Unter der Lupe: Hofheims Stadtparlament – Politik ohne gesellschaftliche Breite
Die Zusammensetzung kommunaler Parlamente gilt gern als Spiegel der Gesellschaft – in Hofheim ist sie ein Zerrbild. Wenn die Stadtverordnetenversammlung am nächsten Mittwoch, 22. April, um 18 Uhr erstmals in neuer Besetzung in der Stadthalle zusammentritt, wird deutlich: Die Macht liegt bei wenigen, geprägt von ähnlichen Berufs-, Bildungs- und Lebensläufen. Große Teile der Stadtgesellschaft kommen nicht vor. Und Frauen? In Hofheim weiterhin deutlich unterrepräsentiert.
Ein genauer Blick auf die Listen der Mandatsträger zeigt: Die Kommunalpolitik in Hofheim ist vor allem eine Veranstaltung der gut ausgebildeten Mitte. Die soziale Vielfalt der Stadt? Am Ratstisch kaum zu finden. Besonders deutlich werden die Schieflagen beim Frauenanteil und beim Alter.
Hier sind die Fakten zu den acht Fraktionen, die am Mittwoch das Zepter übernehmen – sortiert nach ihrer Größe und ihrem Profil.
CDU – die Beständige mit Schlagseite: Mit 12 Sitzen bleibt die CDU dominant, das Profil dabei deutlich konservativ geprägt: Ein Frauenanteil von gerade einmal 25 Prozent und ein stolzer Altersschnitt von 58 Jahren sprechen für Erfahrung – aber eben auch für eine deutliche Distanz zum modernen, weiblicheren Hofheim.
BfH – die großen Gewinner, die kleinen Quoten: Die „Bürger für Hofheim“ sind die Wahlsieger, haben ihre Sitze auf neun mehr als verdoppelt. Doch beim Thema Gleichstellung sind sie fast Schlusslicht: Nur zwei Frauen (22 Prozent) schafften den Sprung ins Parlament. Der Erfolg ist damit vor allem männlich geprägt.
Bündnis 90/Die Grünen – vorbildlich, aber ergraut: Hier herrscht Gerechtigkeit: Mit vier Frauen und vier Männern erreichen die Grünen als einzige große Kraft die Parität. Das Problem liegt woanders: Ein Durchschnittsalter von 62 Jahren macht sie zur zweitältesten Fraktion. Die ökologische Wende wird hier von der Generation 60plus moderiert.
SPD – die junge Ausnahme mit Generationenspagat: Die 6 sozialdemokratischen Stadtverordneten sind mit 41 Jahren im Schnitt die „Teens“ des Parlaments. Hier trifft die jüngste Abgeordnete (Penelope Guckler, 24) auf die älteste (Rita Reiter-Mollenhauer, 74). Eine spannende Mischung, auch wenn die Frauenquote mit 33 Prozent noch reichlich Luft nach oben hat.
AfD – Einzug ohne Frauen, aber mit Rekord: Der Neuling im Haus verzichtet komplett auf weibliche Beteiligung – null Prozent Frauenanteil. Dafür stellt die dreiköpfige Fraktion den Methusalem der Runde: Gernot Fritz Laude ist mit 88 Jahren der Dienstälteste im Saal.
FDP – der exklusive Seniorenclub: Die Liberalen schrumpfen auf zwei Köpfe, halten aber die Geschlechterwaage (50/50). Dafür sichern sie sich einen anderen Titel: Mit einem Schnitt von 68 Jahren stellt die FDP die älteste Fraktion im gesamten Stadtparlament.
Die Linke & FWG – die stabilen Kleinen: Während Die Linke (2 Sitze) mustergültig paritätisch und im Altersmittelfeld (53 Jahre) agiert, bleibt die FWG (3 Sitze) mit einer Frau und zwei Männern ein gewohntes Bild der kommunalen Mitte.
Wer im Hofheimer Stadtparlament wirklich das Sagen hat
Die Zahlen sind kein Zufall, sondern Struktur. Unterm Strich bleibt die Geschlechterverteilung in der Hofheimer Politik deutlich unausgewogen. Nur wenige Fraktionen erreichen Parität, während insbesondere konservative und rechte Parteien kaum oder gar keine Frauen in die kommunale Verantwortung bringen.
Auch beim Alter zeigt sich ein klares Muster: Die kommunalpolitische Bühne gehört überwiegend den Jahrgängen der 1950er bis 1970er Jahre. Wer unter 40 ist, wirkt im Plenum fast schon wie ein Exot.
Noch deutlicher wird die soziale Schieflage beim Blick auf die Berufe: Juristen, Banker, Verwaltungs- und Kommunikationsfachleute dominieren das Bild, ergänzt durch akademische Milieus aus Pädagogik, Ingenieurwesen und Sozialwissenschaften.
Was fehlt, ist ebenso auffällig wie das, was dominiert: klassische Arbeiter- und Handwerksberufe, Industriearbeit, einfache Angestelltenverhältnisse. Die Schieflage ist kein Zufall, sondern strukturell angelegt. Kommunalpolitik verlangt Zeit, Netzwerke und oft auch berufliche Flexibilität – Ressourcen, die nicht allen gleichermaßen zur Verfügung stehen. So entstehen Zugangshürden, die bestimmte Gruppen begünstigen.
Hofheimer Kommunalpolitik bleibt damit ein weitgehend akademisch-mittelständisches Projekt. Gesellschaftliche Breite sieht anders aus.
Unser Bild oben zeigt die Stadthalle Hofheim: Die Leuchtreklame über dem Eingang kündigt die erste Stadtverordnetenversammlung nach der Kommunalwahl an. Beginn ist am Mittwoch, 22. April, um 18 Uhr. Die Sitzung ist öffentlich: Interessierte Bürgerinnen und Bürger können alles live miterleben, dürfen aber nichts sagen – nur zuhören.
HN/TR

