HWB legt Geschäftsbericht vor: Bauen, sanieren, bezahlbar bleiben
Die Hofheimer Wohnungsbau GmbH (HWB) feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Die hundertprozentige Tochter der Stadt sorgt für bezahlbares Wohnen und treibt Stadtentwicklungsprojekte voran. Auch die Pflege und Modernisierung des Bestandes, Neubauten sowie soziales Management prägten die Arbeit im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025. Jetzt stellte die HWB-Geschäftsführung gemeinsam mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden, Bürgermeister Wilhelm Schultze, den neuen Geschäftsbericht des Unternehmens vor. Die darin verkündeten satten Gewinne wecken allerdings inzwischen auch Begehrlichkeiten.
In einer Pressemitteilung, die das Rathaus herausgegeben hat, heißt es: Die HWB ist wirtschaftlich trotz unsicherer Förderlandschaften, Baukostensteigerungen und komplexen Verfahrensprozessen weiter auf einem guten Weg. Sie packt auf verantwortungsvolle Weise an – im Bestand und bei neuen Projekten. Im Jahr 2025 erwirtschaftete die HWB einen Jahresüberschuss von 326.000 Euro, die Eigenkapitalquote liegt bei 28,7 Prozent. Der Überschuss verbleibt in der Gesellschaft und wird investiert. In den Bestand flossen 2025 gut vier Millionen Euro.
„Wir können uns glücklich schätzen, mit der HWB eine starke Partnerin als Tochterunternehmen zu haben. Das galt schon in der Vergangenheit, aber mit Blick auf die finanzielle Situation der Stadt Hofheim, gilt dies in diesen schweren Zeiten besonders“, sagte Wilhelm Schultze, der als Bürgermeister kraft Amtes auch Vorsitzender des HWB-Aufsichtsrats ist. Die HWB löse Probleme in der Stadtentwicklung, wirke mit ihrem Bestand dämpfend auf die Mietpreise in Hofheim, schrecke auch vor großen Herausforderungen nicht zurück und sei nicht nur mit ihrem Sozialen Management für die Menschen da. Schultze: „Diese Verlässlichkeit und Sicherheit ist ein starker Kitt, der unsere Stadtgesellschaft zusammenhält.“
Der Bürgermeister zieht eine optimistische Bilanz: Trotz weiterhin schwierigster Bedingungen – von den Auswirkungen des Ukraine- und Iran-Krieges, der schwierigen Haushaltslage der Stadt Hofheim, gestiegenen Energie- und Baukosten bis hin zu weggefallenen Fördermitteln –, konnten Projekte wie das Wohnbauprojekt „Neue Dorfmitte“ mit KiTa erfolgreich fertiggestellt und vermietet werden. Auch beim Neubau des Übergangswohnens in der Rheingaustraße mit 29 Wohneinheiten stehen die Zeichen gut für einen baldigen Start des Bauprojekts.
Wohnungen im Bau – von der Hattersheimer bis zur Homburger Straße
Der Vorsitzende der HWB-Geschäftsführung Norman Diehl sagt: „Die HWB versteht sich als Dienstleister für die Stadtgesellschaft – angefangen beim Bau von bezahlbaren Wohnungen, über die Sicherung der wohnungsnahen Grundversorgung bis hin zur Quartiersarbeit in unseren Wohnungsbeständen.“ Das alles zeige sich an zahlreichen Beispielen:
Zu Beginn 2025 wurde der Bauantrag für das so genannte Baufeld 6 im City-Quartier Hofheim der Projektgesellschaft Horn in der Hattersheimer Straße gestellt. Die hier geplanten 87 geförderten Wohnungen sollen schlüsselfertig in den Bestand der HWB übergehen. Diehl: „Wir rechnen mit einem Baubeginn im nächsten Jahr.“
In Zusammenarbeit mit der Instone Real Estate Group SE entwickelten sich zugleich die Pläne an der Homburger Straße 18 (früher: Polar Mohr Werk 2) für 20 geförderte Wohnungen und eine KiTa fort. „Der Bau ist im Jahr 2026 gestartet.“
Die erfolgreiche soziale Arbeit im Quartier der Familien Nord und Marxheim sei durch die partnerschaftliche Kooperation zwischen der HWB und des Caritasverbands Taunus für drei weitere Jahre gesichert. „Der geschlossene Kooperationsvertrag ist die Basis für diese wichtige Arbeit für die Stadtgesellschaft, die seit 2012 besteht.“
Für die Bürofläche im Jean Hammel Haus habe man mit Baowerk ein international tätiges Architektur- & Innenarchitekturbüro als neuen Mieter gewinnen können. „Das sind einige Paradebeispiele für die HWB als ‚Stadtmacherin‘“, erklärt Diehl. „Als Unternehmen bzw. Arbeitgeber bewegen uns natürlich auch Themen wie Arbeitsprozess-Optimierungen, die fortschreitende Digitalisierung, Klimawandel und Nachhaltigkeit sowie der demografische Wandel.“ So investiere man in die Einführung einer neuen Software für die Immobilienwirtschaft im Unternehmen sowie weiterhin in die Personalentwicklung und in gute Arbeitsplätze. „Wir bieten jungen Menschen eine fundierte Ausbildung im Bereich Wohnungswirtschaft“, ergänzte Andrea Barz von der Geschäftsleitung.
