Staatlich anerkannte Tourismusstadt: Hofheims neuer Rettungsanker?

Staatlich anerkannte Tourismusstadt: Hofheims neuer Rettungsanker?

Hofheim ist pleite, aber sowas von. Aber das ist jetzt ja mal ein Plan: Hofheim soll „Tourismusstadt“ werden – und zwar staatlich anerkannt. Davon – ja, man kann’s nicht anders sagen – träumt derzeit das „Bündnis für Hofheim“, zu dem sich Grüne, SPD und die Wählergemeinschaft „Bürger für Hofheim“ zusammengetan haben. Die drei Fraktionsspitzen formulierten dazu einen Antrag, über den demnächst das Stadtparlament entscheiden muss. Nur ein Gaga-Vorschlag – oder ein ernsthafter Versuch, Geld einzunehmen und die Stadt etwas voranzubringen?

Sie meinen es tatsächlich ernst: „Die Nachfrage nach nachhaltigem Tourismus und anspruchsvoller Naherholung im direkten Einzugsgebiet der Metropolregion Rhein-Main wächst stetig“, schreiben die Fraktionsvorsitzenden Bettina Brestel (Grüne), Aaron Kowacs (SPD) und Tanja Lindenthal (BfH) in ihrem gemeinsamen Papier. Das Prädikat „Tourismusstadt“ könne Hofheim strategisch positionieren und das lokale Gewerbe stärken – andere Kommunen würden das schließlich auch nutzen.

Ganz ohne Hürden gibt’s den Titel allerdings nicht. Ein Ort muss mehr als doppelt so viele Übernachtungen wie Einwohner aufweisen – und sich durch eine landschaftlich bevorzugte Lage, bedeutende kulturelle Einrichtungen oder sonstige Angebote von überörtlicher Bedeutung abheben.

Die erste Anforderung ist formal schon erfüllt: 2025 gab es über 100.000 Übernachtungen in der Kreisstadt. Sicher nicht nur Urlauber, es dürften in erster Linie Geschäftsreisende gewesen sein – aber danach fragt am Ende bekanntlich keiner.

Was die touristische Infrastruktur angeht, fällt den Antragstellern naturgemäß jede Menge ein: Da ist die historische Altstadt, die mit „extrem hoher Aufenthaltsqualität“ punkte und einer lebendigen Gastronomieszene, die zum Verweilen einlade. Da gebe es die Funde der jungsteinzeitlichen Michelsberger Kultur am Kapellenberg sowie des römischen Kastells auf dem Hochfeld, die „Potenzial für den Bildungs- und Geschichtstourismus“ böten.

Auch die „überregionale Strahlkraft“ des Stadtmuseums, das „wetterunabhängige Wellness-Zugpferd“ Rhein-Main-Therme, das etablierte Netz an Erlebnispfaden und der Meisterturm mit „dem unschätzbaren Panoramablick über die Rhein-Main-Ebene bis zur Frankfurter Skyline“ werden ins Feld geführt. Abgerundet wird das Ganze durch den Bahá’í-Tempel, die Initiative „Essbare Stadt Hofheim am Taunus“ und das Siegel Fairtrade-Town.

Eine bunte Mischung aus echtem Pfund und charmantem Klein-Klein.

Hofheim bringe „hervorragende Voraussetzungen mit, um als Tourismusort anerkannt zu werden“, befindet das Bündnis und erhofft sich einen Strom „kaufkräftiger Tages- und Wochenendgäste“ sowie „erweiterte rechtliche Spielräume“, womit Geschäfte auch sonntags öffnen könnten.

Ganz neu ist die Idee übrigens nicht: Anfang dieses Jahres hatte die SPD einen ähnlichen Vorschlag gemacht, der dann aber vergessen wurde. Kürzlich wies ein Unternehmer die Stadtpolitiker darauf hin, dass neuerdings die Stadt Langen und sogar Offenbach als Tourismusorte gelten. Sie haben damit die rechtliche Möglichkeit geschaffen, einen Tourismusbeitrag zu erheben – jetzt werden zwei Euro von jedem Gast kassiert.

Da kriegen Hofheims Lokalpolitiker leuchtende Augen: 100.000 Gäste im Jahr, jeder zahlt zwei Euro in die Stadtkasse…

Man mag das für kühnen Zweckoptimismus halten – aber vor diesem Hintergrund ist der Prüfauftrag an die Hofheimer Verwaltung zumindest kein verkehrter Schritt, um die realen Chancen einmal nüchtern auf den Tisch zu legen. Das Trio Brestel, Kowacs und Lindenthal macht jedenfalls schon mal Tempo: Ein erstes Ergebnis der Prüfung sei den Stadtverordneten „innerhalb von drei Monaten vorzustellen“.

TR

Ein Gedanke zu “Staatlich anerkannte Tourismusstadt: Hofheims neuer Rettungsanker?

  1. Keine Frage: Wenn sogar Offenbach bereits staatlich anerkannter Tourismusort ist, dann sollte Hofheim erst recht nachziehen.

    Ein Tourismusbeitrag von 2 Euro wäre im Vergleich zu Offenbach allerdings etwas zu bescheiden. Ich würde Hofheim eher bei 3,50 Euro einordnen – also irgendwo zwischen Offenbach und Venedig.

    Für den Titel einer Kurstadt oder gar für „Bad Hofheim“ wird es zwar (noch) nicht reichen. Aber jeder große Aufstieg beginnt bekanntlich mit einem kleinen Schritt.

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