Die Hofheimer Brunnen-Posse: Wenn Sparen teurer ist als Sprudeln

Die Hofheimer Brunnen-Posse: Wenn Sparen teurer ist als Sprudeln

Es ist eine bürokratische Posse in ungezählten Akten: Während im Hofheimer Stadtgebiet das Wasser längst abgedreht ist, sprudelt das Rathaus munter weiter. Mit einem radikalen Wasser-Stop-Erlass wollte der Bürgermeister eigentlich den klammen Geldbeutel schonen – und stellte kurzerhand alle Brunnen im Stadtgebiet komplett ab [hier]. Inzwischen dürfte die akribische Beschäftigung mit der Frage, ob man das Wasser nicht doch irgendwie wieder zum Laufen kriegt, deutlich mehr gekostet haben, als die Brunnen je an Strom verbraucht hätten. Ein Schildbürgerstreich par excellence – als hätten wir in der Kreisstadt derzeit keine anderen Sorgen!

Wie tief der Frust über die städtische Geldpolitik sitzt, zeigte sich jetzt an einem prominenten Sorgenkind: dem neuen Trinkwasserbrunnen zwischen Hof Ehry und dem Kellereigebäude. Ein echtes Luxus-Teil, 2022 von den Grünen beantragt, Kostenpunkt laut Magistrat: stolze 32.000 Euro für die Installation und jährlich 3.750 Euro für Unterhaltung und Wartung – und das bei einem geschätzten täglichen Durstlöscher-Verbrauch von gerade einmal drei Litern.

Drei Jahre dauerte die Vorbereitung. Erst im November letzten Jahres wurde die teure Edelstahlsäule enthüllt – und musste kürzlich schon wieder stillgelegt werden. Als CDU-Fraktionschef Andreas Hegeler daraufhin das Elend auf Facebook beklagte, trat er prompt eine Lawine an Kommentaren los, die von pragmatisch („Einfach Wasser von zu Hause mitnehmen“) bis bitterböse („Läuft irgendwie nicht in Hofheim“) reichte.

Das eigentliche Problem war allerdings mal wieder die rathausübliche PR: Man hatte schlicht verschwiegen, dass es sich um eine simple Reparatur auf Gewährleistung handelte. Schlechte Nachrichten verkündet man im Rathaus eben ungerne, lieber wartet man auf das Happy End. Das gab es immerhin am gestrigen Freitag: Nach der Freigabe durch das Gesundheitsamt sprudelt der Luxus-Born wieder.

Brunnen
Mit diesem Foto feierte die Stadt die Eröffnung des Trinkwasserbrunnens – zu sehen sind Klimaschutzmanagerin Monique Delbos, Erster Stadtrat Daniel Philipp und der Technische Leiter der Stadtwerke Olaf Mewes. Nach kurzzeitiger Stilllegung wegen eines Defekts sprudelt er wieder.

Ganz und gar nicht flüssig läuft es dagegen beim Rest der städtischen Brunnen, was die Linken im Stadtparlament sofort für ein amtliches Beschäftigungsprogramm der Verwaltung nutzten. Unter Aktenzeichen STV2026/045 fordern sie eine haarkleine Aufstellung der Betriebskosten, das Aufzeigen von Sparpotenzialen und die Masterfrage, wie man die Brunnen trotz Haushaltsloch wieder aktivieren kann. Na, liebe Verwaltung, da arbeite mal schön! Die Antworten kommen mit etwas Glück vielleicht noch vor dem Ende des Hitzesommers. Zeit wäre ja theoretisch, denn die prekäre Kassenlage wird in den nächsten Jahren absehbar nicht besser und die Brunnen drohen damit auch 2027 trocken zu bleiben – es sei denn, die Obrigkeit lenkt ein.

Genau das hatte Bürgermeister Willi Schultze letztens getan – das aber war natürlich auch nicht richtig: Nach der üblichen Protestwelle wegen der trockenen Brunnen hatte er angekündigt, zumindest den Bachlauf am Untertorplatz wieder zu bewässern. Ein fataler Fehler, denn damit hat er den Zorn der Ortsteile heraufbeschworen. „Und was ist mit uns?“, schallt es wütend aus den Dörfern.

Die CDU-Lorsbach diagnostizierte umgehend „Unverständnis und Befremden“ über die einseitige Bevorzugung der Kernstadt: Dass der Brunnenlauf auf dem Zimmerplatz trocken bleibe, sei „diskriminierend und absolut nicht wertschätzend“. Dem vehementen Protest tat auch die Tatsache keinen Abbruch, dass die offizielle Anfrage (Aktenzeichen LOB2026/009) komplett ohne eine konkrete Frage im Rathaus eingereicht wurde. Für die Christdemokraten im Tal gilt eben: Ganz oder gar nicht – entweder alle oder keiner!

Aus Diedenbergen dringen unter dem Aktenzeichen DBN2026/010 ganz ähnliche Töne herüber. Dort bangt man um die traditionelle „Brunnenkerb“ im August. Wie der Name – selbst für die ganz Unbedarften im Rathaus – schmerzhaft deutlich unterstreicht, gehört zu einer Brunnenkerb nun mal Wasser im Brunnen. Die Diedenbergener CDU fordert deshalb via Anfrage zumindest eine temporäre Inbetriebnahme für die Festtage.

Am cleversten stellt sich Wildsachsen an: Dort fordert der Ortsbeirat fraktionsübergreifend – von der BfH über CDU und FWG bis zur SPD (Az. WIL2026/005) – die Reaktivierung des Brunnens am Bornplatz. Der Witz dabei: Das Ding kostet die Stadt keinen Cent! Auf seinem natürlichen Weg in den Hollerbach wird das Grundwasser hier einfach per Extraleitung durch den Brunnen geschleust. Das Ergebnis: maximales Plätschern bei null Energie- und Wasserkosten.

Das klingt so dermaßen plausibel, dass man im Rathaus wahrscheinlich erst recht drei Ausschüsse braucht, um das zu prüfen. Das Hofheimer Sommertheater bleibt also garantiert so oder so im Fluss.

HN/TR

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