Konzept ohne Sparwillen: Musikschul-Chef will mehr Geld von der Stadt

Konzept ohne Sparwillen: Musikschul-Chef will mehr Geld von der Stadt

Katapultiert sich hier ein Mann ins Abseits? Sven Müller-Laupert, der Geschäftsführer der Musikschule, hatte Ende letzten Jahres einen klaren Auftrag von den Stadtverordneten bekommen: Er sollte ein Zukunftskonzept vorlegen. Das Ziel war klar, denn die Musikschule war damals nur haarscharf an einer Pleite vorbeigeschrammt: Kosten senken. Jetzt hat der Mann ein Papier vorgelegt, das im Kern auf eine zentrale Forderung hinausläuft: Er will mehr Geld von der Stadt Alle anderen Vorschläge und Ideen, wie die Musikschule Kosten senken und finanziell besser gestellt werden könnte, lehnt er rundweg ab. Und nun?

Angesichts der finanziellen Notlage der Kreisstadt waren die Erwartungen klar abgesteckt. Im November letzten Jahres hatte das Stadtparlament mit deutlicher Mehrheit beschlossen, dass der Geschäftsführer der Musikschule gGmbH – Gesellschafter sind die Stadt und der Volksbildungsverein (VBV) – ein Zukunftskonzept vorlegen soll. Unmissverständlich hieß es dazu: „Zweck dieses Konzepts soll es sein, finanziell von zusätzlichen, bzw. unvorhergesehenen Zahlungen der Stadt Hofheim unabhängig zu werden.“

Müller-Laupert ließ sich lange Zeit, bis er reagierte. Erst jetzt, nach zehn Monaten, hat er ein 13-seitiges Papier vorgelegt. Dessen Kernbotschaft lässt sich in einem schlichten Satz zusammenfassen: Die Stadt soll der Musikschule einfach mehr Geld zahlen – und das am besten auf Jahre vertraglich garantiert.

Teilweise liest sich das Konzept, als gehe dem Schulleiter jeglicher Realitätsbezug ab. So wird die Festanstellung von 33 Lehrkräften als „Konsolidierungserfolg“ verkauft, obwohl dieser rechtlich notwendige Schritt die Personalkosten nach oben getrieben und die Schieflage angeblich überhaupt erst mitverursacht hat.

Und auch eine – recht moderate – Erhöhung der Unterrichtsgebühren sei beschlossen worden, lobt sich der Schulleiter. Wörtlich schreibt er: „Damit hat die Gesellschaft ihren Eigenbeitrag zur Konsolidierung nachweisbar erbracht.“

Konzept Müller Laupert Musikschule
Bislang verstand sich Sven Müller-Laupert (rechts) bestens mit der Stadtpolitik. Ob das auch nach der Präsentation seines Zukunftskonzepts so bleibt? Unser Bild zeigt ihn mit Ex-Bürgermeister Christian Vogt, der ihm bis zuletzt sogar einen Neubau für die Musikschule versprach. Links: Rathaus-Kulturchefin Susanne Demuth (Lebensgefährtin von Müller-Laupert) und Dorothee Graefe-Hessler, Aufsichtsratsvorsitzende der Musikschule Hofheim gGmbH.

Dennoch reicht das Geld hinten und vorne nicht. Schaut man in den Wirtschaftsplan, muss die Stadt Hofheim in diesem Jahr insgesamt 169.000 Euro zuschießen: 75.000 Euro waren als regulärer Zuschuss geplant, dazu kamen 44.000 Euro als Mietkostenzuschuss. Und dann musste die Stadt weitere 50.000 Euro bewilligen, um eine drohende Insolvenz abzuwenden.

In einer solchen Krise zieht die Geschäftsführung eines Unternehmens gewöhnlich die Zügel an: Sparprogramm, Kostensenkungen, Einnahmen steigern. Nicht so Müller-Laupert: Er fordert für die kommenden Jahre mehr Geld von der Stadt und zudem eine feste Vereinbarung: Statt der bisherigen 75.000 Euro will er 125.000 Euro im Jahr 2027. Der Betrag soll danach stetig ansteigen, schreibt er: auf 130.000 Euro im Jahr 2028 und 135.000 Euro im Jahr 2029.

