Hofheims Luxus-Vögelchen: Wie viel „Colibri“ kann sich die Stadt noch leisten?
Ein Wort vorweg: Die Hiobsbotschaften aus dem Hofheimer Rathaus reißen nicht ab – und sie treffen inzwischen wirklich jeden Bürger direkt im eigenen Geldbeutel. Die Begründung der Stadtpolitik für immer neue Steuer- und Gebührenerhöhungen klingt reflexhaft wie alternativlos: Die Stadtkasse sei leer, der Schuldenberg erdrückend. In einer solchen Notlage, sollte der gesunde Menschenverstand meinen, herrsche im Magistrat eiserne Spardisziplin. Doch weit gefehlt.
Während den Bürgern an jeder Ecke das Geld aus der Tasche gezogen wird, plant die Stadt munter weiter kostspielige Projekte: Ein Bahnhof in der Wallauer Wallachei steht noch immer ganz oben auf der Wunschliste, ein neuer Sportplatz an der Zeilsheimer Straße muss her, und vor dem Rathaus träumt man von einer schicken, grünen Oase. Selbst das Debakel um die pompöse Rad- und Fußgängerbrücke zwischen Marxheim und der Kernstadt schlägt noch mit einer sechsstelligen Summe zu Buche, weil Fördergelder zurückgezahlt werden müssen. Der Schnellradweg zwischen Wiesbaden und Frankfurt, den Hofheim mitfinanzieren muss, ist noch nicht abgehakt. Und der Geschäftsführer der von Insolvenz bedrohten Musikschule hält ungeniert weiter die Hand auf: Die Stadt soll ihm einfach mehr Geld geben, schreibt er, dann sei eine Pleite kein Thema mehr.
Als Krönung gönnt sich Hofheim dann auch noch subventionierte Taxifahrten für jedermann: Der On-Demand-Service „Colibri“ – ein Baustein im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) – verbrennt alljährlich Hunderttausende Euro. Langsam, nur ganz langsam dämmert es den Ersten im Stadtparlament: Das kann so nicht weitergehen. Wenn das Stadtparlament an diesem Mittwoch tagt, steht die entscheidende Frage im Raum: Können wir uns das wirklich noch leisten?
Zeit für einen schmucklosen Blick auf Hofheims teuersten Singvogel.
Am „Colibri“ scheiden sich die Geister – und das Geld
Die politische Gemengelage ist höchst pikant: Die Linken waren schon immer dagegen – sie verteufelten den „Colibri“ von Beginn an als „ÖPNV für Reiche“. Kürzlich meldete sich auch die AfD zu Wort: Das System sei zu teuer – die Kosten müssten runter, und zwar radikal.
Beide Parteien stellen allerdings nur politische Zwergen-Fraktionen. Umso bemerkenswerter, dass nur einen Tag später die Grünen nachzogen: Der Magistrat, so heißt es in ihrem Antrag, möge endlich Einsparmöglichkeiten prüfen. Nun wird die Sache richtig interessant: Die Grünen sitzen mittendrin im regierenden „Bündnis für Hofheim“, das im Haus die Fäden zieht. Wenn selbst die Koalitionäre die Notbremse suchen: Wie lange darf der „Colibri“ dann überhaupt noch abheben?

Der „Colibri“ war das geliebte Räppelchen des glücklosen Ex-Bürgermeisters Christian Vogt. Dass die ausufernde Spendierhosen-Politik seiner Amtszeit die Stadtkasse in Schieflage manövriert hat, ist in Hofheim längst kein Geheimnis mehr. Keine Idee schien zu teuer – und so rollte der „Colibri“ an, von der Lokalpolitik euphorisch als „innovativ, flexibel und umweltfreundlich“ bejubelt.
„On-Demand-Angebote sind ein entscheidender Bestandteil einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Mobilität“, gurrte die Politik im Chor. Damals glaubte man in Hofheim noch, sich schier alles leisten zu können. Und man feierte vermeintlich tolle Zahlen: Fahrten, Fahrgäste, gefahrene Kilometer – stets glänzte die städtische Jubel-PR. Einwände gab’s, doch die könnten einen Vogt nicht beirren: „Der Colibri fährt weiter!“ gab er sich gewohnt patzig. Wer die Zeche am Ende zahlt? Darüber wurde nicht so viel geredet.
Inzwischen steht fest: Zwar kassierte man 2023 und 2024 jeweils etwas über 500.000 Euro von den Fahrgästen – dem gegenüber standen jedoch Kosten von weit über 850.000 Euro. Unterm Strich blieb ein städtischer Zuschuss von beachtlichen 350.000 Euro. Pro Jahr!
