Klamme Kasse, große Party: Hofheims HWB feiert 100 Jahre
Man nehme eine klamme Stadtkasse, mische ein paar Fragen zu Mieten und Millionenüberschüssen einer städtischen Tochtergesellschaft darunter und kröne das Ganze mit dem überraschenden Abgang des geachteten Geschäftsführers – fertig ist das Hofheimer Polit-Spektakel. Mit diesen drei Themen hat die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft (HWB) in den letzten Wochen für reichlich Gesprächsstoff gesorgt – um kurz darauf ein rauschendes Fest zum 100-jährigen Jubiläum zu feiern. Nach den Feierlichkeiten hat die Stadtverwaltung nun eine Pressemitteilung herausgegeben, die wir an dieser Stelle im Wortlaut veröffentlichen.
Vorab zur Einordnung – kurz zu den Themen, mit denen das kommunale Unternehmen für breite Diskussionen sorgte:
Kürzlich wurde bekannt, dass in den frei finanzierten HWB-Wohnungen der durchschnittliche Quadratmeterpreis bei 7,40 Euro herumdümpelt (auf dem freien Markt: rund 13 bis 14 Euro). Als die AfD letzte Woche im Stadtparlament nachfragte, ob man angesichts einer leergeputzten Stadtkasse nicht mal über eine Mietanpassung nachdenken könne, stand die politische Brandmauer felsenfest. Ob es hierbei wirklich um die Sache ging oder schlicht um das Dogma, keinen AfD-Antrag zu akzeptieren – selbst dann nicht, wenn er der Stadtgesellschaft nützen könnte –, war in der aufgesetzten Empörung nicht klar auszumachen.
Zuvor hatte dieselbe Fraktion bereits vorgefühlt, ob man nicht etwas von den HWB-Gewinnen abzweigen könne, um das Haushaltsloch der Stadt zu stopfen. Ein ähnlicher Vorstoß war bereits vor einigen Monaten von der CDU gekommen. Die Antwort des Magistrats: ein eisiges Nein – eine Ausschüttung würde „die finanziellen Handlungsspielräume der HWB weiter reduzieren“. Diese Aussage kritisch zu hinterfragen hat sich bisher niemand bemüßigt gefühlt – obwohl selbst HWB-Chef Norman Diehl ganz offen eingeräumt hat, dass eine Gewinnbeteiligung durchaus denkbar wäre.
Schließlich der Paukenschlag: Diehl geht. Er war das Gesicht, das Herz und das gefühlte Fundament der Wohnungsbaugesellschaft – umso überraschender hat er nun seinen Abschied eingereicht.
Und exakt in dieser Situation, zwischen klammen Kassen, Parteiengeplänkel und Chef-Abgang, schmiss die HWB in der Stadthalle eine Party. Hunderte Gäste, volle Gläser, beste Laune. Die Stadtverwaltung hat dazu einen Bericht herausgegeben, der die eigene Erfolgsgeschichte mit amtlicher Euphorie begleitet. Wir drucken den Bericht aus der Rathaus-Pressestelle im Folgenden im Wortlaut ab:
Der offizielle Partybericht der Stadtverwaltung im Wortlaut
42 Mark Miete, also eine Mark pro Quadratmeter, haben die ersten Mieterinnen und Mieter der Hofheimer Wohnungsbau GmbH (HWB) für ihre Wohnung gezahlt. Das klingt wenig, aber damals gab es dafür kein Badezimmer, und die Toilette befand sich auf der Etage, wo man sie sich mit anderen Mietern teilen musste. Und: Die Löhne und Preise waren ebenfalls ganz andere als heute. Zum Vergleich: Eine Eintrittskarte für ein Eintracht-Spiel kostete Ende der 1920er Jahre 1.50 Reichsmark für einen Tribünenplatz. In diesen Zeiten begann am 5. Mai 1926 die Geschichte der HWB mit 20 Wohnungen in der Neugasse. Heute sind es 1.684. Tendenz steigend.
Ihren 100. Geburtstag hat die HWB nun mit Wegbegleitern, Partnern, Mitarbeitern, der Mietervertretung und langjährigen Dienstleistern in der Hofheimer Stadthalle gefeiert. Das Fest organisierte die HWB dabei in Eigenregie, auch die Moderatoren waren HWB-Mitarbeitende. „Wenn es etwas gibt, das die Gründer der HWB ausgezeichnet hat, dann war es Weitsicht. Diese Eigenschaft zieht sich durch die Geschichte der HWB. Kein kurzfristiges Denken, sondern langfristige Planung. Und dieses langfristige Denken hatte vor allem immer ein Ziel: bezahlbares Wohnen“, hielt Bürgermeister und HWB-Aufsichtsratsvorsitzender Wilhelm Schultze in seiner Rede fest.
