Wein fließt – Wasser wird abgedreht: Stadt spart Brunnen und Bäche trocken
Der Kontrast könnte in diesen Tagen kaum größer sein: Auf dem Ludwig-Meidner-Platz herrschte an diesem Donnerstagabend beste Stimmung. Der erste Feierabendmarkt des Jahres lockte die Massen, die Gläser waren voll, die Kassen der Händler klingelten. Es ist genau das Bild, das die Stadtspitze gerne sieht: Hofheim als lebendiger, attraktiver Standort. Doch nur wenige Meter weiter zeigt sich ein ganz anderes Gesicht der Kreisstadt – eines, das Staub ansetzt.
Während der Markt pulsiert, verkündete die Verwaltung eine Hiobsbotschaft für das Stadtklima: Alle städtischen Brunnen bleiben dieses Jahr aus. Die Betriebskosten und die regelmäßige Reinigung seien schlicht nicht mehr zu stemmen. Auch der Bachlauf an der Straße „Am Alten Bach“ bleibt eine trockene Rinne – die Reparatur einer undichten Stelle, durch die viel Wasser verschwindet, ist im Haushalt nicht vorgesehen.
Das Urteil der Stadtverwaltung ist kurz und schmerzhaft: Kein Geld da.
Man muss kein Wirtschaftsexperte sein, um hier eine Schieflage in der städtischen Logik zu erkennen. Einerseits subventioniert die Stadt das Event „Feierabendmarkt“ indirekt, indem sie auf marktgerechte Standgebühren [hier]. Die Händler zahlen lediglich Beträge auf Flohmarktniveau, obwohl sie auf öffentlicher Fläche professionelle Umsätze generieren. Das ist sicherlich sympathisch und fördert das Kleingewerbe, doch es stellt sich eine grundsätzliche Frage: Darf sich eine Stadt solche finanziellen Zugeständnisse noch leisten, wenn sie gleichzeitig die Basis-Infrastruktur opfern muss?
Ein attraktiver Marktplatz ist viel wert, eine lebenswerte Innenstadt besteht jedoch aus mehr als nur Verkaufsständen einmal pro Woche. Brunnen und Wasserläufe sind weit mehr als bloße Dekoration. Sie kühlen die Stadt in heißen Sommern und machen den öffentlichen Raum erst zu einem Ort, an dem man sich gerne aufhält – und zwar jeden Tag, nicht nur während der Marktzeiten.
Wenn die Verwaltung argumentiert, es sei kein Geld für die Instandhaltung da, gleichzeitig aber bei gewinnbringenden Veranstaltungen bei den Gebühren beide Augen zudrückt, sendet das ein falsches Signal.
Es geht dabei nicht darum, den Feierabendmarkt durch horrende Gebühren zu ersticken. Es geht um eine faire Gegenfinanzierung dessen, was die Stadt zugleich verspricht: einen lebendigen öffentlichen Raum. Ein moderater Infrastruktur-Beitrag der Marktbeschicker würde den Händlern nicht wehtun, könnte aber dazu beitragen, die Betriebskosten der Brunnen zu decken.
Hofheim muss sich entscheiden: Wollen wir eine Stadt sein, die nur noch funktioniert, wenn gerade eine Party steigt? Oder investieren wir konsequent in das Stadtbild, damit dieses das ganze Jahr über attraktiv bleibt?
Im Moment wirkt die Strategie der Stadt wie eine Einladung zum Wein – während man den Gästen das Wasser zum Händewaschen verweigert.
HN/TR – Fotos: Raimund Rupp





