Das unsichtbare Fundament des Waldes: „Waldwärts!“ lud zum „Walk & Talk“ ein
Knapp hundert Menschen folgten der Einladung des Vereins „Waldwärts! Zukunftswald Hofheim“ zu einer Exkursion mit dem Bodenkundler Dr. Rainer Dambeck. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Rolle der Boden für das Ökosystem Wald spielt.
Dr. Dambeck machte anschaulich deutlich, dass vieles von dem, was einen Wald widerstandsfähig und lebendig macht, sich unter unseren Füßen abspielt. Wie ein Schwamm kann Boden erhebliche Mengen Wasser aufnehmen. „Je nach Aufbau und Porenvolumen können in einem Kubikmeter Boden mehrere hundert Liter Wasser enthalten sein“, so Dambeck. „Wie viel davon gespeichert bleibt und den Bäumen zur Verfügung steht, hängt jedoch von vielen Faktoren ab. Auch das Kronendach beeinflusst den Wasserhaushalt des Waldes: Es schützt den Boden vor direkter Sonneneinstrahlung und vermindert dort die Verdunstung.“
Wie unterschiedlich Böden selbst auf engem Raum sein können, zeigte eine Bodenprobe am Kapellenberg. Bereits nach etwa 40 Zentimetern stießen die Teilnehmenden auf den für Hofheim typischen Kies. Im Unterschied zu den darüberliegenden Bodenschichten enthält er kaum Nährstoffe und ist für Wasser stark durchlässig. Nur rund hundert Meter weiter zeigte sich aufgrund eines höheren Lössanteils bereits eine deutlich bessere Bodenqualität.
Besonders eindrücklich wurde die Exkursion an einer Rückegasse mit tiefen Fahrspuren. Dr. Dambeck erläuterte dort die Folgen, die schwere Forstmaschinen bei ungeeigneter Witterung für den Boden haben können. Die Verdichtung kann weit in tiefere Bodenschichten reichen und nach seiner Darstellung zu dauerhaften, irreversiblen Schäden führen. „Da hat kein Regenwurm mehr eine Chance zu überleben“, so Dr. Dambeck. So wurde eindrücklich geschildert, dass Boden keine beliebig erneuerbare Ressource ist: Was über lange Zeiträume entsteht, kann durch falsche Belastung in kurzer Zeit erheblich beeinträchtigt werden.

Bei der Entnahme einer Bodenprobe: Dr. Rainer Dambeck (li.) und Klaus Vogt, der Vorsitzende des Vereins „Waldwärts! Zukunftswald Hofheim“.
Gerade diese unmittelbaren Beobachtungen machten den besonderen Reiz des „Walk & Talk“ aus. Statt abstrakt über Waldökologie zu sprechen, konnten die Teilnehmenden sehen, fühlen und nachvollziehen, wie Boden aufgebaut ist und welche Folgen unterschiedliche Bedingungen für den Wald haben. Zahlreiche Fragen zeigten, wie groß das Interesse daran war, die Zusammenhänge genauer zu verstehen.
Am Ende wurde deutlich: Der Waldboden ist weit mehr als die Fläche, auf der Bäume stehen. Er ist eine unverzichtbare Grundlage des gesamten Ökosystems und macht sichtbar, wie eng die verschiedenen Prozesse im Wald miteinander verbunden sind. Für „Waldwärts! Zukunftswald Hofheim“ war die Exkursion damit zugleich eine Bestätigung des eigenen Ansatzes, den Blick auf den Wald zu erweitern und ökologische Zusammenhänge unmittelbar erfahrbar zu machen.
Die nächste Veranstaltung ist bereits vorbereitet. Gemeinsam mit der BUND-Ortsgruppe Hofheim lädt „Waldwärts!“ am Dienstag, 8. September, um 19 Uhr ins Gemeindezentrum St. Peter und Paul ein. Unter dem Titel „Wald wird wild“ geht es in einer Podiumsdiskussion um die Frage: „Wie viel Wildnis braucht der Hofheimer Wald?“
Unser Bild zeigt eine Station der Exkursion von „Waldwärts!“, bei der knapp 100 Interessierte den Ausführungen des Bodenkundlers Dr. Rainer Dambeck lauschten.
Quelle: Waldwärts! (Text & Fotos)

