44,2 Grad auf dem Schulhof: Hitzegrillen an der Main-Taunus-Schule

44,2 Grad auf dem Schulhof: Hitzegrillen an der Main-Taunus-Schule

Es war an diesem Dienstag, 4. August, 16.10 Uhr. Das Thermometer auf dem frisch sanierten Schulhof der Main-Taunus-Schule zeigt an: 44,2 Grad.

Kein Laborwert, keine Langzeitstudie. Einfach nur die nackte, glühende Realität. Und die Frage: Hier sollen nächste Woche Kinder ihre Pausen verbringen? Im Ernst?

Wir haben darüber berichtet: Rund 70 Millionen Euro hat der Main-Taunus-Kreis in die Erweiterung und Sanierung der Main-Taunus-Schule gesteckt. Alles fein, alles schick. Nur an ein klitzekleines Detail hat im Kreishaus niemand gedacht: Schatten.

Man darf gespannt sein, wann Lehrer und Eltern erwachen. Dann wird der Ruf nach Sonnenschutz laut. Schirme, Sonnensegel – das kostet verdammt viel Geld. Aber unsere Kinder sollten es uns doch wohl wert sein, oder?

Weil sich der Kreis aus dem Geld der – bekanntlich völlig klammen – Kommunen speist, haben wir im Hofheimer Rathaus nachgefragt. Wir wollten wissen: Wie verträgt sich diese bauliche Gluthitze eigentlich mit dem viel gerühmten städtischen Klimaanpassungskonzept?

Die Antworten, die wir aus dem Rathaus erhielten, waren bemerkenswert schmalbrüstig. Hier sind sie im Wortlaut:

Frage 1: Wie lässt sich die Umgestaltung des Schulumfelds mit den Zielen des städtischen Klimaanpassungskonzepts vereinbaren?
Antwort: Das Klimaanpassungskonzept der Stadt Hofheim adressiert mit seinen Maßnahmen ausschließlich Bereiche, die in städtischer Zuständigkeit liegen. Die Schulen befinden sich in Trägerschaft und Verantwortung des Main-Taunus-Kreises.

Frage 2: Welchen Einfluss hatte bzw. hat die Stadt auf die konkrete Außenraumgestaltung rund um die Schule?
Antwort: Siehe Beantwortung der vorangegangenen Frage; die Planung und Umsetzung der Außenraumgestaltung liegt in der Zuständigkeit des Kreises.

Frage 3: Wie bewertet die Stadtverwaltung die umfangreiche Neuversiegelung vor einem zentralen öffentlichen Gebäude?
Antwort: Die Stadt Hofheim hält an den mit dem Klimaanpassungskonzept beschlossenen Maßnahmen fest und wird in Zusammenarbeit mit den städtischen Gremien bei neuen Planungen Entsiegelung, Begrünung und Wasserrückhaltung angemessen berücksichtigen.

Übersetzt heißt das: Hofheim ist nicht zuständig. Punkt. Ende. Aus. Nach uns die Sintflut – beziehungsweise die Hitzewelle.

Juristisch ist das wasserdicht. Aber es ist zugleich eine politische Bankrotterklärung. Denn ein Klimaanpassungskonzept, das an der Grundstücksgrenze einer Schule haltmacht, ist kein Konzept, sondern Symbolpolitik. Was nützt der schönste Umwelt-Paragraf im Rathaus, wenn auf dem nahen Schulhof kein einziger Schattenspender steht?“

44 Grad am frühen Nachmittag: Natürlich muss sich die Kreisverwaltung im Landratsamt fragen lassen, wie man im Jahr 2026 eine millionenschwere Betonwüste als Schulhof planen kann. Aber auch die Kreisstadt Hofheim sollte sich nicht hinter Aktendeckeln wegducken dürfen. Wer Klimaanpassung zur Leitlinie erklärt, darf nicht die Augen verschließen, wenn vor der eigenen Haustür die Luft brennt.

Denn eins ist sicher: Die Betonsteine des Schulhofs fragen nicht nach Verwaltungsgrenzen. Die Sonne auch nicht. Und die Schülerinnen und Schüler werden kaum feinsäuberlich unterscheiden, ob für die unerträgliche Hitze auf ihrem Schulhof nun der Kreis oder die Stadt verantwortlich ist.


Unser Bild oben zeigt die Messung auf dem Schulhof der MTS: Uhrzeit (groß), Datum (unten links) und Temperatur (roter Pfeil) sind angegeben.


TR

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