„Tourismusstadt Hofheim“: Bürgervereinigung sieht Handlungsbedarf in der Altstadt

„Tourismusstadt Hofheim“: Bürgervereinigung sieht Handlungsbedarf in der Altstadt

Hofheim als offizieller „Tourismusort“? Ein gemeinsamer Antrag von BfH, Bündnis 90/Die Grünen und SPD bringt Schwung in die Debatte: Die Stadt soll prüfen lassen, ob sie die Kriterien für eine staatliche Anerkennung erfüllt. Als Trumpfkarte gilt die historische Altstadt mit ihrem Fachwerk, dem Wasserschloss, alten Stadtmauern und vielfältiger Gastronomie. Der Bericht von Hofheim-News über den politischen Vorstoß – nachzulesen hier – zeigte sofort Wirkung: Die Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt begrüßt die Initiative, verknüpft ihr Lob jedoch mit deutlichen Forderungen. Wir dokumentieren die Stellungnahme des Altstadt-Vereins im Wortlaut:

Die Altstadt ist Kristallisationspunkt und Identifikationsort

Die Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt begrüßt ausdrücklich, dass Hofheim seine touristischen Chancen stärker nutzen und sich als attraktives Ziel für Gäste aus der Rhein-Main-Region positionieren möchte. Die Stadt hat viel zu bieten – und die Altstadt ist ohne Zweifel eines ihrer wichtigsten Aushängeschilder.

Dass Hofheim heute überhaupt noch mit einer historischen Altstadt werben kann, ist allerdings keine Selbstverständlichkeit. Vor fast 60 Jahren setzten sich zwei couragierte Frauen im Stadtparlament dafür ein, dass die Altstadt nicht der bereits beschlossenen Flächensanierung zum Opfer fiel: Gudrun Kemmann von der CDU und Erika Haindl von der SPD.

Ihr Engagement erwies sich schon bald als Segen für die gesamte Stadt. Heute ist die Altstadt Kristallisationspunkt und Identifikationsort – für die Menschen, die dort leben, ebenso wie für Besucherinnen und Besucher. Mit ihrer Silhouette wird seit Jahren sogar an der Autobahn für Hofheim geworben. Es hat sich demnach absolut gelohnt, die Altstadt zu verteidigen. In dieser Tradition steht die Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt.

Wenn nun erneut und verstärkt für den Tourismus in Hofheim geworben werden soll, findet dies unsere ausdrückliche Unterstützung. Bevor das touristische Werbeportfolio jedoch allzu sehr aufgebläht und damit zur Farce wird, sollte die Stadt auch die noch bestehenden Herausforderungen in den Blick nehmen. Denn die im Antrag genannte „extrem hohe Aufenthaltsqualität“ muss auch im Alltag erlebbar sein. Dafür setzt sich die Bürgervereinigung seit Jahren ein.

Weniger Verkehr für mehr Aufenthaltsqualität

An erster Stelle steht dabei die Verkehrsreduktion in der Altstadt. Es ist überhaupt nicht attraktiv, wenn Gästegruppen bei Stadtführungen mit unserer Vorsitzenden Renate Hofmann immer wieder an den Rand der engen Gassen ausweichen müssen, um Fahrzeugen Platz zu machen, oder wenn Menschen mit Kinderwagen oder Rollator nicht wissen, wo sie sicher gehen sollen, weil die schmalen Gehwege oder Randbereiche zugeparkt sind.

Dass Navigationssysteme immer noch Durchfahrtsverkehr (z. B. zur Rhein-Main-Therme oder zum Krankenhaus) durch die Altstadtgassen leiten, ist ein schon lange offen benanntes Übel, das die Aufenthaltsqualität mindert. Gleichzeitig fehlt es an einer klaren und frühzeitigen Beschilderung zu den Parkhäusern. Hier wenigstens soll nach Beendigung der Sanierungsarbeiten am Innenstadtkreisel Abhilfe geschaffen werden.

Altstadt
Die Fußgängerzone in Hofheim: Begegnungen zwischen Passanten und Autofahrern gehören hier zum Alltag.