HWB-Mietpreise unter dem Marktschnitt, Nachfrage bleibt hoch
Das Kerngeschäft des Unternehmens bleibt die Schaffung und der Erhalt bezahlbaren Wohnraums, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Öffentlich gefördert sind 39 Prozent der Wohnungen, 61 Prozent sind frei finanziert. Wie im bundesweiten Durchschnitt sinkt der Anteil an gefördertem Wohnraum auch bei der HWB. „Wir wollen zusätzlichen geförderten Wohnungen schaffen und gleichzeitig dafür sorgen, dass auch frei finanzierte Wohnungen bezahlbar bleiben“, erläuterte Diehl. Das Angebot richte sich ausdrücklich nicht nur an Menschen mit geringem Einkommen, sondern ebenso an den Mittelstand. Das zeige auch der erfolgreiche Neubezug in diesem Sommer im dreiteiligen Neubau „Wohnen im Lorsbachtal“ in der Hofheimer Straße am Ortseingang von Lorsbach.
Das Engagement zeigt sich in den durchschnittlichen Mietpreisen: Der Quadratmeterpreis liegt in Hofheim bei fast 15 Euro über alle Wohnungstypen hinweg (Quelle: Immobilienscout24). Das städtische Wohnungsbauunternehmen aber ruft im Durchschnitt über alle Wohnungstypen hinweg, inklusive geförderter Wohnungen, gerade mal 7,04 Euro pro Quadratmeter auf.
Bei den frei finanzierten liegt die Miete bei durchschnittlich 7,83 Euro. Der Druck durch die Nachfrage nach Wohnraum bleibt hoch: rund 2.000 Menschen suchen eine Wohnung bei der HWB. Das sind 835 Haushalte, von denen 59 Prozent im öffentlich geförderten Bereich suchen und 41 Prozent bei freifinanzierten Wohnungen.

Das „QuartierHochVier“ mit 64 Wohneinheiten in Hofheim-Nord als eines der bisher größten Neubauprojekte entwickelte sich im vergangenen Jahr intensiv weiter: Das Baufeld wurde frei gemacht – das Projekt ist nun mit der Grundsteinlegung Ende April 2026 in die Bauphase gestartet. „Inzwischen sieht man bereits die vier Gebäudeteile aus dem Boden wachsen“, berichtete Geschäftsführer Josef Mayr, der die bauliche Umsetzung verantwortet.
Ein weiteres großes Themenfeld bleibt die energetische Sanierung. In der Sportplatzstraße 7 wurden zu Jahresbeginn die Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen. Für die Sanierung im Königsberger Weg 44 in Marxheim mit 40 Wohneinheiten wurden inzwischen die noch im Vorjahr ausgebliebenen Fördergelder bewilligt. „Ende Juni konnten wir mit der konkreten Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen beginnen“, so Mayr. Dort werden etwa 7 Millionen Euro investiert. Im Sommer 2027 sollen die Sanierungsmaßnahmen in dem achtgeschossigen Gebäude abgeschlossen sein.
Für die kommenden Jahre kündigen sich weitere Großprojekte bei Neubau und Quartierentwicklung vor allem in den Stadtteilen an. In Marxheim sollen im Zuge der Quartiersentwicklung in Berliner Straße und Chattenstraße Gebäude aufgestockt werden.
Unser Bild oben zeigt (v.l.) den Vorsitzenden der HWB-Geschäftsführung, Norman Diehl, Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzenden Wilhelm Schultze, das Mitglied der Geschäftsleitung Andrea Barz sowie Geschäftsführer Josef Mayr.
Quelle: Stadtverwaltung


Angesichts der klammen Hofheimer Stadtkasse und des offenbar vorhandenen wirtschaftlichen Potenzials der 100-prozentigen städtischen Tochter HWB sollte eine angemessene Ausschüttung kein Tabuthema mehr sein. Zumindest sollte ernsthaft geprüft werden, welcher Beitrag zur Entlastung der Stadtkasse möglich ist, ohne die Investitionsfähigkeit und den sozialen Auftrag der HWB zu gefährden.