Dabei hat die HWB ein breites Portfolio – von günstigen, geförderten Wohnungen fürs kleine Geld und Wohnungen, die den freien Markt bedienen. Ihr Angebot wirkt auf den Markt dabei mietpreisdämpfend, auch über den HWB-Bestand hinaus. Und die Menschen wohnen gerne bei der HWB – regional mit viel Lebensqualität. In Zahlen: öffentlich gefördert sind derzeit im HWB-Bestand 39 Prozent der Wohnungen und 61 Prozent sind frei finanziert.
„War es in unseren Anfängen die wesentliche Aufgabe überhaupt bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, so startete zu Beginn des neuen Jahrtausends die Transformation der HWB. Wir waren nicht mehr nur Wohnungsverwalter, sondern sind ein Problemlöser für die Stadtgesellschaft geworden“, führte Norman Diehl, Vorsitzender der HWB-Geschäftsführung, zur Entwicklung des Unternehmens aus.
Konkret hat sich die HWB kontinuierlich zu einer Stadtentwicklungsgesellschaft weiterentwickelt, die im Auftrag des Magistrats der Kreisstadt Hofheim am Taunus die Stadt- und Quartiersentwicklung mit voranbringt und zu diesem Zweck auch Bürgerbeteiligungsprozesse durchführt. „Sei es bei der wohnungsnahen Grundversorgung oder der Entwicklung von Quartiertreffs. Zahlreiche Projekte stehen hierfür beispielhaft: Angefangen beim Bau der Supermärkte und des Bürgerhauses in Marxheim, über den Bau der Neuen Stadtbücherei bis hin zur Entwicklung der Neuen Dorfmitte in Lorsbach“, erläuterte Diehl. Und es gehe weiter: Mit 84 Wohnungen plus KiTa in Hofheim Nord und über 80 Wohnungen auf den Polar-Mohr-Areal an der Hattersheimer Straße.
Die Arbeit der HWB mit ihren knapp 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist dabei kein Selbstzweck. Als Dienstleister für die Stadtgesellschaft möchte die HWB dafür sorgen, dass die Menschen vor Ort bezahlbar wohnen, einkaufen und ihre Kinder in den Kindergarten bringen können. Das gelingt nur gemeinsam mit starken Partnern und Projekten, die auf diese Ziele einzahlen und das Leben für die Menschen in Hofheim lebenswerter machen.
„An allererster Stelle stehen hier die Menschen, die bei uns leben. Unsere Vorsitzende des Mieterbeirats feiern heute mit uns und wir konnten mit unseren Mieterinnen und Mietern bereits beim WIN-Fest wunderbar unser 100-jähriges Jubiläum feiern“, berichtete Diehl. Mit der Quartiersarbeit vor Ort fülle die HWB diesen Anspruch jeden Tag aufs Neue mit Leben. „Das ist ein wesentlicher Teil der DNA der HWB.“ Dazu gehöre das Soziale Management, die Familie Marxheim und die Familie Nord. „Ihre Arbeit ist lohnenswert. Auch wirtschaftlich. Ich werde nicht müde, das zu betonen.“ Ein weiteres Beispiel sei das HWB-Fußballcamp mit der Fußballschule der Frankfurter Eintracht. „Dort ermöglichen wir Kindern einen Zugang, die ihn sonst nicht hätten.“
Ein besonderer Dank ging an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HWB. „Sie sind die Gesichter der HWB – als Hausmeister, Handwerker oder am Empfang. Sie sorgen mit ihrer Expertise für zufriedene Kundinnen und Kunden sowie für die Weiterentwicklung des Unternehmens“, lobte Diehl. Die HWB lege auch weiterhin viel Wert auf Aus- und Fortbildung und bilde kontinuierlich junge Menschen im Bereich Wohnungswirtschaft aus. „Dabei gilt: Die HWB ist für die Menschen da. Die HWB gibt Heimat. Die HWB ist Heimat. Die letzten 100 Jahre. Und die nächsten 100 Jahre.“
Quelle: Stadtverwaltung / HN


