6.000 Jahre altes Großgrab: Neue Hinweise auf dem Kapellenberg freigelegt

6.000 Jahre altes Großgrab: Neue Hinweise auf dem Kapellenberg freigelegt

Bei Ausgrabungen auf dem Kapellenberg in Hofheim hat das Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA) gemeinsam mit seinen Projektpartnern neue Hinweise auf das mutmaßliche Zentralgrab eines rund 6.000 Jahre alten Großgrabhügels gefunden. Die Ausgrabungen laufen noch bis zum 7. August. Die bisherigen Untersuchungen deuten auf eine mit Steinen ausgekleidete Grabanlage hin, die Parallelen zu jungsteinzeitlichen Grabmonumenten im heutigen Norden Frankreichs erkennen lässt.

Das Forschungsprojekt wird gemeinsam vom Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA), der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der Hessen-Archäologie des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen und der Stadt Hofheim getragen. In einer Pressemitteilung des  Leibniz-Zentrums für Archäologie heißt es weiter:

Im Mittelpunkt der diesjährigen archäologischen Grabung steht erneut der vermutlich um 4100 v. Chr. errichtete Großgrabhügel. In den Jahren 2023 und 2025 legte das Forschungsteam einen 34 Meter langen und fünf Meter breiten Grabungsschnitt vom Hügelfuß bis in den vermuteten Bereich der ehemaligen Grabkammer an. Dadurch konnten Aufbau und Verfallsgeschichte des Monuments weitgehend rekonstruiert werden. Nun richtet sich der Blick auf die Hügelkuppe, wo die Forschenden Überreste des mutmaßlichen Zentralgrabes vermuten.

„Im Laufe der Jahrtausende ist das ehemalige Zentrum des Monuments wohl immer wieder durch Eingriffe in Mitleidenschaft gezogen worden. Dennoch zeichnen sich Reste einer mit Steinen ausgekleideten Vertiefung ab. Vergleichbare Grabanlagen kennen wir aus Nordfrankreich. Das passt zu unseren bisherigen Erkenntnissen, wonach die ersten Bewohner des Kapellenbergs aus dem östlichen Pariser Becken eingewandert waren“, sagt Projektleiter Prof. Dr. Detlef Gronenborn vom LEIZA. 

Grabungsleiter Ferenc Kántor von der Hessen-Archäologie ergänzt: „Die frühen Grabmonumente in Frankreich haben oft einen gestuften Unterbau, der dann mit Erde überdeckt wurde. Auch am Kapellenberg finden wir Hinweise auf eine solche Stufung.“

Kapellenberg war Knotenpunkt weitreichender Wirtschaftsverbundungen

Neben den Untersuchungen am Großgrabhügel analysiert das Forschungsteam auch die Einbindung der Höhensiedlung in das regionale und überregionale Siedlungsgeschehen. „Der weithin sichtbare Hügel war offenbar weit mehr als ein Grabmonument. Er bildete das Zentrum eines sehr dynamischen Siedlungssystems. Über die Region hinaus war der Kapellenberg und seine Umgebung auch Knotenpunkt von bis an den Atlantik und das Mittelmeer reichenden Wirtschaftsverbindungen. Vor 6000 Jahren entstanden in Europa zum ersten Mal dauerhafte und flächendeckende Tauschnetzwerke“, erläutert Gronenborn.

Hinweise auf diese weitreichenden Kontakte liefern zwei Beile aus Jade und Amphibolit, die sehr wahrscheinlich aus dem Großgrabhügel stammen und heute im Stadtmuseum Hofheim ausgestellt sind. Sie verweisen auf Verbindungen bis in die Bretagne und die Westalpen. 

Kapellenberg
Auch Bürgermeister Willi Schultze informierte sich an der Grabungsstelle der Archäologen auf dem Kapellenberg.

Bürgermeister Wilhelm Schultze sagt: „Die Forschungen auf dem Kapellenberg zeigen, wie Archäologie unsere Vergangenheit dort sichtbar macht, wo es keine schriftlichen Quellen gibt.“ Seit nun 18 Jahren erforschen Professor Gronenborn und Grabungsleiter Ferenc Kántor die Siedlungsreste der Michelsberger Kultur auf dem Kapellenberg. „Seitdem unterstützt die Stadt Hofheim dieses Projekt mit Überzeugung. Wir freuen uns, dass die Arbeiten am Großgrabhügel in diesem und im kommenden Jahr fortgesetzt werden können“.

„Die anhaltende Hitze und Trockenheit haben unsere Arbeiten in diesem Jahr erschwert“, erklärt Ferenc Kántor abschließend. „Einige Fragen werden wir deshalb erst in einer weiteren Grabungskampagne beantworten können. In den kommenden Monaten prüfen wir, wie wir diese Untersuchungen fortsetzen können.“ 

Der Kapellenberg als archäologisches Highlight in Rhein-Main

Mit seinem Großgrabhügel und der außergewöhnlich gut erhaltenen Wallanlage zählt der Kapellenberg zu den bedeutendsten jungsteinzeitlichen Fundstätten im Rhein-Main-Gebiet. Der Wall entstand zwischen 4100 und 3600 v. Chr. und blieb bis heute weitgehend von Überbauung und tiefgreifenden Eingriffen verschont.

Seit 2008 erforschen das Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA), die Johannes Gutenberg-Universität Mainz und die Hessen-Archäologie den Kapellenberg – mit Unterstützung der Stadt Hofheim. Seit 2020 informiert zudem ein archäologischer Rundweg über die Geschichte und die archäologischen Forschungen vor Ort. 


Unser Bild oben zeigt Projektleiter Prof. Dr. Detlef Gronenborn vom LEIZA und Grabungsleiter Ferenc Kántor vor der mit Steinen ausgekleideten Grabanlage.


Quelle: Leibniz-Zentrum für Archäologie

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