Montag rollen die Bagger an: Hofheim startet in das Zeitalter der Mega-Rechenzentren

Montag rollen die Bagger an: Hofheim startet in das Zeitalter der Mega-Rechenzentren
Montag ist Baubeginn: Hinter Marxheim entsteht dieses Rechenzentrum – hier eine Computer-Visualisierung.

Hofheim wandelt sich rasant zum neuen Hotspot der Digitalwirtschaft: Am kommenden Montag, den 5. Oktober, fällt der offizielle Startschuss für das erste Rechenzentrum der Kreisstadt. Direkt an der Autobahnauffahrt hinter Marxheim – in unmittelbarer Nachbarschaft zum Süwag-Umspannwerk – rollen dann die Bagger an. Damit nimmt eines der technologisch bedeutendsten Vorhaben der Kreisstadt konkret Gestalt an. Hinter dem Großprojekt steht ein mächtiger Player aus den USA.

Getragen wird das Vorhaben von einem starken Firmenkonstrukt, bei dem sich internationale Finanzkraft mit lokalem Know-how verbindet. Entwickelt, geplant und gebaut wird die Anlage von der Data Center Group (DCG) – einem Unternehmen aus dem Westerwald, genauer gesagt aus dem 1.200-Einwohner-Dorf Wallmenroth. Es zählt zu den führenden deutschen Spezialisten für den Bau und die ganzheitliche Planung digitaler Infrastrukturen.

Die Fertigstellung ist für das erste Quartal 2028 geplant.

Rechenzentrum
Vom Straßenrand aus gesehen: das geplante Rechenzentrum an der Rheingaustraße hinter Marxheim. (Visualisierungen: Data Center Group / Render Vision)

Betrieben wird das Rechenzentrum dann von einer eigens dafür gegründeten Hofheimer Firma: DCH GmbH nennt sie sich, der Sitz ist in der Rheingaustraße 201 – direkt am Standort des Süwag-Umspannwerks.

An dieser Betreibergesellschaft ist vor allem ein globaler Player maßgeblich beteiligt: 90 Prozent der Hofheimer Firma gehören Prime Data Centers, einem US-amerikanischen Entwickler und Betreiber von hochmodernen Rechenzentren mit Hauptsitzen unter anderem in San Francisco und Dallas. Das 2017 gegründete Unternehmen, das weltweite Tech-Giganten sowie Cloud-Anbieter beliefert, feiert mit dem Hofheim-Projekt seinen ersten Markteintritt in Deutschland.

Die restlichen 10 Prozent der DCH GmbH hält die Süwag. Der Energieversorger mit seinem Stützpunkt direkt in Hofheim fungiert dabei als regionaler Anker – nicht zuletzt, weil das Rechenzentrum direkt neben dem Süwag-Umspannwerk entsteht.

Ob bei diesem Konstrukt am Ende nennenswerte Gewerbesteuern in Hofheim hängen bleiben, wird in der Kommunalpolitik mit Spannung beobachtet. In internationalen Branchenverzeichnissen und auf der Firmenwebsite von Prime Data Centers wird das Marxheimer Projekt übrigens unter dem Namen „Frankfurt Campus FRA01“ geführt – da die Rhein-Main-Region international pauschal als Digital-Hub Frankfurt vermarktet wird.

Noch ein Großprojekt: Startschuss für das „City-Quartier“

Nur wenige Tage nach dem Baubart des ersten Hofheimer Rechenzentrums folgt der nächste Meilenstein für die Stadtentwicklung: Auf dem ehemaligen Gelände der Firma Polar-Mohr an der Hattersheimer Straße beginnen offiziell die Bauarbeiten für das „City-Quartier-Hofheim“. Ein feierlicher „Baggerbiss“ markiert am Freitag, 9. Oktober, den symbolischen Startschuss. Der Kelkheimer Projektentwickler Günter Horn hat das langgezogene Grundstück zwischen der Hattersheimer Straße und den Bahngleisen erworben. Geplant ist ein modernes Stadtviertel mit rund 500 Wohnungen, einem Hotel, einer Kindertagesstätte und neuen Büroflächen. Im Internet läuft die Vermarktung des ersten Bauabschnitts.

Warum die Wahl für „Frankfurt Campus FRA01“ ausgerechnet auf Hofheim fiel, hat strategische Gründe. In einer Pressemitteilung, die die Data Center Group zum Baustart verschickte, heißt es, Frankfurt gehöre zwar zu den weltweit wichtigsten digitalen Knotenpunkten, doch im direkten Stadtgebiet seien die verfügbaren Stromkapazitäten weitgehend ausgeschöpft. „Daher gewinnen Standorte mit gesicherter Stromverfügbarkeit an Bedeutung.“ Hofheim biete dank der Nähe zum DE-CIX in Frankfurt – einem der weltgrößten Internet-Knotenpunkte – sowie einer leistungsfähigen Glasfaseranbindung ideale Voraussetzungen.

