Nächste Hiobsbotschaft: Die Gewerbesteuer bricht ein – neues Millionenloch in Hofheim
Die Sommerpause ist zu Ende, die Realität ist zurück – und sie schlägt im Hofheimer Rathaus ein wie eine Bombe. Eine frische Steuerschätzung enthüllt ein gewaltiges Minus. Wer nach all den schlechten Nachrichten der letzten Monate glaubte, viel schlimmer könne es nicht kommen, wird jetzt eines Besseren belehrt: Die Gewerbesteuer ist brutal eingebrochen – und reißt ein weiteres Millionenloch in die Stadtkasse.
Es klingt wie der x-te Aufguss eines sattsam bekannten Dramas, besitzt aber diesmal eine ganz neue Wucht. Während im Rathaus noch die Unterlagen für die erste Sitzungsrunde nach den Sommerferien geordnet werden, flattert ein Papier auf den Tisch, das den Mandatsträgern den Schweiß auf die Stirn treiben dürfte: Die Vorlage mit dem Aktenzeichen STV2026/094, offiziell betitelt als „anlassbezogener Zwischenbericht“ zur Mai-Steuerschätzung, liest sich wie die finanzielle Bankrotterklärung der Kreisstadt auf Raten.
Alle bisherigen Kalkulationen sind damit hinfällig: Die Wirtschaft stagniert, die Bundes- und Landesprognosen brechen ein – und in Hofheim kommt die Quittung ungefiltert an. Allein im laufenden Jahr 2026 fehlen im städtischen Säckel im Vergleich zum beschlossenen Plan satte 5,0 Millionen Euro. Ging der beschlossene Haushalt noch von Erträgen in Höhe von 91,09 Millionen Euro aus, rechnet der Magistrat aktuell nur noch mit 86,09 Millionen Euro. Doch das ist erst der Anfang der Rutschpartie:
Für das Jahr 2027 liegt die Erwartung jetzt bei nur noch 97,42 Millionen Euro – das sind 6,40 Millionen Euro weniger als ursprünglich geplant.
Und im Jahr 2028 wächst der Fehlbetrag – bei geschätzten Erträgen von 100,76 Millionen Euro – sogar auf 7,69 Millionen Euro an.
Unterm Strich fehlen der Kreisstadt Hofheim damit bis Ende 2028 über 19 Millionen Euro, die fest eingeplant waren. Das Einnahmefundament bricht weg, gleichzeitig steigen die Kosten für Personal, Soziales und Inflation weiter.
Wie tief die Stadt bereits in den roten Zahlen steckt, zeigt ein Blick auf die aktuelle Kassenlage: Das Rathaus weist für die Jahresmitte einen negativen Liquiditätsbestand von 44,3 Millionen Euro aus. Vereinfacht gesagt: Die Stadt hat schon jetzt kein Geld mehr auf dem Konto, sondern muss ihre laufenden Ausgaben – Gehälter, Rechnungen, Investitionen – über Kredite finanzieren. Und das, noch bevor die nun drohenden weiteren Einnahmeausfälle überhaupt eingerechnet sind.
Schon in diesem Jahr: Gewerbesteuer bricht um 5 Millionen Euro ein
Besonders dramatisch ist der Blick auf die zentrale Säule der kommunalen Einnahmen: die Gewerbesteuer. Hier hatte das Rathaus für 2026 mit netto 26,3 Millionen Euro gerechnet. Übrig bleiben nach der neuen Schätzung gerade noch 21,6 Millionen – minus 4,7 Millionen Euro auf einen Schlag.
Und eine Besserung ist nicht in Sicht: Für 2027 wurden die Erwartungen von ursprünglich 27,0 Millionen auf 20,8 Millionen Euro herabgestuft, für 2028 sinkt die Prognose sogar von 27,2 Millionen auf glatte 20,0 Millionen Euro. Der lokale Wirtschaftsmotor stottert nicht nur, er steht kurz vor dem Kolbenfresser.
Bürgermeister Willi Schultze teilt dazu in der Vorlage trocken mit, dass „auch die nun prognostizierten Ertragsausfälle“ noch nicht zwangsläufig dazu führten, dass der – immer noch nicht rechtskräftige – Haushaltsplan 2026 überarbeitet werden müsse. Allerdings werde eine Unterdeckung und damit ein erneuter Jahresfehlbetrag „immer wahrscheinlicher“.
Übersetzt heißt das: Man schiebt die Trümmer vor sich her, nimmt das fette Minus am Jahresende billigend in Kauf und hofft, dass das Parlament nicht sofort in Panik gerät.
Doch die bittere Wahrheit für alle Hofheimerinnen und Hofheimer lautet: Selbst eine weitere saftige Erhöhung bei der Grundsteuer B, die ab 2027 auf über 2.000 Prozent ansteigen und dann mehr als 30 Millionen Euro in die Kassen spülen soll, wird vermutlich nicht mehr ausreichen, um das Riesenloch bei der Gewerbesteuer zu stopfen.
Wer geglaubt hat, der Gürtel sei bereits eng genug geschnallt, wird sich wundern. Wenn die Stadtverordneten nächste Woche aus der Sommerpause zurückkehren, geht es nicht mehr um Kosmetik oder Wunscherfüllung. Es geht ans Eingemachte – und die Zeche zahlt wie immer der Bürger.
TR

