Update am Nachmittag: Das endgültige Todesurteil für Polar-Mohr ist gefällt
Die schlimmsten Befürchtungen wurden an diesem Donnerstagnachmittag traurige Gewissheit: Das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung wird das Traditionsunternehmen Polar-Mohr – heute PCT Maschinenbau GmbH – nicht retten. Was sich am Morgen nach dem radikalen Zugriff des Hauptkunden Heidelberger Druckmaschinen bereits abzeichnete, mündet nun in der endgültigen Abwicklung des Standorts. Die Ära von „Made in Hofheim“ ist damit faktisch vorbei.
Dass die Rettung scheitert, kommt allerdings nicht überraschend. Bereits heute Vormittag haben wir an dieser Stelle exklusiv über das gestern eröffnete Insolvenzverfahren berichtet und davor gewarnt, dass die vollständige Übernahme der Polar-Produktion durch die Heidelberger Druckmaschinen AG dem Traditionsbetrieb die wirtschaftliche Substanz raubt [hier]. Jetzt zeigen die neuesten Informationen, wie brutal der Kahlschlag die Belegschaft tatsächlich trifft.
Von den aktuell noch rund 230 Beschäftigten wird fast die Hälfte – rund 110 Mitarbeiter – kurzfristig den Arbeitsplatz verlieren. Sie sollen in einer sogenannten Transfergesellschaft aufgefangen werden, wie heute Nachmittag bekannt wurde. Diese staatlich geförderte Übergangsgesellschaft dient als arbeitsmarktpolitisches Instrument bei Massenentlassungen: Die betroffenen Mitarbeiter erhalten dort ein Transferkurzarbeitergeld und sollen gezielt weitergebildet sowie in neue Jobs vermittelt werden. Für das insolvente Unternehmen bedeutet es eine schnelle Entlastung von den Personalkosten.
Die verbleibenden rund 120 Beschäftigten haben ebenfalls nur eine Galgenfrist erhalten: Sie bleiben laut Medienberichten vorerst an Bord, um für Heidelberg die Produktion von Maschinen und Ersatzteilen abzuarbeiten. Doch das Ablaufdatum steht fest: Spätestens am 31. März 2027 ist auch für sie endgültig Schluss.
Abriss der Polar-Mohr-Werkshallen wird verschoben
Eng verknüpft mit dem Aus des Unternehmens ist das Schicksal des Firmengeländes an der Hattersheimer Straße. Eigentlich wollte der Kelkheimer Projektentwickler Horn hier noch in diesem Jahr die Abrissbirne kreisen lassen, um Platz für einen neuen Stadtteil mit rund 500 Wohnungen zu schaffen.
Aufgrund der verlängerten Auftragsproduktion für Heidelberg wurden die Pläne kurzfristig angepasst: Der Abriss soll zwar wie geplant zum 1. Oktober 2026 starten, betrifft vorerst aber nur jenen Teil des Geländes, auf dem der Neubau eines Hotels vorgesehen ist – das aus Richtung Stadtmitte und Bahnhof gelegene Entree des Areals.
Weil die 120 verbliebenen Polar-Mitarbeiter noch ein halbes Jahr länger für Heidelberg produzieren müssen, bleiben die eigentlichen Werkshallen über den Winter stehen. Zum 1. April 2027 übernimmt die Projektgruppe Horn dann planmäßig das gesamte Areal.
Spätestens an diesem Tag wird Polar-Mohr nach rund 120 Jahren endgültig Geschichte sein.
HN


wie geht es mit der alterlichen Betriebsrente weiter? Beträge aus der Versicherung?
Es gibt immer einen Weg; es gibt Angebote und auch Hoffnung und es braucht Zuversicht. In Mainz, Wiesbaden und Frankfurt gibt bei der Arbeitsagentur (gemeldet) circa 17.000 offene Stellen, im Main Taunus Kreis sind es 1300. Die Mitarbeiter hatten in den letzten Jahren sicherlich Gelegenheit, sich auch anderweitig umzusehen, die Zeichen waren an der Wand, oder?
Okay, das mag Verzicht bedeuten; es mag einen höheren Aufwand bedeuten, aber es kann auch mehr Chancen bringen.
Darauf muss jeder Betroffene sich konzentrieren. Wo eine Tür zugeht, geht eine andere Tür auf.
Wo sind wir denn gelandet, dass wir nur noch schwarz sehen, dass wir nur noch darauf hoffen, dass der Staat und die Ämter uns helfen?
Ja, das Management hat einen Anteil daran, dass die Zeichen nicht erkannt wurden.
Aber Tatsache ist, dass die Arbeitskosten offensichtlich international nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Dass unsere Energiekosten jenseits von gut und böse sind.
Und dass die Bürokratie jegliche Initiative eher behindert als fördert.
Aber es ist notwendig, dass sich Menschen bewegen und eigene Verantwortung übernehmen. Der Staat ist dazu nicht mehr in der Lage.