Musikschul-Konzept: Nachbarn sparen – Hofheim zahlt alles

Eine besondere Pointe des Konzepts offenbart sich beim Blick auf die Herkunft der Musikschüler. 27 Prozent der Schüler kommen nicht aus Hofheim, sondern aus umliegenden Orten wie Kriftel, Hattersheim oder Kelkheim. Über ein Viertel der Musikschul-Kapazitäten wird also von Familien genutzt, deren Kommunen keinen einzigen Cent beisteuern. Das heißt: Hofheim finanziert hier faktisch eine regionale Bildungseinrichtung. Während der Hofheimer Steuerzahler das Defizit ausgleicht, profitiert davon zu einem beträchtlichen Teil die Nachbarschaft.

Könnte man die auswärtigen Familien nicht angemessen an den Kosten beteiligen? Schließlich ist das in vielen anderen Städten gang und gäbe. Müller-Laupert wischt einen solch naheliegenden Einfall vom Tisch. Ein moderater Zuschlag für Auswärtige von zehn Prozent – der der Hofheimer Stadtkasse auf einen Schlag rund 24.000 Euro Ersparnis brächte – sei unzumutbar. Der Musikschulleiter rechnet vor: Für eine Familie aus Kriftel würde sich beispielsweise der Monatsbeitrag für den Gitarrenunterricht von 133 auf 146 Euro verteuern, eine Familie aus Hattersheim mit zwei Kindern müsste statt 218 künftig 240 Euro im Monat zahlen. Das Risiko, dass diese Kunden dann zu günstigeren Angeboten in der Nachbarschaft abwandern, sei viel zu hoch.

So argumentiert sich der Geschäftsführer in seinem Konzept von einer Absage zur nächsten durch. Höhere Erwachsenenzuschläge? Drohen Abmeldungen. Streichung von Ermäßigungen? Sozial nicht vermittelbar. Verzicht auf Ensembles? Schadet der kulturellen Präsenz. Personalabbau? Bringt kaum Netto-Ersparnis, weil mit den Lehrkräften auch die Gebühreneinnahmen wegfallen. Und eine Fusion mit anderen Musikschulen im Main-Taunus-Kreis? Viel zu kompliziert, bürokratisch und langwierig.

Kurz: Egal an welchem Stellrad man drehen könnte und möchte – der Geschäftsführer hat die passenden Bedenken bereits aufgeschrieben.

Damit nicht genug: Anstatt bescheiden auf der Stelle zu treten, blickt Müller-Laupert voller Wünsche in die Zukunft. Als langfristiges Strategieziel formuliert er in seinem Papier die vollwertige Anpassung der Lehrergehälter an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes. Bislang hinken die Gehälter in Hofheim rund 30 Prozent hinterher. Würde die Stadt die Lücke schließen, schreibt er, bedeutete das Mehrkosten von satten 325.000 Euro – pro Jahr.

Der Geschäftsführer liefert den Politikern dazu gleich zwei Berechnungsmodelle: Entweder erhöht die Stadt den Zuschuss im Jahr 2027 auf einen Schlag von 125.000 auf 450.000 Euro – oder sie steigert den Betrag in jährlichen Raten von 55.000 Euro bis zum Jahr 2032.

Das Papier zeigt eine bemerkenswerte Logik: Die Hofheimer Bürgerinnen und Bürger sollen tief in die Tasche greifen, um den Musikschulbetrieb zu sichern, während Nachbarkommunen ihre Schulkinder kostengünstig in Hofheim unterrichten lassen. Zugleich wird jeder Sparauftrag der Stadtverordneten als Bedrohung für die Kulturlandschaft abgewehrt.

Wie die Politik auf diese Absage an jeden Sparwillen reagiert, zeigt sich am heutigen Mittwochabend: Ab 18 Uhr berät der Haupt- und Finanzausschuss im Rathausanbau über das Papier. Es dürfte eine hitzige Debatte werden.

TR

2 Kommentare zu “Konzept ohne Sparwillen: Musikschul-Chef will mehr Geld von der Stadt

  1. Taktisch sicherlich ein fragwürdiges Papier. Aber doch ehrlich?
    Das Geheimnis des Könnens ist bekanntlich das Wollen. Vielleicht will hier aber auch jemand nicht. Dafür habe ich durchaus Verständnis. Dann muss man allerdings auch bereit sein, die Konsequenzen zu tragen.
    Ökonomisch bleibt dann wohl nur eine Variante: Mit einem vorgegebenen Mitteleinsatz den größtmöglichen Erfolg erzielen.
    Mal sehen, welchen Spielraum der Haupt-, Finanz- und Beteiligungsausschuss heute Abend tatsächlich sieht.

  2. In vielen Gemeinden werden einfach Schulräume für einen Musikunterricht benutzt.
    Das wäre sicher eine kostengünstige Lösung.

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