Und es kommt noch dicker: Es steht zu befürchten, dass das Defizit mittlerweile völlig durch die Decke geht. Denn die anfängliche Anschub-Förderung durch den Bund ist längst flöten gegangen. Wer die Lücke schließt? Natürlich – der Hofheimer Steuerzahler.
Auch darüber hüllt man sich im Rathaus lieber in vornehmste Scham. Stattdessen feierten MTV und Stadt das Angebot jüngst wieder als reine Erfolgsgeschichte und bejubelten kühn 225.000 Fahrgäste. Klingt gewaltig – entpuppt sich bei genauerem Hinsehen aber als dreiste Mogelpackung. Denn die Zahl rechnet schlicht sämtliche Jahre seit dem Start zusammen. Heruntergerechnet bleiben magere 55.000 bis 60.000 Fahrgäste pro Jahr. Und das verteilt auf sieben Fahrzeuge.
Sind solche Mager-Zahlen wirklich ein Erfolg?
Können Totschlagsargumente den „Colibri“ retten?
Die Linken haben das Konzept schon früh kritisiert: Der Fahrgast müsse deutlich mehr als für ein normales Busticket zahlen – trotz städtischer Mammut-Subvention. Jede einzelne „Colibri“-Fahrt werde vom Steuerzahler mit über zehn Euro bezuschusst, rechnete die ehemalige linke Stadtverordnete Barbara Grassel jüngst vor. Da könne man die Bürger fast besser im Privattaxi chauffieren lassen.
Die Linken-Fraktionsvorsitzende Anita Vogt fordert nun per Fragenkatalog endlich Fakten vom Magistrat: Die Zahlen für 2025 müssen auf den Tisch – inklusive eines harten Vergleichs zwischen dem früheren Anruf-Sammeltaxi (AST) und dem teuren Nachfolger. Fahrgastzahlen, Besetzungsgrade, echte Kosten: Der Magistrat muss den Hofheimern nun endlich reinen Wein einschenken.
Neuerdings bekommen die Linken unerwartete Schützenhilfe von rechts außen: Die AfD fordert per Antrag eine komplette Umorganisation des ÖPNV. Das erklärte Ziel: Kostenneutralität. Hofheim soll keinen einzigen Cent mehr zuschießen müssen – und das bitteschön sofort. Der Magistrat soll rechtzeitig vor den Haushaltsberatungen ein sparkonformes Konzept vorlegen. Das allerdings ist ein Vorstoß, der zweifellos weit geht: Ein völlig zuschussfreier Nahverkehr grenzt an politische Traumtänzerei.
Soweit werden die Grünen schon wegen der politischen Kontaktsperre nicht mitgehen. Aber auch sie spüren den Druck der völlig zerrütteten Stadtkasse. Und so flüchten sie sich in das gewohnte Totschlagsargument: Der Nahverkehr sei zwar teuer, aber eben jene Infrastruktur, „die eine Stadt erst funktionsfähig macht“.
Da darf man sich wirklich nur noch wundern: Funktionierte Hofheim etwa vor der „Colibri“-Einführung nicht? Viele Bürger dürften behaupten: Ohne den teuren E-Taxi-Spuk funktionierte es in Teilen sogar besser – zumindest finanziell.
Immerhin knicken jetzt auch die Grünen vor der klammen Realität ein klitzekleines Stück weit ein: In ihrem Antrag bitten sie den Magistrat, Einsparmöglichkeiten zu prüfen. Sie denken an verkürzte Betriebszeiten oder eine Verkleinerung der Flotte.
Dass ein bisschen Kosmetik an den Fahrzeiten ausreicht, um das riesige Loch in der Stadtkasse zu stopfen, glaubt allerdings im Parlament niemand ernsthaft. In der Sitzung des Stadtparlaments am Mittwoch, 19. August (ab 17:45 Uhr in der Stadthalle) stehen die „Colibri“-Anträge auf der Tagesordnung. Wer eine mutige Entscheidung erwartet, wird enttäuscht werden.
Wir sind schließlich in Hofheim: Die Lokalpolitiker werden das heiße Eisen vermutlich nach bewährter Manier erst einmal aussitzen. Ende September, wenn die Ausschüsse wieder tagen, sieht man dann weiter.
Das Luxus-Vögelchen wird also vorerst weiterfliegen. Die Rechnung dafür steigt täglich.
Unser Bild oben zeigt den „Colibri“-Parkplatz vor ihrer Ladestation auf dem Dach des Chinon-Centers.
TR


Die Hofheimer lieben die sozialen Wohltaten, die die Stadtkasse seit Stangs Zeiten wie ein überdimensioniertes Füllhorn über deren Köpfen ausschüttet. Auch wenn es allen anderen schlecht geht und der Rentner in seiner Sozialwohnung künftig anstatt 8,31 monatlich im Jahr 2024 an Grundsteuer über 13,67 Euro im jahr 2025 nun ab 2026 sogar 31.20 Euro und ab 2027 sogar 40,26 Euro MONATLICH zahlen darf, nein, den Colibri dürfen wir nicht antasten?