Eine extrem hohe Aufenthaltsqualität lässt auch erwarten, dass die Fußgängerzone vor Park- und Durchgangsverkehr unmissverständlich geschützt wird, ebenso wie der Tivertonplatz, wo gerne aus Bequemlichkeitsgründen geparkt wird, mitunter so nah am Brunnen, dass dieser kaum noch als Mittelpunkt des Platzes wahrgenommen werden kann.

Hinzu kommt, dass Falschparker nur selten kontrolliert werden. Auch die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit in den verkehrsberuhigten Bereichen wird äußerst selten überprüft. Häufig verstehen Autofahrer unter Schrittgeschwindigkeit 30 bis 50 km/h!

Eine historische Altstadt sollte jedoch in erster Linie ein Ort sein, an dem Menschen sicher gehen, schauen und verweilen können. Wer sie als touristisches Kapital Hofheims hervorhebt, sollte deshalb auch bereit sein, sie konsequenter zu schützen.

Konkrete Vorschläge liegen vor

Dabei beschränkt sich die Bürgervereinigung keineswegs auf Kritik. Vorschläge zur Verkehrsreduktion liegen längst auf dem Tisch. Sie wurden mit dem Verband der Einzelhändler (IHH) und weiteren engagierten Gruppen abgestimmt und im kommunalen Arbeitskreis Innenstadt eingebracht. Bislang fehlt jedoch die notwendige Unterstützung durch Politik und Verwaltung, um diese Vorschläge tatsächlich umzusetzen.

Der neue Antrag gibt Anlass zur Hoffnung, dass doch noch Bewegung in die Diskussion kommt. Wer die historische Altstadt als einen wesentlichen Grund für die Anerkennung Hofheims als Tourismusort anführt, sollte ihren Schutz und ihre Weiterentwicklung auch tatkräftig unterstützen.

Grün, Schatten, geeignete Sitzplätze und Wasser

Zu einer hohen Aufenthaltsqualität gehören nicht nur aus Sicht der Bürgervereinigung auch mehr Begrünung, Entsiegelung und Beschattung. Gerade an heißen Sommertagen heizen sich die engen Gassen und Plätze der Altstadt stark auf. Wer Gäste und Einheimische zum Verweilen einladen möchte, muss ihnen attraktive und möglichst beschattete Aufenthaltsbereiche anbieten. Dazu gehören auch seniorengerechte Sitzgelegenheiten mit Rücken- und Armlehnen. Solche Details mögen auf den ersten Blick unspektakulär erscheinen. Für ältere Menschen oder Personen mit eingeschränkter Mobilität entscheiden sie jedoch darüber, ob ein Platz tatsächlich genutzt werden kann.

Aufenthaltsqualität zeigt sich nicht allein in einem schönen Stadtbild. Sie zeigt sich auch darin, ob sich möglichst viele Menschen sicher, bequem und gern in der Stadt aufhalten können.

Hofheim ist historisch eine wasserreiche Stadt. Brunnen und Wasserläufe waren über Jahrhunderte prägende Bestandteile des Hofheimer Stadtbilds. Ihre Reaktivierung könnte die Altstadt gestalterisch aufwerten und zugleich an heißen Tagen zur Verbesserung des Stadtklimas beitragen. Die Bürgervereinigung hat hierzu bereits einen konkreten Vorstoß unternommen und ein Konzept für die Sanierung des alten Schul- beziehungsweise „Gaasebrunnens“ in der Burgstraße vorgelegt. Bedauerlich ist auch, dass es bisher nicht gelungen ist, den Brunnen an der Obermühle wieder instand zu setzen. In der Wasserrinne sammelt sich derzeit vor allem Abfall. Das wird weder der historischen Bedeutung des Ortes noch dem Anspruch an einen attraktiven Stadtraum gerecht.

Wer mit der Geschichte Hofheims wirbt, sollte dafür sorgen, dass historische Elemente nicht nur beschrieben, sondern im Stadtbild wieder erlebbar werden. Der traurige Zustand trockener Brunnen, in diesem Jahr auch aufgrund der Haushaltslage, muss beendet werden.

