Neuer Rathaus-Bericht: Finanzdesaster kostet 55.000 Euro Zinsen – jeden Monat
Wer die Finanzberichte aus dem Hofheimer Rathaus liest, braucht gute Nerven. Die neuesten Zahlen liegen auf dem Tisch, und die Botschaft ist – nun ja: gleichbleibend düster. Gleich zu Beginn dieses Jahres hat die Kommunalaufsicht der Kreisverwaltung das Hofheimer Rathaus erneut unter die Lupe genommen. Eine „unvermutete Kassenprüfung“ nennt sich das im Amtsdeutsch – eine Formulierung, die man sonst eher im Kontext von Razzien vermutet. Nachzulesen ist das im neuen Finanzstatusbericht für das erste Quartal, den das Rathaus am Mittwoch vorstellen will. Das Papier legt schonungslos offen, wie tief die Kreisstadt im Dispo-Sumpf steckt – und was uns das wirklich kostet, jeden Tag.
Die nackten Zahlen sind beeindruckend – allerdings nicht im positiven Sinne: Zu Beginn dieses Jahres hatte die Stadt ihr Konto bei der Taunus Sparkasse um exakt 31.528.419,45 Euro überzogen. Für diesen gigantischen „Dispo“ – im Amtsdeutsch vornehm Liquiditätskredit genannt – zahlte Hofheim einen Zinssatz von 2,301 Prozent.
Anfang Februar zog die Verwaltung die Reißleine: Der Dispo wurde in einen sogenannten Liquiditätsfestkredit umgewandelt. Höhe: 30 Millionen Euro, Zinssatz: 2,190 Prozent. Das sei „wirtschaftlicher“, heißt es im Rathaus beschwichtigend.
Teuer bleibt es trotzdem: Der Festkredit verursacht jährlich 657.000 Euro an reinen Zinskosten. Das sind knapp 55.000 Euro im Monat, rund 1.800 Euro am Tag oder etwa 75 Euro in jeder einzelnen Stunde. Tag und Nacht. An Werktagen ebenso wie an Feiertagen.
Weil diese 30 Millionen Euro aber hinten und vorne nicht reichen, um die laufenden Kosten zu decken, wurde der Stadt dazu noch ein klassischer Dispo bei der Taunus Sparkasse eingeräumt. Bis zu 10 Millionen Euro hat die Kommunalaufsicht hierfür genehmigt – als teure, flexible Reserve für den täglichen Mangel,
Nachzulesen ist all das im aktuellen Finanzstatusbericht des Rathauses für das erste Quartal 2026. Am kommenden Mittwoch wird das Papier im Haupt- und Finanzausschuss vorgestellt (ab 19 Uhr, Rathausanbau, Sitzungszimmer „Chinon“). Es ist das erste echte Update für die Stadtverordneten seit Bekanntwerden des Finanzdesasters. Man kann die Lage in zwei Worten zusammenfassen: nicht gut. Oder ehrlicher: ziemlich schlecht.
Weil der Haushalt noch immer nicht offiziell genehmigt ist, gilt in Hofheim weiterhin die sogenannte vorläufige Haushaltsführung. Was bürokratisch klingt, ist ein Korsett: Geld darf nur für zwingend notwendige Pflichtaufgaben ausgegeben werden.
Im Rathaus regiert deshalb das nackte Misstrauen gegen jede Ausgabe. Für jeden Cent über der Bagatellgrenze von 500 Euro wurde ein mehrstufiges Genehmigungsverfahren eingeführt. Selbst der Kauf von neuem Büromaterial oder kleinen Anschaffungen muss inzwischen mehrere Hürden nehmen.
Parallel dazu sitzt die Kommunalaufsicht dem Kämmerer eng im Nacken: Einmal im Monat muss ein Bericht über die angespannte Liquiditätslage an den Landrat übermittelt werden. Transparenzpflicht – oder, je nach Blickwinkel, Daueraufsicht im Krisenmodus.
Besonders nervös, das lässt der Finanzstatusbericht erkennen, macht die Verwaltung die Entwicklung bei der Gewerbesteuer. Jahrelang galt sie als verlässlicher Geldbringer der Kreisstadt. Nun mutiert sie zum unkalkulierbaren Risiko. Immer wieder treffen Messbescheide ein, die zu massiven Rückzahlungen an Unternehmen führen. Allein im ersten Quartal schlug ein neuer Fall ein, der die Stadt voraussichtlich rund drei Millionen Euro kosten wird.
Die Folge ist eine fatale Kettenreaktion: Die in den Haushaltsberatungen mühsam konstruierten Einnahmeansätze für 2026 wackeln bereits jetzt erheblich. Im Rathaus geht bereits das Gespenst eines Nachtragshaushalts um – auch wenn man offiziell noch abwiegelt, dass die gesetzliche Grenze für eine solche Notoperation (ein Minus von mindestens 10 Prozent bzw. 13,1 Millionen Euro im Budget) noch nicht erreicht sei.
Noch ist Hofheim handlungsfähig. Gehälter werden gezahlt, Kitas und Verwaltung funktionieren. Von einer unmittelbaren Pleite kann also keine Rede sein. Doch die Wahrheit ist auch: Hofheim rettet sich derzeit nur über die Zeit, indem es Lieferanten und Partner warten lässt. Weil die Kasse im ersten Quartal so leer war, schob die Stadt Ende März einen Berg von 8,1 Millionen Euro an unbezahlten, fälligen Rechnungen vor sich her. Geld, das die Stadt unter anderem dem Main-Taunus-Kreis, dem öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) und einem Kita-Träger schuldet.
Die Spielräume schrumpfen im Rekordtempo. Die millionenschweren Gewerbesteuer-Rückzahlungen, die klamme Kasse und der immense Schuldenberg sind Warnsignale, die sich nicht mehr wegdiskutieren lassen.
Hofheim fährt noch. Aber die Stadt beschleunigt nicht mehr, sie rollt nur noch aus. Die Tankanzeige leuchtet längst tiefrot – auf einer Strecke ohne Tankstelle.
HN/TR