Quatsch ist das, der Colibri wird zu mehr als 90 % nachts uund während seiner vereinbarten Fahrzeiten von einer Zielgruppe genutzt, die sich ohne weiteres ein ganz normales Taxi oder den Uber leisten könnte. Jede Fahrt wird von uns Bürgern mit über 30 Euro subventioniert, jede einzelne Fahrt! Das ist doch unsozial, im höchsten Maße!
Natürlich muss es, wenn der Colibri abgeschafft wird und das muss meines Erachtens so schnell wie möglich passieren, eine für die jeweiligen berechtigten Nutzer leicht abrufbare finanzielle Hilfe bei Fahrten mit dem Taxi während der Betriebszeiten des Colibri geben, das steht ganz außer Zweifel. Dass wir dafür aus der Stadtkasse begrenzte Mittel, deren Verwendung genau kontrolliert werden muss, geben muss, ist eine Frage der Gerechtigkeit und des Anstands. Bestimmt findet sich im Rathaus jemand, der diese Aufgabe noch übernehmen könnte.
Ich weiß ja nicht… die „sozialen Wohltaten“ fand ich nie wirklich gut. Jetzt muss man einmal überlegen, wie viele Grundstücke nötig sind zur Finanzierung dieses Deals. Gehen wir einmal hier der Einfachheit halber von 350 Durchschnittsgrundstücken aus. 1000 Euro Grundsteuer sind heute ja *nix*. Dass die Stadt Hofheim gerade nicht im Geld schwimmt, setzen wir hier informativ voraus.
Verursachergerecht finanziert wäre hier zielführend. Doch wenn dann eine Fahrt das kostet, was sie kosten muss, dann wird niemand mehr mitfahren wollen. Dann sind wir bei Taxi-Preisen. Oder eher mehr? 🙁
Ist das Kunst, oder kann das weg? Es kann weg, wäre die richtige Entscheidung. Wie lange müssen wir daran festhalten? Wie lange ist die Kündigungsfrist? Also los, vorantreiben. Abschaffen. Der Betreiber ist wahrscheinlich eh froh, da er so zögerlich sein Geld im Lotterieverfahren –wenn überhaupt- bekommt.
Warum solle es überhaupt einer finanziellen Hilfe für ein Ersatzangebot benötigen? Jeder ist doch für sich selbst verantwortlich. Und wer einen Fahrservice benötigt, der soll ihn doch bitteschön bezahlen. Alles andere ist Kabbes. Alternativ bleibt der Fußweg. Oder ein Taxi. Die Entscheidungsfreiheit hat man ja immer. Aber auf Kosten der Allgemeinheit im Colibri chillen? Go ahead, make my day.
P.S. Kann mir jemand sagen, warum ich Fahrzeuge des Colibri-Service regelmäßig auf Feldwegen antreffe? (Also dort, wo kein Bus hinfährt und wo auch kein normales Fahrzeug fahren dürfte? Zuletzt öfters so gesehen. Tut mir leid – das geht gar nicht. Oder fahren die jetzt auch –subventioniert- zum letzten Chill-Place?)
„Und wer einen Fahrservice benötigt, der soll ihn doch bitteschön bezahlen“ – soll das heißen, wir stellen den ÖPNV (Bahn- und Busverkehr) in Hofheim ein? Sollen Menschen in Langenhain oder Wildsachsen ab 20 Uhr und am Wochenende zuhause bleiben oder nur mit dem Taxi zum normalen Taxi-Tarif z.B. nach Hofheim bzw. von dort nach Hause kommen? Doch sicher nicht!
Aber wir sollten keine teuren Ersatzlösungen für den regulären Busverkehr schaffen, sondern allen Menschen in Hofheim Mobilität ermöglichen. Offenbar ist doch der Colibri-Verkehr sowohl für die Fahrgäste als auch für die Stadt teurer als der frühere AST-Verkehr.
Genaue Zahlen wurden uns seit 2025, als sich die Finanzierungsgrundlagen durch Wegfall der Zuschüsse erheblich änderten, bislang nicht vorgelegt, da die im November 2024 angekündigte Präsentation der MTV GmbH dazu bis heute nicht stattfand.
ie Fraktion DIE LINKE hat daher daran erinnert und die Zahlen eingefordert (Vorl. STVV2026/135).
