Hofheims Zeitungsdilemma: Auflagen schrumpfen, die Stadt zahlt weiter
Schlechte Nachrichten für Hofheims Zeitungen – und für die Stadt selbst: Leserzahlen und Auflagen brechen weiter ein. Aktuelle Zahlen zeigen erneut deutliche Rückgänge bei der Hofheimer Zeitung und beim Kreisblatt. Das schmälert nicht nur die Attraktivität der Titel für Werbekunden, sondern setzt auch die Stadt Hofheim massiv unter Druck. Trotz ihrer angespannten Haushaltslage gibt sie weiterhin erhebliche Summen für zahlreiche Abos und teure Anzeigen aus. Was offiziell als Information der Verwaltung verkauft wird, wirkt zunehmend wie ein Stützungsprogramm für wirtschaftlich angeschlagene Printprodukte – ein kommunales Sponsoring mit Steuergeld.
Die folgenden Auflagenzahlen sind brandaktuell und wurden von der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) geprüft und herausgegeben:
Die Hofheimer Zeitung kam Ende 2025 nur noch auf 1.110 Abonnements. Im Einzelverkauf – also an Tankstellen, in Geschäften und Kiosken – wurden gerade einmal 222 Exemplare verkauft. Damit sank die Zahl der Abonnements innerhalb eines Jahres um 5,1 Prozent, der Einzelverkauf sogar um 13,3 Prozent.
Auch beim Kreisblatt hält der Abwärtstrend ungebremst an. Die Auflage der Zeitung wird vom Verlag schon seit längerem nicht mehr separat ausgewiesen, sondern nur noch gemeinsam mit den Main-Taunus-Kreis-Ausgaben der Frankfurter Rundschau sowie der FAZ/Rhein-Main. Um die Verkaufszahlen weniger dramatisch erscheinen zu lassen, wird zugleich ein riesiges Verbreitungsgebiet angegeben, das neben dem Main-Taunus-Kreis auch westliche Stadtteile Frankfurts, die Landeshauptstädte Wiesbaden und Mainz sowie den Rheingau-Taunus-Kreis umfasst.
In diesem riesigen Gebiet kamen die drei Titel Ende 2025 zusammen nur noch auf 15.414 Abonnements – ein Minus von fast acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Einzelverkauf fiel erstmals unter die Marke von 1.000 Exemplaren: Es wurden lediglich 919 Zeitungen verkauft, ein Rückgang von 13 Prozent.
Ein Blick auf die letzten Jahre zeigt den strukturellen Wandel im regionalen Printmarkt: Innerhalb von fünf Jahren sank die Zahl der Abonnements dieser drei Zeitungen um rund 30 Prozent, der Einzelverkauf um knapp 41 Prozent. Über zehn Jahre betrachtet hat sich die Zahl der Abonnenten nahezu halbiert, der Einzelverkauf sogar um fast 60 Prozent reduziert.
Der Rückgang ist kein Hofheimer Sonderfall, sondern Teil eines bundesweiten Trends: Steigende Produktionskosten, ein verändertes Medienverhalten und der digitale Wandel setzen dem lokalen Printjournalismus massiv zu. Die Verlage reagieren mit Einsparungen in den Redaktionen – zulasten der Qualität. Und je kleiner die Auflagen werden, desto uninteressanter werden die Zeitungen zugleich für Werbekunden.
Vor diesem Hintergrund rückt die Rolle der Stadt Hofheim als regelmäßiger Abnehmer und Auftraggeber zunehmend in den Fokus. Die Stadt steckt in einer dramatischen Haushaltslage – gibt aber weiterhin erhebliche Summen für gedruckte Zeitungen aus, deren Auflage, Reichweite und gesellschaftliche Relevanz seit Jahren deutlich zurückgehen. Faktisch übernimmt die Stadt damit eine Rolle, die sonst Sponsoren zukommt: Sie stabilisiert Absatz und Einnahmen eines Marktes, der ohne diese Unterstützung noch schneller einbrechen würde.
Hofheimer Zeitung: Stadt kauft über 10% der Auflage
Nach Angaben der Rathaus-Pressestelle finanzierte die Stadt im vergangenen Jahr mehr als 160 Abonnements der Hofheimer Zeitung. Damit kauft die Stadt mehr als zehn Prozent der gesamten Auflage – bezahlt aus Steuermitteln. Selbst bei einem deutlichen Großkundenrabatt dürfte sich der Aufwand auf einen fünfstelligen Betrag summieren. Hinzu kommen weitere Abonnements des Kreisblatts und der Rundschau, die jährlich ebenfalls mehrere tausend Euro kosten – finanziert aus der Stadtkasse.
Und es geht noch weiter: Die Hofheimer Zeitung fungiert weiterhin als amtliches Mitteilungsblatt der Stadt. Zwar werden amtliche Bekanntmachungen längst parallel und kostenfrei auf der städtischen Internetseite veröffentlicht. Dennoch hält Hofheim an einer Praxis fest, die aus einer Zeit stammt, in der gedruckte Zeitungen die zentrale – oft einzige – Informationsquelle waren.

Auch das geht richtig ins Geld: Nach Angaben der Stadtverwaltung beliefen sich die Kosten für amtliche Bekanntmachungen in der Hofheimer Zeitung im Jahr 2024 auf rund 11.370 Euro. Für das vergangene Jahr dürfte ein ähnlicher Betrag angefallen sein. Für das Haushaltsjahr 2026 sind 9.830 Euro eingeplant.
Inzwischen wird diese Praxis politisch zunehmend infrage gestellt. Erste Stadtverordnete fragen offen nach, warum Hofheim in Zeiten leerer Kassen weiterhin fünfstellige Beträge in gedruckte Zeitungen investiert. Zumal es sich dabei nicht um Pflichtausgaben handelt, sondern um freiwillige Leistungen – genau jene Ausgaben also, bei denen Kommunen mit defizitären Haushalten eigentlich zuerst sparen müssen.
Die Kernfrage lautet daher nicht mehr, ob lokale Zeitungen wichtig sind. Sondern ob es Aufgabe einer hoch verschuldeten Stadt ist, mit Steuergeld Absatz, Auflage und Anzeigenumsätze einzelner Medien zu stützen. Was als Tradition begann, droht zur dauerhaften Subvention zu werden – ohne klare Wirkung, ohne Reichweite und ohne erkennbare Gegenleistung für die Allgemeinheit.
Die Stadtverordneten müssen entscheiden, ob Hofheim weiter aus Gewohnheit zahlt – oder endlich nach Haushaltsrealität handelt.
Unser Bild oben zeigt den Eingang zu den Verlagsräumen von Kreisblatt und Hofheimer Zeitung in der Kirschgartenaustraße. Beide Redaktionen sind dort inzwischen zusammengezogen und tauschen Inhalte aus – eine Sparmaßnahme, die zulasten der publizistischen Vielfalt geht.
HN / TR

