Ratenkauf fürs Grün: Hofheim-Bündnis will den Kunstrasen retten – auf Kelkheimer Art
Der Kunstrasenplatz an der Zeilsheimer Straße ist durch. Ausgespielt, abgetreten, sanierungsreif. Wer hier heute noch grätscht, riskiert mehr als nur Schürfwunden. Das Stadtparlament beschloss im Juni, dass der Magistrat Geld für die Rettung des Spielbetriebs im Haushalt 2027 bereitstellen soll. Kleines Problem: Hofheim ist total abgebrannt – in der Stadtkasse ist kein Cent mehr drin. Trotzdem könnte es jetzt eine Lösung geben, sie steht am Mittwoch im Stadtparlament auf der Agenda (19. August, 17:45 Uhr, Stadthalle). Klingt interessant – das schauen wir uns gerne genauer an.
Der Platz wird genutzt von den Vereinen SV 09 Hofheim und Roter Stern Hofheim 1975. Die Zahlen sprechen eine nüchterne Sprache: Rund 400.000 Euro kostet ein neuer Teppich für die Kicker. Gleichzeitig musste der Magistrat eben erst einräumen, dass jetzt auch noch die Steuereinnahmen massiv eingebrochen sind. Geld ist also schlicht nicht mehr da.
Ein klassisches Hofheimer Dilemma: Höchste Notwendigkeit trifft auf chronische Ebbe im Säckel.
Nun bringt das „Bündnis für Hofheim“ – der Zusammenschluss von BfH, Grünen und SPD im Stadtparlament – einen Vorschlag ins Spiel, der drüben im Nachbarstädtchen Kelkheim bereits abgesegnet wurde. Dort stand man vor exakt demselben Problem – und fand ein Modell, das wie eine Mischung aus Vereinshilfe, Bauherrenmodell und Häuslekauf auf Raten funktioniert.
So funktioniert der Kelkheimer Kniff:
- Nicht die Stadt nimmt den großen Baukredit auf einmal auf, sondern die beiden Vereine kümmern sich selbst und nehmen das Darlehen auf. Die Stadt springt als Bürge ein und garantiert der Bank: „Wenn der Verein ausfällt, zahlen wir.“
- Die Stadt zahlt den Vereinen nicht sofort 400.000 Euro auf den Tisch, sondern überweist über zehn Jahre hinweg einen jährlichen Zuschuss, der die Tilgung und die Zinsen abdeckt. Für die Stadt wird die riesige Einzellast somit zu einer überschaubaren Jahresrate.
- Weil die Vereine selbst als Bauherr auftreten, packen die Mitglieder mit an. Zudem werden Sponsorengelder gesammelt, Benefizspiele veranstaltet oder Spenden genutzt. Vereins-Power & Sponsoren: Jeder Euro, den die Vereine selbst einnehmen, senkt den städtischen Bedarf – und stärkt das Gemeinschaftsgefühl.

Für Hofheim wäre das ein eleganter Ausweg aus der Zwickmühle. Die Vereine bekommen ihren betriebsfähigen Platz zurück, bevor der Rumpelrasen vollends unbespielbar wird. Und der städtische Haushalt muss die 400.000 Euro nicht auf einen Schlag im Jahr 2027 verfrühstücken, sondern verteilt die Last auf mindestens zehn Jahre.
Ob der Magistrat das Kelkheimer Konzept übernimmt, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur: Wer in Zeiten leerer Kassen Sportstätten erhalten will, muss neue Wege gehen. Der Antrag von BfH, Grünen und SPD legt die Steilvorlage – jetzt muss die Stadtverordnetenversammlung nur noch verwandeln.
TR

