Gesund mit Felix (35): Warum guter Schlaf wichtiger ist als die „richtige“ Lage

Die Gesundheitskolumne von Osteopath Felix Kammerlander (Folge 35)

Kaum ein Gesundheitsthema wird im Internet so häufig diskutiert wie die richtige Schlafposition. Immer wieder liest man Empfehlungen, man solle sich das Schlafen auf dem Rücken angewöhnen. Die Seitenlage wird dagegen teilweise als Ursache für Rücken- oder Hüftprobleme dargestellt.

Aus meiner Sicht greift diese Darstellung oft zu kurz. Denn bei aller Diskussion über die optimale Liegeposition wird ein entscheidender Faktor häufig übersehen: die Schlafqualität. Was nützt die vermeintlich perfekte Position, wenn du dadurch schlechter schläfst?

Gibt es überhaupt die ideale Schlafposition?

Die Vorstellung einer einzigen, für alle Menschen optimalen Schlafposition klingt zunächst plausibel. Der menschliche Körper ist jedoch deutlich komplexer. Menschen unterscheiden sich in:

  • Körperbau
  • Beweglichkeit
  • Gelenkstellung
  • Beschwerden
  • Schlafgewohnheiten

Was für den einen angenehm ist, kann für den anderen unangenehm oder sogar störend sein. Deshalb gibt es keine Schlafposition, die nachweislich für jeden Menschen gleichermaßen ideal ist.

Warum viele Menschen Seitenschläfer sind

Interessanterweise schlafen die meisten Menschen ganz natürlich auf der Seite. Ohne Anleitung, ohne bewusstes Training und oft bereits seit ihrer Kindheit. Das allein beweist zwar nicht, dass die Seitenlage perfekt ist. Es zeigt jedoch, dass sie für den menschlichen Körper offensichtlich eine sehr natürliche und komfortable Position darstellt.

Wer sich nachts regelmäßig automatisch auf die Seite dreht, sollte sich deshalb zunächst fragen, ob der Körper vielleicht einen guten Grund dafür hat.

Schlafqualität schlägt Theorie

In der Praxis begegnen mir immer wieder Menschen, die versuchen, sich das Schlafen auf dem Rücken anzugewöhnen. Das Problem: Viele schlafen dadurch schlechter. Sie wachen häufiger auf, liegen länger wach oder fühlen sich morgens weniger erholt.

Dabei wird oft vergessen, welche enorme Bedeutung guter Schlaf für die Gesundheit hat. Während des Schlafes:

  • regeneriert das Nervensystem
  • werden Gewebe repariert
  • werden Hormone reguliert
  • verarbeitet das Gehirn Informationen des Tages

Wenn eine erzwungene Schlafposition diese Prozesse beeinträchtigt, kann der vermeintliche Vorteil schnell zum Nachteil werden.

Die Hüftbeuger-Theorie

Ein häufiges Argument für die Rückenlage lautet, dass die Hüftbeugemuskulatur – insbesondere der Iliopsoas – in Seitenlage verkürzen könne und dadurch Rückenschmerzen begünstigt würden. Auf den ersten Blick klingt das logisch.

Bei genauerem Hinsehen wird jedoch ein wichtiger Punkt übersehen: Im Schlaf befindet sich die Muskulatur normalerweise in einem Zustand tiefer Entspannung. Eine aktive Daueranspannung der Hüftbeuger entsteht daher während des Schlafes meist nicht.

Anders sieht es tagsüber aus. Beim langen Sitzen ist die Hüfte über Stunden gebeugt. Gleichzeitig bleibt die Muskulatur aktiv, um die Körperhaltung zu stabilisieren. Hier können tatsächlich erhöhte Spannungen entstehen, die sich langfristig auf Becken und Lendenwirbelsäule auswirken.

Wenn das Ziel also darin besteht, die Hüftbeuger beweglich zu halten, erscheint es sinnvoller, dies während der 16 bis 18 Stunden Wachzeit anzugehen als während der Schlafphase.

Was wirklich einen Unterschied machen kann

Für viele Menschen sind andere Faktoren deutlich relevanter als die genaue Schlafposition:

  • ausreichende Schlafdauer
  • regelmäßige Schlafzeiten
  • eine passende Matratze
  • ein geeignetes Kopfkissen
  • wenig Licht und Lärm
  • ausreichende Bewegung im Alltag

Gerade Bewegung wird häufig unterschätzt. Wer seinen Körper tagsüber regelmäßig bewegt, Positionen wechselt und gelegentlich Mobilisations- oder Dehnübungen einbaut, muss sich meist deutlich weniger Gedanken über einzelne Schlafpositionen machen.

Wann die Schlafposition dennoch wichtig sein kann

Natürlich gibt es Situationen, in denen bestimmte Liegepositionen sinnvoll oder angenehmer sein können. Beispiele sind:

  • bestimmte Schulterbeschwerden
  • Schwangerschaft
  • Schnarchen oder Schlafapnoe
  • akute Rückenbeschwerden

Hier lohnt sich eine individuelle Betrachtung. Die allgemeine Aussage, dass alle Menschen grundsätzlich auf dem Rücken schlafen sollten, wird der Komplexität des menschlichen Körpers jedoch kaum gerecht.

Fazit

Die beste Schlafposition ist häufig diejenige, in der du ruhig, tief und erholsam schlafen kannst. Die Vorstellung, man müsse sich zwanghaft eine bestimmte Liegeposition antrainieren, um Rückenprobleme zu vermeiden, greift oft zu kurz.

Für die Gesundheit sind regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und ein gut reguliertes Nervensystem meist deutlich wichtiger als die Frage, ob man auf dem Rücken oder auf der Seite schläft.

Wer seine Hüftbeuger beweglich halten möchte, hat dafür tagsüber genügend Möglichkeiten. Die Nacht darf in erster Linie der Erholung dienen.

© Felix Kammerlander / Praxis Angewandte Osteopathie

Der Autor

Felix Kammerlander

Felix Kammerlander hat Osteopathie studiert und betreibt seit acht Jahren die Praxis Angewandte Osteopathie in Marxheim. In den Hofheim-News erscheint regelmäßig seine Kolumne „Gesund mit Felix” mit Gesundheitsinformationen und präventiven Tipps - eine verlässliche Anlaufstelle für Ratschläge zur Vorbeugung, Schmerzbewältigung und für einen ausbalancierten Körper. Viel Freude beim Lesen und Ausprobieren neuer Wege zu mehr Wohlbefinden!

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