Radschnellweg trotz Pleite – Hofheims Millionenträume rollen weiter
Hofheim träumt seit Jahren von großen Projekten: Radwege, Brücken, Museen, Bahnhöfe – alles sollte die Stadt attraktiver machen. Doch zwischen Vision und Realität klafft eine wachsende Lücke. Konfuse Planung und politische Streitigkeiten haben viele Vorhaben zu Papierprojekten gemacht. Geld ist inzwischen keins mehr vorhanden – doch offenbar ist das noch nicht bei allen angekommen. Man hält weiter am millionenteuren Radschnellweg zwischen Wiesbaden und Frankfurt fest, irgendwie, ein bisschen wenigstens. Ein Traum, den man lieber weiterträumt, als ihn zu stoppen.
„Wir haben keine Geldprobleme, sondern nur ein Umsetzungsproblem.“ Diesen Spruch hatte Ex-Bürgermeister Vogt einst wie eine Monstranz vor sich hergetragen. Er gaukelte der Stadt vor, sie könne sich eigentlich alles leisten.
Inzwischen sind viele der großen Pläne, die vor wenigen Monaten noch mit glänzenden Augen präsentiert wurden, geschrumpft. Auf Papiertaschentuchgröße. Zerknüllt.
Die 20-Millionen-Euro-Brücke für Radler und Fußgänger? Verschoben – bis auf Weiteres nur Vision.
Der Bahnhof für die Wallauer Spange? Gestoppt. Der Bund hat die Geldtöpfe zugemacht. Vielleicht ein Glück: Die Betonklotz-Architektur bleibt der Wallauer Wallachei erspart.
Das Taubenhaus in der Kernstadt? Ein Museum am Meisterturm? Eine Musikschule gegenüber vom Rathaus? Neue Radwege und schlaglochfreie Straßen? Alles Versprechen von gestern. Willkommen im Hier und Jetzt: Selbst der Windelzuschuss für Neugeborene, den der CDU-Bürgermeister einst großzügig bewilligte, wurde jetzt vom Haupt- und Finanzausschuss gestrichen. Ein Federstrich – und weg. Papierkorb, vergessen.
Ein Projekt hält sich aber noch hartnäckig: der Radschnellweg von Wiesbaden nach Frankfurt. Neben den beiden Metropolen unterstützen auch Hattersheim, Kriftel, Flörsheim und Hofheim das Vorhaben. Ein Kooperationsvertrag zwischen den Kommunen und dem Regionalverband FrankfurtRheinMain für die Machbarkeitsstudie und weitere Planungen wurde unterzeichnet – Politikertermin, strahlende Gesichter.
Das Projekt in der Wunschausführung: knapp 40 Kilometer lang, vier bis fünf Meter breit, durchgehend beleuchtet.
Auf dem Papier klingt es verlockend: Mehr als 2.000 Radfahrer pro Tag würden den Weg nutzen. Zeitersparnis für Pendler, gesundheitliche Effekte durch Bewegung, weniger CO₂ und Lärm – alles zusammengerechnet sollte sich die Investition rechnen.
Doch die Realität holt schnell ein: Eine Machbarkeitsstudie bezifferte die Kosten auf einen dreistelligen Millionenbetrag, Hofheim hätte davon rund 30 Millionen zu tragen. Das ist ein Batzen! Hofheim hat bekanntlich kein Geld mehr, doch dieses „Räppelchen“ will die Stadt partout nicht loslassen.
Die Verwaltung schlug jetzt vor: Planung weiterlaufen lassen, aber ohne Finanzierungszusage – alles andere „wäre der Tod der Veranstaltung“, so Erster Beigeordneter Daniel Philipp.
Kritik kam von allen Seiten. FWG-Mann André Seuberth ärgert sich: „Das ist doch nur Rumgeeiere – wir haben keinen Haushalt, trotzdem das Ding weiterlaufen zu lassen, passt doch gar nicht.“
CDU-Mann Jürgen Pauly: Da komme ein zweistelliger Millionenbetrag auf Hofheim zu, später eine halbe Million im Jahr für Unterhaltung. „Das ist den Bürgern nicht mehr vermittelbar: Sie machen sich Gedanken über die Grundsteuer, und wir verplanen munter Millionen für 2.000 Radler.“
FDP-Mann Ralf Weber erklärte das ganze Projekt kurzerhand zur „Fehlplanung“. Die Linke Barbara Grassel nannte es „utopisch“ und schlug vor, es aufzugeben. SPD-Mann Rolf Engelhard befand, man könne die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie schlecht gutheißen, wie die Verwaltung vorgeschlagen hatte.
Am Ende wollte trotzdem keiner das Projekt fallenlassen. Nächste Woche muss sich das Stadtparlament dazu äußern. Der Ausschuss machte diesen Vorschlag: Thema vertagen – bis nach der Kommunalwahl.
Mal sehen, wer dann das letzte Wort hat.
HN/TR

