Hofheim im finanziellen Treibsand: Wo ist nur das ganze Geld geblieben?
Es ist eine dieser Fragen, die man im satten Hofheim eigentlich nicht stellt, weil sie nach Champagnerkorken riecht: Wo ist nur das ganze Geld geblieben? Eine Spurensuche.
Einst fühlte man sich hier wie im Schlaraffenland am Taunusrand – heute steht die Stadt bis zum Hals im finanziellen Treibsand. Die Linken haben das für eine Anfrage an den Magistrat fein seziert, und wir wollen Ihnen die Details keinesfalls vorenthalten:
Anfang 2020 hinterließ Gisela Stang noch neun Millionen Euro an Rücklagen. Dann übernahm CDU-Mann Christian Vogt. Fünf Jahre und ein paar Schnapsideen später musste der städtische Dispo klammheimlich auf 40 Millionen Euro hochgepumpt werden.
Rechenschieber raus: 50 Millionen Euro Miese in den goldenen Zwanzigern bei einem Haushaltsvolumen von 140 Millionen. Chapeau! Die entscheidende Frage hinterlässt den bitteren Nachgeschmack eines abgestandenen Schlucks Wein: Wo ist der ganze Zaster hin?
Hier ist eine kurze Bestandsaufnahme des großen Nichts, von den Linken in ihrer unnachahmlichen Melancholie zusammengetragen:
„In einen neuen Zentralen Omnibusbahnhof ist es nicht geflossen, auch nicht in eine Rad- und Fußwegbrücke nach Marxheim, erst recht nicht in einen Autotunnel dorthin. Von einem Radwegenetz keine Spur, genau so wenig wie vom Baugebiet ,Römerwiesen’ und von einem ,Haltepunkt Wallau’ für den ,Hessen-Express’ auf der Wallauer Spange. Auch gibt es keinen Neubau einer Musikschule, keine neue Gaststätte am Meisterturm, in Lorsbach sind die seit über zehn Jahren vorliegenden baureifen Planungen für einen barrierefreien Zugang zu dem Mittelbahnsteig noch immer nicht umgesetzt und der alte Gemeindesaal im Bürgerhaus noch immer nicht nutzbar. Immer noch ist das ,Milchhäuschen’ im Wallauer Recepturhof unsaniert, genauso wie die Güterhalle am Bahnhof und der Hof Ehry (dort wurden lediglich die – fast immer abgesperrten – Toiletten saniert). Und am schlimmsten: Es gibt in Hofheim noch immer nicht genügend Kita-Plätze.“
Also nochmal: Wo ist das viele Geld geblieben?
Gibt es auf diese Linken-Anfrage schon eine Antwort der Verantwortlichen? Ja, die gibt es – aber Antwort kann man das ehrlicherweise kaum nennen. Das Rathaus verweist, es klingt ziemlich herablassend, auf ein druckfrisches, 30-seitiges Zahlengrab namens „Bericht des Magistrats zur Finanzentwicklung“. Sollen sich die ehrenamtlichen Stadtverordneten doch gefälligst selbst durch den Wust wühlen und die Lücken suchen.
Die Lust auf lückenlose Aufklärung hält sich auch sonst in überschaubaren Grenzen. Zwar wurde auf Antrag der CDU feierlich ein Akteneinsichtsausschuss installiert – das war Anfang Juni. Doch Hektik ist der Feind des guten Tons: Drei Monate später, Anfang September, traf man sich zu einer extra anberaumten Sondersitzung und einigte sich darauf, das Thema mit der gebotenen Entspanntheit anzugehen.
Nächster Halt für die Wahrheit: in acht Monaten. Also erst nächstes Jahr! Im Protokolldeutsch liest sich das so: „Weitere Termine zur Befassung des Ausschusses mit der Thematik werden für April 2027 avisiert.“
Bis dahin fließt noch reichlich Wasser den Schwarzbach hinab – oder eben der Rest vom Dispo.
Hofheim, was läuft hier eigentlich falsch?
TR

