Zwischen Borstenvieh und Bürokratie: Viel Frust auf Hofheims Friedhöfen

Zwischen Borstenvieh und Bürokratie: Viel Frust auf Hofheims Friedhöfen

Die Stadt Hofheim nimmt es bekanntlich gern von den Lebenden. Doch inzwischen wird selbst den Toten keine Ruhe hienieden mehr gegönnt. Auf einem der hiesigen Friedhöfe zu liegen, mutet dieser Tage fast wie eine Strafe an. Ganz besonders hart trifft es diejenigen, die ihre letzte Zuflucht am Rande unserer Kernstadt suchen.

Blicken wir zuerst nach Lorsbach. Der dortige Friedhof verkommt seit Monaten zum erweiterten Wohnzimmer der heimischen Wildschwein-Population. Durch großzügige Lücken im Zaun spaziert das Borstenvieh seelenruhig herein und durchfurcht den Boden auf der Suche nach Essbarem.

Dass sich dabei liebevoll gepflegte Gräber zu Matsch verwandeln, kümmert die Tiere naturgemäß wenig. Die betroffenen Hinterbliebenen dafür umso mehr.

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Die Spur der Wildschweine – als hätte ein Trecker den Friedhof umgepflügt.
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Auch vor einzelnen Grabstätten machen die Borstenviecher nicht halt.

Das Thema kam jüngst im Ortsbeirat zur Sprache. Jagdpächter Uwe Wagner, ein Mann der Praxis, brachte das Problem laut Lokalblatt präzise auf den Punkt: Er habe sich vor Ort umgesehen. Das Eingangstor schließe wegen einer defekten Falle nicht richtig und stehe gut acht Zentimeter offen – für die cleveren Schwarzkittel ein Klacks. Zudem müsste der Zaun mindestens 20 bis 25 Zentimeter tief in die Erde eingegraben werden. „Die Schweine heben ihn sonst einfach an und laufen darunter durch“, so der Experte.

Im fernen Rathaus am Chinonplatz scheinen diese so simplen wie logischen Ratschläge allerdings im dichten Dickicht der Zuständigkeiten steckengeblieben zu sein. Man verwaltet lieber, als dass man repariert.

Ein paar Kilometer weiter, in Wildsachsen, sind es die Tücken der städtischen Bürokratie, die für massiven Frust sorgen. Der dortige Friedhof bietet das traurige Bild einer verlassenen Großbaustelle – und das seit fast einem Dreivierteljahr. Die Wege sind aufgerissen, Absperrgitter blockieren Gräber, und der Gang zur Trauerhalle gleicht einem Abenteuerparcours, der für Rollatoren und Kinderwagen schlicht unzumutbar ist.

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Seit Monaten eine Baustelle – und nichts passiert: Der Weg zur Wildsachsener Trauerhalle.
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Ein mannshohes Gitter versperrt Hinterbliebenen den Weg zu den Gräbern.

Dabei war der Plan der Verwaltung eigentlich löblich: Das alte Betonpflaster sollte erneuert werden, um – so tönte es offiziell – „Stolpergefahren zu vermeiden“. Dass man sich für den Baubeginn ausgerechnet den feuchtkalten Oktober aussuchte, um dann mitten im Winter die Wege aufzureißen – nun ja… Im März dieses Jahres sollte jedenfalls alles fertig sein. Doch statt eines feierlichen Abschlusses herrscht plötzlich nur noch bleierne Stille auf der Baustelle.

Auf Nachfrage kam nun die Wahrheit ans Licht: „Leider ist der nach einer öffentlichen Ausschreibung beauftragte Dienstleister nicht in der Lage gewesen, den Auftrag gemäß Ausschreibungskriterien zu erfüllen“, teilt das Rathaus mit. Die Stadt habe deshalb den Vertrag gekündigt, nun laufe eine neue Ausschreibung für die Restarbeiten. Und das dauert im bürokratischen Mühlrad bekanntlich.

Immerhin: Aufgeschreckt durch die journalistische Nachfrage verspricht das Rathaus nun eine „kurzfristige“ Zwischenlösung, um die Gräber zumindest wieder erreichbar zu machen. Ganz so schnell geht das im Amt aber natürlich auch wieder nicht: Jetzt soll erst einmal eine Lösung erarbeitet werden, wie diese provisorische Begehbarkeit überhaupt verkehrssicher möglich gemacht werden kann.

Bis dahin bleibt den Trauernden in Wildsachsen und Lorsbach wohl nur eines: Geduld. Und das bittere Gefühl, dass andere Themen im Rathaus offenbar wichtiger sind als die Würde der Friedhöfe.

TR

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