Alkohol, E-Scooter und junge Fahrer: Wo die Unfallzahlen alarmierend steigen
Während alltägliche Parkrempler die Masse der Unfälle im Main-Taunus-Kreis ausmachen, offenbart der tiefere Blick in die neue Unfallbilanz besorgniserregende Entwicklungen: Besonders stark gestiegen sind Unfälle unter Alkohol- und Drogeneinfluss. Auch junge Fahrer, Senioren und E-Scooter-Nutzer geraten zunehmend in den Fokus. Nach unserem gestrigen Auftaktbericht veröffentlicht Hofheim-News heute weitere exklusive Zahlen aus den Akten der Polizei zum Unfallgeschehen im letzten Jahr.
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei Unfällen unter Einfluss von Alkohol oder anderen berauschenden Mitteln. Die Zahl dieser Unfälle stieg innerhalb eines Jahres von 85 auf 126 Fälle – ein Plus von fast 50 Prozent.
Noch deutlicher fällt in dieser Kategorie die Entwicklung bei Unfällen mit Personenschaden aus: Hier verdoppelte sich die Zahl von 28 auf 60 Unfälle. Die Folgen waren gravierend: Insgesamt wurden bei diesen Unfällen 73 Menschen verletzt, darunter 12 Schwerverletzte. Im Vorjahr waren es 33 Verletzte, davon drei Schwerverletzte.
Zum Vergleich: Bei den klassischen Geschwindigkeitsunfällen blieb die Zahl mit 82 Fällen (Vorjahr: 80) nahezu stabil. Dennoch wurden dabei 40 Menschen verletzt, neun davon schwer.
Junge Fahrer und Senioren sind besonders gefährdet
Die Altersauswertung zeigt zwei besonders auffällige Gruppen: junge Fahrer und ältere Verkehrsteilnehmer. Bei den jungen Fahrern (18 bis 24 Jahre) stieg die Zahl der Unfälle deutlich an: von 750 auf 875 Fälle – ein Zuwachs von fast 17 Prozent. Auch die Zahl der Verletzten nahm zu: von 66 auf 87 Personen. Darunter waren acht Schwerverletzte und 79 Leichtverletzten.
Auch bei den Senioren (65 bis 74 Jahre) stieg die Zahl der Unfälle von 646 auf 724 Fälle – ein Plus von rund zwölf Prozent. Positiv fiel hier immerhin auf, dass die Zahl der Verletzten trotz der höheren Unfallzahl sank (von 57 auf 46).
Für die Statistik hat die Polizei auch das Unfallgeschehen von Menschen ab 75 Jahren ausgewertet. In dieser Gruppe der Hochbetagten blieb die Unfallzahl mit 747 Fällen nahezu unverändert – allerdings mit deutlich schwereren Folgen. Die Zahl der Verletzten stieg von 37 auf 60 Menschen, darunter 17 Schwerverletzte (Vorjahr: neun). Wie bereits im Vorjahr kam auch 2025 ein Mensch dieser Altersgruppe bei einem Unfall ums Leben.
E-Scooter-Unfälle steigen um 80 Prozent
Die Transformation des innerstädtischen Verkehrs spiegelt sich in den Unfallzahlen wider – besonders auffällig ist die Entwicklung bei Elektrokleinstfahrzeugen. Die Zahl der E-Scooter-Unfälle stieg innerhalb eines Jahres von 20 auf 36 Fälle – ein Plus von 80 Prozent. Dabei wurden 25 Menschen verletzt, vier davon schwer. Im Vorjahr hatte es lediglich einen Schwerverletzten gegeben.
Auch klassische Fahrradunfälle nahmen zu: Die Polizei registrierte 187 Unfälle (Vorjahr: 170) mit insgesamt 156 Verletzten.
Bei Pedelecs zeigt sich ein ähnliches Bild: Zwar sank die Zahl der Unfälle leicht von 60 auf 57 Fälle, die Folgen wurden jedoch schwerer. Die Zahl der Schwerverletzten stieg von neun auf zwölf. Erstmals starb im Main-Taunus-Kreis ein Pedelec-Fahrer bei einem Unfall.
Bei Fußgängern zeigt sich dagegen ein leicht positiver Trend: Trotz steigender Unfallzahlen ging die Zahl der verletzten Passanten etwas zurück.
Polizei nennt strukturelle Gründe für steigende Unfallzahlen
Neben den konkreten Unfallursachen hat das Polizeipräsidium Westhessen auch die Rahmenbedingungen im Main-Taunus-Kreis analysiert: Der Kreis ist der flächenmäßig kleinste Landkreis Hessens, heißt es in dem Polizeibericht, weise aber gleichzeitig eine sehr hohe und weiter steigende Fahrzeugdichte auf. Hinzu komme eine stark belastete Verkehrsinfrastruktur: Auf den Bundes- und Landesstraßen treffen viele Fahrzeuge auf einen begrenzten Verkehrsraum.
Die Polizei beschreibt damit ein grundlegendes Problem: Die Zahl der Fahrzeuge steigt kontinuierlich, während die verfügbare Straßenfläche nicht mitwächst.
Für die sehr hohe Zahl der Unfallfluchten – wie gestern berichtet, flüchtet jeder dritte Unfallverursacher – sieht die Polizei im Main-Taunus-Kreis ebenfalls strukturelle Ursachen. Besonders häufig kommt es demnach auf großen Parkflächen und in Bereichen mit hohem Verkehrsaufkommen zu Fällen, bei denen sich Verursacher unerlaubt entfernen. Als Beispiele nennt die Polizei unter anderem das Main-Taunus-Zentrum, Ikea in Wallau sowie das stark wachsende Gewerbegebiet in Eschborn.
Und dann ist da noch eine Besonderheit des Main-Taunus-Kreises: Hier gibt es eine hohe Zahl an Leasing- und Geschäftsfahrzeugen. Hintergrund ist die starke Wirtschaftsstruktur mit zahlreichen Unternehmen und Pendlerbewegungen. Nach Einschätzung der Polizei sind diese Fahrzeuge statistisch entsprechend häufig an Unfällen beteiligt. Gerade bei Firmenfahrzeugen sei eine detaillierte Unfallaufnahme – auch aus versicherungsrechtlichen Gründen – kaum noch wegzudenken.
Angesichts der zunehmenden Verkehrsdichte setzt die Polizei vor allem auf eines: defensives Fahren und mehr gegenseitige Rücksichtnahme. Inmitten des begrenzten Verkehrsraums seien dies keine bloßen Appelle, sondern eine entscheidende Voraussetzung, um die Zahl schwerer Unfälle im Main-Taunus-Kreis wieder zu senken.
Quelle: Polizei Westhessen / TR