Auch kleine Maßnahmen entfalten Wirkung

Nicht jede Verbesserung erfordert ein großes Investitionsprogramm. Manchmal können auch überschaubare Maßnahmen spürbar zur Aufenthaltsqualität beitragen.

Ein Beispiel ist die Versorgungsleitung am Chalet. Seit Jahren verläuft sie über das Pflaster und bildet eine unnötige Stolperfalle. Eine Verlegung unter das Pflaster wäre eine kleine Maßnahme, die den Bereich sicherer und ansprechender machen würde.

Altstadt Chalet
Das Chalet im Weg: Die Holzhütte verstellt die freie Sicht auf das historische Türmchen aus dem 14. Jahrhundert.

Gerade in Zeiten knapper finanzieller Mittel sollte der Blick deshalb auch auf solche konkreten, lösbaren Probleme gerichtet werden.

Eine Altstadt ist mehr als eine schöne Kulisse

Eine historische Altstadt ist nicht nur eine touristische Kulisse. Sie ist zugleich ein Wohn- und Lebensort. Ihre Attraktivität hängt deshalb auch davon ab, ob die dort lebenden Menschen gehört, ernst genommen und frühzeitig in Planungen einbezogen werden.

Die Bürgervereinigung sucht regelmäßig das Gespräch mit Politik und Verwaltung. Sie bringt Vorschläge ein, vermittelt örtliche Erfahrungen und engagiert sich ehrenamtlich für konkrete Verbesserungen. Wünschenswert wäre, dass dieser Austausch künftig noch stärker von beiden Seiten aktiv gesucht wird. Gerade in Zeiten knapper Kassen ist es wichtig, auf die Bürgerinnen und Bürger sowie auf die Vereine zuzugehen und ihre Kenntnisse, Ideen und ihre Bereitschaft zum Engagement zu nutzen.

Hofheim könnte touristisch noch stärker punkten, wenn Gäste nicht nur Fachwerkhäuser, Stadtmauer und Wasserschloss erleben, sondern auch den kreativen Geist und das vielfältige Engagement der Stadtgesellschaft wahrnehmen.

Tourismusförderung sollte daher nicht bei Werbung, Broschüren und einem möglichen Prädikat stehen bleiben. Die Attraktivität muss real erfahrbar sein durch weniger Verkehr, sichere Wege, wirksame Kontrollen, mehr Grün und Schatten, funktionierende Brunnen, geeignete Sitzplätze und eine Stadtpolitik, die mit ihren Bürgerinnen und Bürger partnerschaftlich verbunden ist.

Ein Gedanke zu “„Tourismusstadt Hofheim“: Bürgervereinigung sieht Handlungsbedarf in der Altstadt

  1. Kein Wunder, dass dies zu Irreführungen führt, denn die Überschrift trifft die verfolgte Absicht in keiner Weise; Die Ausweisung als „Tourismusort“ dient nicht dazu, dass „Hofheim seine touristischen Chancen stärker nutzt“. Sie dient dazu, die rechtlichen Voraussetzung zu schaffen, um eine neue kommunale Steuer einführen zu können, um die Stadtkasse ein wenig zu entlasten.

    Dies zeigt auch der Zeitpunkt, zu dem diese Bettensteuer von der neuen Rathaus-Mehrheit aufs Tapet gebracht wird: Diese Steuer ist ja nichts Neues. Seit Januar 2017 ist in Hessen die „Verordnung über die Anerkennung als Kur-, Erholungs- oder Tourismusort“ in Kraft. Seit April 2017 gibt es dazu eine von den kommunalen Spitzenverbänden erarbeitete Mustersatzung. Seit Anfang 2018 wurde dieser Tourismusbeitrag in Frankfurt eingeführt (derzeit 2 Euro pro Übernachtung).

    Sein Charme: Lässt sich leicht erheben und trifft nicht die ortsansässige Bürgerschaft. Sein Nachteil: Bringt in Hofheim nicht viel ein bei den rd. 100.000 Übernachtungen pro Jahr. Soll heißen: Bitte keine großen Erwartungen an diese neue Steuer. Sie wird allenfalls dabei helfen, möglichst viel vom Bestand an kultureller Infrastruktur zu erhalten.

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