Millionen-Fehlplanung im MTK: Warum die Hofheimer jetzt die Zeche zahlen
Sie wundern sich über steigende Grundsteuern und immer neue finanzielle Belastungen? Wer wissen möchte, wohin sein sauer verdientes Steuergeld fließt, sollte jetzt weiterlesen. Es gibt dazu eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute zuerst: Ihr Geld ist nicht weg. Die schlechte: Es wurde wiedergefunden – versenkt in zwei Großprojekten des Main-Taunus-Kreises (MTK), deren Kosten regelrecht explodiert sind. Die Zeche zahlen am Ende dieselben wie immer: wir Steuerzahler. Auch und gerade wir in Hofheim.
Am Montag, 22. Juni, kommen die politisch Verantwortlichen im Main-Taunus-Kreis wieder einmal zusammen: Die Sitzung des Kreistags beginnt um 16 Uhr im Landratsamt. Auf der Tagesordnung stehen zwei Bauprojekte, die exemplarisch dafür stehen, wie die Kosten in der Kreisverwaltung völlig aus dem Ruder laufen.
Projekt 1: Der Prachtbau – Die Erweiterung des Landratsamtes
Gut 40 Jahre nach dem Umzug der Kreisverwaltung von Höchst nach Marxheim war das Landratsamt angeblich zu klein. Mehr Mitarbeiter, mehr Aufgaben. Also wurde der bisherige Verwaltungsstandort im Kastengrund für stolze 57 Millionen Euro verkauft und grünes Licht für einen Erweiterungsbau gegeben. Baustart war 2021 – Landrat Michael Cyriax erklärte beim ersten Spatenstich noch stolz, dass das Projekt „bis Ende 2023“ realisiert werden soll. Kostenpunkt damals: vermeintlich „schlanke“ 33 Millionen Euro.
Die Realität heute: Die Baustelle gibt es noch immer, die versprochene Frist ist längst verstrichen – und die Kosten stiegen dramatisch. In bestem Verwaltungsdeutsch klingt das inzwischen so: „Mit zunehmender Fertigstellung des Gebäudes und einer fortgeschriebenen Leistungsabrechnung der beauftragten Gewerke zeigt sich ein zusätzlicher Finanzbedarf…“

Übersetzt in die Praxis heißt das: Massive Planungsfehler und über 50 Nachträge haben die Kosten in astronomische Höhen getrieben. In seiner Juni-Sitzung soll der Kreistag nun mal eben weitere 1,4 Millionen Euro durchwinken.
Die prognostizierten Gesamtkosten liegen mittlerweile bei 50,5 Millionen Euro – eine satte Preissteigerung von rund 50 Prozent gegenüber der Ursprungsplanung.
Projekt 2: Fass ohne Boden – Das MTK-Hallenbad in Kriftel
Beim neuen Kreishallenbad in Kriftel zeigt sich ein identisches Bild aus massiven Verzögerungen und eklatanten Fehlkalkulationen. Das Bad, das eigentlich dringend für den Schul- und Vereinssport gebraucht wird, mutiert zum Millionengrab. Statt der ursprünglich veranschlagten 15 Millionen Euro wird inzwischen mit Gesamtkosten von mindestens 20,8 Millionen Euro gerechnet – Tendenz weiter steigend.
Verantwortung übernimmt dafür im Landratsamt kaum jemand. Stattdessen flüchten sich die Verantwortlichen in spitzfindige Formulierungen: In den Sitzungsvorlagen wird munter argumentiert, es handle sich beim Großteil der gigantischen Mehrkosten um sogenannte „Sowieso-Kosten“. Das ist feinstes Baurechts-Latein und bedeutet übersetzt: Das sind Ausgaben, die ohnehin irgendwann angefallen wären, weil man sie bei der ersten Planung schlicht „vergessen“ oder den Aufwand unterschätzt hat.
Unbeantwortet bleibt hinter dieser Argumentation die kritische Frage: Hätte der Kreistag diesem Bau überhaupt in dieser Form grünes Licht gegeben, wenn die echten, ungeschönten Zahlen von Anfang an ehrlich auf dem Tisch gelegen hätten? Oder arbeitet man hier nach dem bewährten Prinzip: Erst billig rechnen, um die Genehmigung zu bekommen, und den Rest später scheibchenweise nachfordern?
Ach ja: Der ursprüngliche Terminplan ist auch hier längst Makulatur. Die Fertigstellung war ursprünglich für 2023 versprochen. Nach mehreren Verlängerungen wurde im Oktober letzten Jahres der Termin „nach den Sommerferien 2026“ genannt. Ob das klappt?
Wie das Geld aus unserer Tasche gezogen wird
Falls Sie sich jetzt fragen, was die Millionenbauten des Kreises mit Ihrem persönlichen Geldbeutel in Hofheim zu tun haben: Der Mechanismus ist simpel, aber fatal:
Der Main-Taunus-Kreis erwirtschaftet selbst kaum eigene Steuern. Er finanziert sich in erster Linie über die sogenannte Kreisumlage – das ist eine Art Zwangsabgabe, die alle Städte und Gemeinden des Kreises von ihren eigenen Steuereinnahmen an den Kreis abdrücken müssen.
Wenn das Landratsamt wegen solcher Bau-Desaster viele Millionen verbrennt, wird die Umlage kurzerhand erhöht – darüber entscheiden die Kreistagsabgeordneten.
Für Hofheim bedeutet das konkret: Die Stadt muss künftig noch mehr Millionen an den Kreis überweisen. Geld, das dann direkt im Hofheimer Haushalt fehlt – für sanierte Straßen, sprudelnde Brunnen oder die Förderung unserer Vereine. Und um das hausgemachte Loch stopfen zu können, greift die Stadtverwaltung dann wiederum zum inzwischen allseits bekannten, schmerzhaften Mittel: Sie erhöht die lokalen Steuern. Allen voran die Grundsteuer B – die „Steuer aufs Wohnen“, die über die Nebenkosten eins zu eins auf jeden Mieter und jeden Eigenheimbesitzer umgelegt wird.
Am Ende zahlen Sie also das Krifteler Schwimmbad oder die Kreishauserweiterung über Ihre Miete oder Ihre Hausbelastung ab.
Besonders pikant: Im Kreistag sitzen weiterhin die Köpfe der alten Hofheimer Rathausführung: Ex-Bürgermeister Christian Vogt, Ex-Erster Stadtrat Wolfgang Exner (beide CDU) und Ex-Beigeordneter Bernhard Köppler (SPD).
Ausgerechnet jene Lokalpolitiker, die auf städtischer Ebene das Hofheimer Finanzdebakel mitsamt historischen Rekorden bei den Grundsteuererhöhungen zu verantworten haben, dürfen nun auf Kreisebene munter die nächsten Millionen-Nachträge durchwinken. Warum sie dort sitzen und die Interessen der leidgeprüften Hofheimer Steuerzahler nicht vehementer verteidigen? Nun, die Bürger haben sie bei der letzten Kommunalwahl dorthin gewählt…



