1,7 Millionen Euro Defizit: Nahverkehr wird zur finanziellen Zeitbombe
Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) reißt ein immer tieferes Loch in den Haushalt der Stadt Hofheim. Inzwischen haben sich gegenüber der Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft (MTV) Schulden in Höhe von 1,7 Millionen Euro angehäuft – und ein Ende der Abwärtsspirale ist nicht abzusehen.
Öffentlich wurde das Ausmaß des Defizits durch einen Bericht von Hofheim-News [hier]. Daraufhin hakten die FDP- und die Linke-Fraktion nach – und sie bekamen jetzt eine ebenso knappe wie klare Bestätigung vom Magistrat: „Ja“ – alle Angaben in dem Bericht waren korrekt, die offenen Forderungen bestehen.
Die Gründe liegen, auch das geht aus der Magistratsantwort hervor, in einem seit Jahren bestehenden System: Während die MTV die tatsächlichen Kosten abrechnet, zahlt die Stadt lediglich einen festen Zuschuss in Höhe von exakt 613.550,26 Euro. Dass diese Summe mit der Realität längst nicht mehr Schritt hält, zeigen die Zahlen deutlich:
Stadtbusverkehr: Bei Gesamtkosten von rund 3,9 Millionen Euro (2023/24) standen lediglich Einnahmen von 1,65 Millionen Euro gegenüber.
On-Demand-Dienst „Colibri“: Hier klafft bei jährlichen Kosten von 850.000 Euro und Einnahmen von etwa 500.000 Euro ebenfalls eine Lücke von rund 700.000 Euro über zwei Jahre.

Insgesamt ergibt sich allein für diesen Zeitraum ein ungedecktes Defizit von über 2,25 Millionen Euro, das durch den fixen Zuschuss bei weitem nicht aufgefangen wird.
Da die Differenz in den Jahren 2023 und 2024 nicht ausgeglichen wurde, drohen nun zusätzliche Belastungen: Die MTV fordert mittlerweile Verzugszinsen. Man prüfe derzeit „Grund und Höhe“ dieser Forderungen, heißt es im Rathaus. Klar ist damit: Das Problem wird mit jedem Tag teurer. Für das Jahr 2025 wird bereits mit einer weiteren Million Euro an Nachforderungen gerechnet.
Das Defizit ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern struktureller Natur. Wenn die Schere zwischen den realen Kosten des ÖPNV und dem städtischen Zuschuss immer weiter auseinandergeht, bleibt der Stadt kaum Spielraum.
Da Hofheim gesetzlich dazu verpflichtet ist, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, landet die Rechnung am Ende unweigerlich beim Bürger: Steigende Kosten im Nahverkehr führen fast zwangsläufig zu einer weiteren Erhöhung der Grundsteuer. Um das Millionenloch im ÖPNV zu stopfen, wird die Stadt die Belastungen auf die Immobilieneigentümer und – über die Nebenkosten – auch auf die Mieter umlegen müssen.
Die Politik steht vor einer Herkulesaufgabe: Entweder gelingt eine radikale Reform der ÖPNV-Finanzierung – oder das „Dauerproblem Nahverkehr“ wird zur dauerhaften Steuerlast für alle Hofheimer. Die zentrale Frage bleibt: Wie lange kann und will sich die Stadt dieses Modell noch leisten?
HN/TR

