2. Waldspaziergang: Volker Ziesling kritisiert Defizite und Verluste

2. Waldspaziergang: Volker Ziesling kritisiert Defizite und Verluste

Bei strahlendem Sonnenschein trafen sich am Samstag rund 70 Interessierte im FFH-Gebiet Galgenberg bei Diedenbergen. Sie folgten der Einladung des BUND-Ortsverbands Hofheim und der Hofheimer Lokalen Agenda (HLA 21), um von Forstamtsleiter a.D. Volker Ziesling mehr über den Zustand des Hofheimer Stadtwaldes zu erfahren.

Ziesling, der bereits zu Beginn der Begehung anhand eines Flipcharts auf Defizite in der Waldbewirtschaftung hinwies, bedauerte das Fehlen von Stadträten und Mandatsträgern. „Ich würde gerne beratend in den Dialog treten“, sagte er und machte deutlich, dass es dem Wald an einer klaren Bewirtschaftungsstrategie fehle. Er kritisierte den multifunktionalen forstwirtschaftlichen Ansatz, der seiner Meinung nach zum Scheitern verurteilt sei, da sich die Ziele wie Erholung, Artenschutz und Holznutzung in gleicher Gewichtung widersprächen. Ziesling zitierte aus dem letzten Auditbericht des Forest Stewardship Council (FSC), in dem ein „strategisches Defizit“ festgestellt wurde – ein Umstand, den er in seiner gesamten forstlichen Laufbahn noch nie erlebt habe.

An einer weiteren Station im Wald sorgte ein ungesicherter Eschen-Block, der wertvolle Stammteil, für Kopfschütteln. Ziesling schätzte den Wert des Edelholzes auf etwa 1.000 Euro und verglich die Situation mit einem ungesicherten Fahrrad in der Frankfurter Innenstadt. Holzdiebstahl sei ein verbreitetes Problem, das hier unnötig begünstigt werde. Hinzu komme, dass das Holz zur Hälfte im Nassen liege und dadurch weiter an Wert verliere. „Das ist Ihr Geld, das sich hier stetig wertmindert“, betonte Ziesling.

Waldspaziergang Ziesling Foto Anita Vogt
Beim Waldspaziergang mit Forstamtsleiter a.D. Volker Ziesling.

Ziesling erläuterte zudem das Verschlechterungsverbot in FFH-Gebieten (Flora-Fauna-Habitat), zu denen auch der begangene Forstabschnitt gehört und kritisierte die erfolgte Bewirtschaftung am Galgenberg. Erneut sei ihm ein FSC-Verstoß aufgefallen: Rückegassen, die eigentlich in einem Abstand von 40 Metern markiert waren, seien alle 20 Meter befahren worden. „13,5 Prozent des Waldes dürfen maximal befahren werden, hier sind es dann bereits 26 Prozent“, so Ziesling. Zudem seien einzelne Gassen mit sechs bis sieben Metern viel zu breit, während FSC nur 3,5 Meter berücksichtige.

Im weiteren Verlauf der Begehung thematisierte Ziesling das Fehlen der vorgeschriebenen FFH-Verträglichkeitsprüfung vor einer geplanten Holzernte, die Auswirkungen von zu kurzen Umtriebszeiten, also der Lebenszeit bis zum Einschlag der Bäume, sowie die negativen Effekte des hohen Brennholzanteils in Hofheim auf die Stadtkasse und die Klimabilanz

Die Teilnehmer zeigten ihr reges Interesse mit Fragen und Beiträgen. Eine weitere Veranstaltung zum Wald ist in Planung.

Zur Info: Was sind FFH-Gebiete?

FFH-Gebiete sind Schutzgebiete, die im Rahmen der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) der Europäischen Union ausgewiesen wurden. Die Abkürzung FFH steht für Flora (Pflanzen), Fauna (Tiere) und Habitate (Lebensräume). Das bedeutet, dass in diesen Gebieten sowohl seltene Pflanzen- und Tierarten als auch ihre natürlichen Lebensräume bewahrt werden sollen. Das FFH-Gebiet „Galgenberg bei Diedenbergen“ ist somit ein besonders wertvolles Naturgebiet, in dem der Schutz der dort vorkommenden Pflanzen- und Tierarten, sowie ihrer spezifischen Lebensräume Priorität hat. Dies trägt maßgeblich zur Erhaltung der regionalen und europäischen Artenvielfalt bei.

Quelle: BUND Hofheim – Bilder: Tanja Lindenthal

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