opposition stieß dieses Manöver auf scharfe Kritik. FWG-Fraktionschef Andreas Nickel empfand es zudem als unglücklich, die Grundwasser-Problematik plötzlich ins Spiel zu bringen: „Sie können doch nicht jetzt hier den großen Sprengkörper reinrollen und wir gehen alle in Deckung.“ Andreas Hegeler (CDU) bemängelte, dass bis heute keine detaillierte Planung vorgelegt worden sei, und verwahrte sich entschieden gegen den Vorwurf der Verweigerung: „Herr Philipp, in der Tat ist es beschämend, dass Sie uns als CDU-Fraktion Klima leugnen. Dieser Antrag hat nichts mit dem Klima zu tun – hier geht es erstmal um die Ausgaben und wir haben kein Geld.“
Inhaltlich ist der Sinn des Projekts bei der Opposition hochumstritten. Wegen sechs Meter breiter Feuerwehrzufahrten auf beiden Seiten bleibe in der Mitte kaum Raum für Grünflächen. Ralf Weber (FDP) brachte das Unverständnis auf den Punkt: „Dafür, dass da drei Bäume entstehen und ein paar Weinreben, wollen wir 500.000 Euro ausgeben – haben wir denn alle völlig den Bezug zum Geld verloren? Das ist doch völlig Wahnsinn.“ Zudem stehe der Verdacht im Raum, der Stadtrat wolle sich lediglich ein persönliches Denkmal setzen.
Am Ende der hitzigen Debatte retteten sich die Fraktionen in einen formalen Kompromiss: Der Antrag wurde zur weiteren Beratung in den Planungsausschuss überwiesen. Der Streit um Hofheims heißestes Pflaster geht damit in die nächste Runde – fest steht vorerst nur, dass vor 2028 kein Schaufelstich erfolgen wird.
TR


Und wieder werden Arbeitsstunden und Steuergelder verschwendet. Auch die Mittel aus Förderprogrammen werden letztlich von uns allen über Steuern finanziert. Wann wird in Hofheim endlich damit begonnen, sorgsamer und verantwortungsvoller mit dem Geld der Bürgerinnen und Bürger umzugehen?
Und noch mehr Parkplätze fallen weg.
Sicher, Stadtgrün ist sehr wichtig. Aber so ist das doch weder Fisch noch Fleisch. Massive Reduktion der ohnehin schon wenigen Parkplätze für einen kleinen grünen Fleck? Ich weiß ja nicht. Dann entweder die Parkplätze lassen oder gleich ganz beseitigen und den Platz zum Chinon-Park umfunktionieren.