Hat es früher mal „Anrufsammeltaxis“ gegeben? Haben wir auch nie genutzt. Heute heißt es: Fahrzeiten Colibri ab 19 Uhr. Wieso sehe ich die Jungs dann immer wieder mal mittags bei Aldi Eppstein oder auch an anderen Stellen rumfahren? Wahrscheinlich privat genutzt für Einkaufsfahrten. Einige Male versuchten wir, einen Colibri zu buchen – immer war irgendwas falsch: Der Zielpunkt ist ausserhalb des nutzbaren Bereichs, du hast zu lange gewartet, die Fahrt ist nicht mehr verfügbar – will sagen: Es hat nie geklappt.
Komplett ein Griff ins Klo – meine Meinung.
Schaut man sich die Kostenexplosion bei den Hofheimer Zuschüssen an den MTV insbesondere seit 2024 an, sollten nicht nur die „Colibri“ Zahlen schnellstens transparent gemacht werden. Eigentlich muss der gesamte ÖPNV-Komplex auf den Prüfstand.
Die stetig steigenden jährlichen Unterdeckungen beim ÖPNV sind kein Einzelproblem (Wegfall Fördermittel), sondern haben strukturelle Ursachen: Steigende Energiepreise, hohe Tarifabschlüsse und inflationsbedingte Kostensteigerungen treffen auf wachsende Anforderungen an Taktung, Angebot und Leistungsfähigkeit. Das kann auf Dauer nicht einfach über immer höhere kommunale Zuschüsse aufgefangen werden.
Es braucht deshalb eine ehrliche Gesamtschau: Was wollen und können wir uns zukünftig leisten?
Nirgendwo steht, dass ich den ÖPNV in Hofheim einstellen würde. 🙁 Nur das Angebot sollte verursachergerechter platziert werden. Wer es nutzt, der zahlt (etwas, einiges mehr vielleicht?)
Und ja, die Hofheimer Bürger, ich denke, die können sich das schon leisten. 🙂 Habe ich irgendwo gelesen in anderem Zusammenhang.
Und jetzt der neue polemische Angriff: Müssen wir Grundsteuerzahler wirklich subventionieren, wenn die allerletzte Volleul nachts um halb 4 vom vordersten Hintertaunus in die dunkelste Kellerkneipe geschippert werden will? Das gehört ja auch zum Colibri-„Versorgungsauftrag“.
Was vehement stört ist, dass bei der Einführung dieses Produkts „Colibri“ scheinbar niemand nach den Kosten gefragt hat. Nach dem Motto „Wir habens ja ganz dicke“.
So war es dann auch: Und jetzt haben wir’s und es kommt ganz dicke.
Wir müssen vielleicht von dieser nicht zu finanzierenden Vollkasko-Mentalität weg. Alle zahlen, damit wenige etwas davon haben? Klingt gut, ist aber nicht richtig.
Vielleicht werden wir bald von Uber/Bolt und anderen Angeboten überschwemmt? Oder es gibt Miet-E-Roller an jedem Straßenrand, wer weiß. Das braucht wahrscheinlich auch niemand. Aber wenn die Omma nach dem Kreppelkaffee den E-Turbo zündet und in die Ortsteile driftet, dann wird’s mega…….. peinlich.
Vorschlag: Man kann ja was Anderes machen. Taxi/AST-Service wie früher. Für Leute, die ein RMV-Ticket haben günstiger als ohne. Aber nicht für Einsfuffzisch in die Stadtteile. Und dass da nicht 24 Fahrzeuge Mittwochnacht um 3 Uhr zur freien Verfügung parat stehen, ist dann auch klar. Oder – frei nach meim Vadder „Du hast Fieß bis uff die Erd. Ei da laaf!“
Vielleicht sollte ich bis dahin auch einmal eine Sonnenaufgangsfahrt an einem Regentag mit dem Colibri zum Kaisertempel buchen. Das geht ja bestimmt und kostet fast nix. Sinnlos? Macht nix.
„Nur das Angebot sollte verursachergerechter platziert werden. Wer es nutzt, der zahlt (etwas, einiges mehr vielleicht?).“ Prima Idee, so sollten wir es dann auch bei den Kosten für Fahrradwege in Hofheim halten. Die ohnehin nervenden „Radsportler“, die andauernd den Verkehr behindern und auch eine Gefahr für fast alle Fußgänger darstellen, sollten direkt an den Kosten für die Radwege beteiligt werden ! Ich finde das „Colibri“ prima und sehr sinnvoll, gute Dinge kosten eben etwas …..
Ach ja, das billige Radler bashing wieder mal ohne Substanz…
Hier, informiere dich mal, was der Autoverkehr, von dem eine weitaus größere Gefahr als durch Fahrräder ausgeht, die Allgemeinheit jedes Jahr so kostet!
https://www.zeit.de/mobilitaet/2022-01/soziale-kosten-strassenverkehr-auto-studie
https://www.zeit.de/mobilitaet/2019-08/verkehrsstudie-strassenverkehr-folgekosten-umweltschutz-auswirkungen