Hof Ehry & Co.: Das sind die Pläne für Hofheims marode Gebäude
Langsam zeigt sich, was mit den städtischen Immobilien in Hofheim geschehen soll – und es ist kein schöner Anblick. Aus den Vorschlagslisten der Stadtverordneten lässt sich ablesen, welche Zukunft die Parteien für die – größtenteils völlig verfallenen – städtischen Gebäude sehen. Eines wird dabei besonders deutlich: Hof Ehry scheint unrettbar. Der denkmalgeschützte Komplex mitten in der Kernstadt ist marode, die Sanierung finanziell kaum zu stemmen. Die Stadtpolitiker werden sich den harten und schmerzhaften Entscheidungen nicht länger entziehen können.
Vorweg: Ein klarer Schnitt fällt den Parteien schwer. Das ist einerseits verständlich, denn einige Gebäude sind nicht nur Kapital, sondern prägen auch das Gesicht der Stadt und sind mit Erinnerungen, Tradition und gemeinschaftlicher Geschichte verbunden. Viele Hofheimerinnen und Hofheimer verknüpfen persönliche Erlebnisse mit diesen Orten – vom Hof Ehry über das Alte Rathaus bis zum Meisterturm. Andererseits hat die Lokalpolitik über Jahre zugesehen, wie selbst diese zentralen Gebäude immer weiter verfielen – ohne klare Pläne, ohne nennenswerte Investitionen. Jetzt ist die Kasse leer – und die Zeit drängt.
Die umfangreichste Liste haben die Liberalen vorgelegt. Seit sie sich aus den Zwängen der Koalition mit der CDU befreit haben, wirken sie politisch wiedererwacht – mit Lust auf klare Entscheidungen. Ralf Weber, FDP-Stadtverordneter und Makler in der Kernstadt, hat zuletzt zahlreiche Gebäude persönlich in Augenschein genommen. So enthält die FDP-Liste auffallend konkrete Vorschläge, während andere Fraktionen sich lediglich punktuell zu einzelnen Immobilien äußern.
Hof Ehry
Eines der schwierigsten Objekte bleibt Hof Ehry. Kaum eine Immobilie steht so sehr für das Dilemma der Stadt: Seit Jahren fließen hier Zigtausende Euro in neue Ideen, Wettbewerbe und Konzepte – doch vor Ort ist vor allem eines sichtbar: weiterer Verfall. 2024 wurde noch ein „Letter of Intent“ unterzeichnet, eine Absichtserklärung mit einem Gastronomen – die Zeitung berichtete groß: „Hof Ehry soll bis 2026 saniert sein“. Substanziell verändert hat das nichts. Lediglich die Außentoilette wurde erneuert. Und dann abgeschlossen: Für öffentliche WC-Anlagen ist offenbar kein Geld da.
Die Sanierungskosten wurden schon vor Jahren auf rund zwei Millionen Euro geschätzt. Ein tragfähiges, für Investoren wirtschaftlich überzeugendes Konzept ist bis heute nicht erkennbar.
Was also tun mit einem Gebäude-Ensemble in allerbester Innenstadtlage, das seit Jahren verfällt – und das die Stadt eigentlich nicht halten kann, finanziell schon gar nicht?
Die FDP plädiert für einen klaren Schnitt. Sie schlägt vor, ein Verkaufskonzept zu erarbeiten, das eine altstadtgerechte Nutzung im Sinne des Denkmalschutzes verbindlich festschreibt. Der mögliche Erlös wird auf 1,0 bis 1,3 Millionen Euro geschätzt.
Auch die CDU spricht sich für einen Verkauf aus – verbunden mit der Forderung, sämtliche weiteren Investitionen sofort zu stoppen. BfH und Grüne wollen sich ebenfalls von der Immobilie trennen, unter klar definierten Auflagen.
Die SPD bleibt zurückhaltender. Sie möchte die Gespräche mit dem Gastronomen fortsetzen und punktuelle Investitionen prüfen. Das wirkt wie ein Weiter-so-wie-bisher – ohne erkennbaren Zeitplan, ohne klare Zielmarke. Und inzwischen auch: ohne Geld.
Nur die Linke lehnt einen Verkauf kategorisch ab. Das Gebäude soll in städtischer Hand bleiben und als Kulturzentrum genutzt werden. Wie dieses Vorhaben finanziert werden könnte, bleibt allerdings offen.
Bärengasse & Weinlokal Türmchen
Über die Bärengasse und das Weinlokal Türmchen wird nicht gestritten. Weber schlägt vor, das Häuschen in der Bärengasse langfristig an die Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt zu verpachten – die es bereits zu einem echten Schmuckstück gemacht hat.
Für das Türmchen sollte die Stadt einen fünfjährigen Sanierungsplan entwickeln. Das Gebäude ist zwar gut verpachtet, doch Handlungsbedarf besteht, denn es droht der Stadt eine größere Kostenwelle.
Elisabethenstraße & Pfälzer Hof
Elisabethenstraße 3: Eigentlich wollen alle, dass das Grundstück mit der alten Stadtbücherei in städtischer Hand bleibt. Vor einigen Jahren sollte es für einen Hotelneubau an einen Investor verkauft werden, später war ein Neubau für die Musikschule mit zahlreichen Büros geplant – passiert ist nichts. Weber warnt: Ohne Verkauf und ohne fertiges Konzept wird sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren kaum etwas ändern.

Die SPD kann sich nicht entscheiden und setzt zunächst auf eine Zwischenvermietung. Ähnlich sieht es der Vorschlag der FWG vor: Sie möchte die Musikschule aus dem Pfälzer Hof auslagern und in der alten Stadtbücherei unterbringen.