„Der deutsche Rechenzentrumsmarkt bleibt ein Wachstumsmarkt, steht aber zugleich vor erheblichen Flächen-, Strom- und Genehmigungsfragen“, erklärt Ralf Siefen, CEO der Data Center Group. „Das Hofheim-Projekt zeigt, wie neue Kapazitäten im Umfeld etablierter Digitalstandorte entwickelt werden können.“

Rechenzentrum Marxheim 1
Aus der Vogelperspektive ist gut zu erkennen, welcher gewaltige Klotz hinter Marxheim entsteht.

Das Gebäude in Marxheim entsteht auf einem rund 11.000 Quadratmeter großen Areal und umfasst zwei Etagen mit reiner Rechenzentrumsfläche, die in drei flexibel geplanten Bauphasen umgesetzt werden. Die Anlage ist auf eine maximale elektrische Anschlussleistung von 30 Megavoltampere (MVA) ausgelegt – das entspricht vereinfacht einer Kapazität von rund 30 Megawatt. Um die Dimension zu verdeutlichen: Mit dieser gewaltigen Energie könnten theoretisch gut 25.000 bis 30.000 Durchschnittshaushalte gleichzeitig mit Strom versorgt werden.

Auch an Nachhaltigkeit ist gedacht: Der extern bezogene Strom soll zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammen, zudem ist vorgesehen, einen zweistelligen Prozentsatz der entstehenden Abwärme für eine spätere Nutzung bereitzustellen.

Rechenzentren in Diedenbergen und Wallau folgen

Das Projekt in Marxheim ist der Auftakt einer grundlegenden Transformation, die das Hofheimer Stadtgebiet nachhaltig prägen wird. In unmittelbarer Nachbarschaft stehen bereits die nächsten Vorhaben in den Startlöchern:

Im nahegelegenen Diedenbergen hat sich der Tech-Gigant Amazon Web Services (AWS) das komplette Gewerbegebiet „In der Lach“ gesichert. Ursprünglich hatte die Stadt diese Flächen für Polar Mohr und regionale Betriebe vorgesehen. Auch wenn sich Amazon nach außen hin gewohnt verschlossen gibt, gilt in Branchen- und Politikkreisen als sicher, dass dort ein weiteres hochmodernes Datenzentrum entstehen wird.

Nur wenige hundert Meter weiter rollt die nächste Welle im Gewerbegebiet Wallau Ost III an. Die Stadtverordnetenversammlung hat den Weg für eine umfassende Neuentwicklung inzwischen geebnet. Der renommierte Frankfurter Projektentwickler Lang & Cie. plant auf dem Areal riesige Hallenkomplexe. Die Hinweise verdichten sich, dass ein drittes Rechenzentrum Teil des Gesamtkonzepts sein wird.

Die Entwicklungen in Marxheim, Diedenbergen und Wallau verdeutlichen damit einen branchenweiten Trend: Weil etablierte Digital-Hubs wie Frankfurt wegen voll ausgelasteter Stromnetze aus allen Nähten platzen, weichen internationale Konzerne und Investoren gezielt auf leistungsstarke Knotenpunkte im direkten Umland aus.

TR

4 Kommentare zu “Montag rollen die Bagger an: Hofheim startet in das Zeitalter der Mega-Rechenzentren”

  1. Leider wir in diesem Bericht die Frage der Gewerbesteuer nur angerissen und nicht annähernd beantwortet. Gerade bei Rechenzentren sollte darüber eine relativ gute Prognose möglich sein.

  2. Mein Abschluss bei dem Thema: Respekt Hofheim – drei Rechenzentren unter amerikanischem Recht…. Sagt schon Mal den Daten Tschüss (nicht nur privat auch aus der Industrie), der kommunalen Wasserversorgung (Hessenwasser baut schon die Pipeline aus dem Ried) und vor allem den Steuereinnahmen bevor sie da sind, dank Sell- & Leaseback.

    Was ist denn der Regenerative Strom zum Betrieb, wie wird er gewonnen und wie weit kommt her?
    Naja, es gibt ja ein Gesetz der Reihe…. warum sollten die Pleiten weitergehen: hoffen wir auf Erfolg und Gemeinwohl.

    1. @hebling, den Daten tschüss kannst du schon sagen, wenn du US Dienste und Software nutzt – dazu muss hier kein Rechenzentrum stehen..

  3. Hier wird nur vom extern bezogenen Strom gesprochen, weiß man auch, ob es zusätzlich Gasturbinen geben wird. Das ist in den USA aktuell ein ziemlich kritischer Punkt. Und einer, warum viele so ein Ding nicht in der Nachbarschaft haben wollen

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