Rechnen kurz vor Mitternacht: Warum Hofheim bei der Bücherei Geld liegen lässt

Rechnen kurz vor Mitternacht: Warum Hofheim bei der Bücherei Geld liegen lässt

Dass höhere Einnahmen angesichts der finanziellen Notlage der Stadt Hofheim dringend geboten sind, stand eigentlich außer Frage. Der Magistrat hatte deshalb einen Vorschlag erarbeitet, um die Gebühren der Stadtbücherei moderat, aber wirkungsvoll anzuheben. Doch in der jüngsten Sitzung des Haupt und Finanzausschusses kam es anders: Statt einer schnellen Entscheidung bestimmte zähes Kleinklein die Debatte.

Ein Blick auf die Ausgangslage verdeutlicht den Rahmen: Bisher bringt die Stadtbücherei über die Jahresgebühren rund 37.700 Euro jährlich ein. Der Entwurf des Magistrats hätte – auf Basis der Zahlen von 2025 – gut 20.000 Euro mehr in die Haushaltskasse gebracht. Ein kleiner, aber geschätzter Beitrag zur Konsolidierung der Stadtfinanzen.

Die Verwaltung hatte bei ihren Vorschlägen vor allem auf leicht handhabbare, runde Beträge gesetzt. Das stieß bei FDP-Vertreterin Michaela Schwarz jedoch auf Unverständnis: Während die Karte für Erwachsene von 25 auf 30 Euro steigen sollte (plus 20 Prozent), war für Senioren ein Schritt von 12,50 auf 20 Euro angedacht – ein Plus von 60 Prozent. Nicht nachvollziehbar, befand die FDP-Politikerin und hinterfragte zudem, warum Senioren überhaupt weniger zahlen sollten als andere Nutzer.

AfD-Mann Karl Heinz Hellenkamp wollte den Seniorentarif daraufhin gleich ganz kippen und fand dabei Unterstützung beim Linken Baris Agus. Nach einigem Nicken im Rund brachte die spätere Abstimmung jedoch Klarheit: An der Vergünstigung für Senioren wollte man schlussendlich doch festhalten.

Am Ende verständigte man sich darauf, die Jahresgebühren durchgängig um exakt 25 Prozent anzuheben. Das führt künftig zu recht spezifischen Cent-Beträgen:

  • Jahreskarte Erwachsene: 31,25 € (statt 25 €)
  • Partnercard: 43,75 € (statt 35 €)
  • Seniorenkarte: 15,63 € (statt 12,50 €)
  • Senioren-Partnercard: 21,88 € (statt 17,50 €)

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt: Neben den Jahreskarten gibt es noch weitere Einnahmen, die – der Empfehlung der Verwaltung folgend – künftig verdoppelt werden sollen. Es läppert sich: Über Versäumnisgebühren, Kopien, Ersatzausweise und Erinnerungsbriefe kamen bislang knapp 7.000 Euro zusammen. Künftig sollen daraus fast 14.000 Euro werden.

Es war bereits deutlich nach 22 Uhr, die Sitzung hatte um 18 Uhr angefangen –, da passiert so etwas schon mal: Ein wesentliches Detail blieb unberücksichtigt. Unterm Strich spülen die verteuerten Jahreskarten lediglich rund 48.000 Euro in die Stadtkasse. Die Verwaltung hatte in ihrer Kalkulation jedoch mit rund 57.000 Euro gerechnet. 9.000 Euro Unterschied – viel Geld in diesen Zeiten für das darbende Rathaus…

Dass die Pauschalerhöhung deutlich hinter dem geplanten Einnahmeziel zurückbleibt, fiel nur Bürgermeister Willi Schultze auf. Da allerdings war es bereits zu spät. Ausschussvorsitzender Armin Thaler (CDU) bestand darauf, dass der Beschluss gefasst sei. Man könne ihn ja, befand er auch, später immer noch ändern.

Das ist richtig: Der Beschluss des Ausschusses ist schließlich zunächst eine Empfehlung. Die finale Entscheidung trifft das Stadtparlament am kommenden Mittwoch ab 17:45 Uhr in der Stadthalle. Es bleibt abzuwarten, ob die Stadtverordneten die Diskussion noch einmal aufnehmen wollen – oder den Beschluss des Ausschusses einfach durchwinkt.

TR

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