Die Zukunft des Pfälzer Hof scheint damit vorgezeichnet: Das Gebäude benötigt eine umfassende Sanierung – ein Aufwand, den die Stadt finanziell derzeit nicht stemmen kann.
Der logische Schritt: Verkauf. Weber sieht dort einen Neubau, fünf- bis sechsgeschossig, genutzt als Ärztehaus oder Bürogebäude. Den Verkaufserlös für die Stad schätzt er auf 1 bis 1,5 Millionen Euro.
Güterschuppen & Jazzkeller
Den denkmalgeschützten Güterschuppen – von der Taunus-Brauerei notdürftig hergerichtet – und den darunterliegenden Jazzkeller – nach einem Wasserschaden derzeit unbenutzbar – wollen alle Parteien erhalten. Weber empfiehlt, ein externes Architekturbüro mit der Erstellung eines ganzheitlichen Sanierungskonzepts inklusive verlässlicher Kostenschätzungen zu beauftragen.
Die FWG träumt davon, die notwendigen Umbauten über Freiwillige und Spenden zu finanzieren. Die Linken erklären den Komplex schlicht für unverzichtbar – ein Finanzplan existiert nicht. Ohne klare Zahlen droht hier die nächste finanzielle Dauerbaustelle für die Stadt.
Meisterturm & Michelsberger Haus
Viele Jahre war es das Lieblingsausflugsziel der Hofheimer: das Waldrestaurant Meisterturm auf dem Kapellenberg. Die Verantwortlichen im Rathaus ließen das Gebäude verfallen, verlängerten den Vertrag mit der Pächterfamilie nicht – heute steht dort nur noch eine Ruine.
Die Stadtspitze schwelgte nimmermüde in Visionen: ein neues Restaurant, ein Haus der Michelsberger Kultur, ein Haus des Waldes, ein neuer Spielplatz. Passiert ist: nichts. Und jetzt? Kein Plan. Kein Konzept. Vor allem: kein Geld.
Weber bringt Erbpachtvereinbarungen mit einem Gaststättenbetreiber ins Spiel. Die SPD zögert: Die Stadt müsste rund 100.000 Euro investieren – für den Abriss der Ruine und eine Zwischenlösung. Das erinnert an den bisherigen SPD-Beigeordneten, der stets weder „hü“ noch „hott“ sagen wollte und dadurch Stillstand verursachte. Wirklich wegweisend klingt das nicht.
Das sogenannte „Michelsberger Haus“, eine Art Waldmuseum auf dem Kapellenberg und ursprünglich eine Spontanidee des früheren Bürgermeisters, soll laut CDU, SPD und BfH ad acta gelegt werden. Die Grünen sprechen sich für einen Verkauf aus. Die Linken wollen auf das „Michelsberger Haus“ verzichten, pochen jedoch auf weitere Vorbereitungen für den Neubau einer Gaststätte – allerdings ohne vorliegenden Finanzplan.
Altes Rathaus Hofheim & Diedenbergen
Auch im Alten Rathaus in Hofheim muss dringend was getan werden – das leerstehende Gebäude verfällt zusehens. Und auch im Alten Rathaus Diedenbergen müsste die Stadt investieren. Weber empfiehlt, für beide Gebäude ein externes Architekturbüro zu beauftragen, das ein umfassendes Sanierungskonzept mit verlässlichen Kostenschätzungen erstellt – sonst drohen weitere ungeplante Kosten und jahrelanger Stillstand.
Weitere Objekte
Kleinere städtische Gebäude wie Teile des Recepturhofs in Wallau oder das ehemalige Mester-Areal in Wildsachsen könnten laut FDP, BfH und Grünen verkauft werden. Auch das ehemalige Friedhofswärterhaus in der Vincenzstraße, das Obdachlosenhaus in der Neugasse sowie mehrere unbebaute Grundstücke stehen auf der FDP-Verkaufsliste – für Weber ist die Linie klar: Alles muss raus.
Die CDU will sich vom Gebäude Pfarrgasse 16 – direkt neben dem Stadtmuseum – trennen,
Bei Immobilien, die von Sportvereinen genutzt werden – etwa in der Zeilsheimer Straße, Wildsachsener Straße, Bornstraße, Weinbergstraße oder den Junghainzehecken – schlägt er vor, die Gebäude den Vereinen zu überlassen, um laufende Kosten für die Stadt zu sparen. Das gilt auch für das Gebäude an der Elisabethenstraße 3b, das von der Karnevalsgesellschaft 1900 genutzt wird.
Wenn die Stadt nicht handelt, zahlen die Bürger
In vier Wochen sind Wahlen – da kann man verstehen, dass der eine oder andere Parteienvertreter zögert: Könnten Verkaufsabsichten Wähler verschrecken?
Doch ein weiteres Zaudern, das die Hofheimer Stadtpolitik über Jahre geprägt hat, ist nicht mehr drin. Die Alternativen sind klar: Entweder werden die Gebäude verkauft und bringen Erlöse – oder sie verfallen weiter. Geld für die Sanierung ist nicht da – jetzt nicht und auch in den nächsten Jahren nicht.
Entscheiden muss das Stadtparlament Anfang März. Eines ist ebenso klar: Wenn sich die Stadtverordneten – nach all den Jahren des Wegschauens – nicht endlich zu Verkäufen durchringen, werden die Bürger dafür bezahlen müssen. Dann wird eben die Grundsteuer weiter erhöht.
Hofheim wird dadurch nicht schöner, im Gegenteil. Aber teurer wird es ganz bestimmt.
Klare Entscheidungen stehen dringend an – es bleibt spannend zu sehen, welche Pläne tatsächlich umgesetzt werden.
HN/TR


