Der große Gemeindecheck: Warum Kriftel jubelt – und Hofheim schweigt
Was hat Kriftel, was Hofheim völlig abgeht? Im Nachbarort liegt offenbar ein Schatz, der die Menschen zufrieden macht – auf jeden Fall deutlich zufriedener als die Bürgerinnen und Bürger der Kreisstadt. Das ist jetzt amtlich. Eine deutschlandweite Untersuchung brachte es ans Licht.
Kriftels Bürgermeister fackelte nicht lange und jubelte prompt auf seiner Webseite: „Kriftel Spitze!“ Und: „Kriftel zählt zu den besten Kommunen Deutschlands“.
Und in Hofheim? Da herrscht plötzlich dröhnendes Schweigen…
Doch die Augen zu verschließen, macht die Lage nicht besser. Im Gegenteil. Deshalb leuchten wir das Dunkel aus:
Die Daten stammen aus dem brandaktuellen „Gemeindecheck Daseinsvorsorge“ des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW). Erstmals wurden dafür alle 10.817 Städte und Gemeinden bundesweit durchleuchtet.
In der Hauptkategorie der gesamten Daseinsvorsorge stürmt Kriftel auf einen sensationellen Platz 29 vor und gehört damit zu den Top 30 in ganz Deutschland. Im Main-Taunus-Kreis bedeutet das einen hervorragenden zweiten Platz, direkt hinter dem Finanzriesen Eschborn, aber noch vor vielen deutlich größeren Kommunen.
Hofheim dagegen, die einst so stolze Kreisstadt, kommt über das graue, triste Mittelfeld einfach nicht hinaus: Platz 357.
Und das Schlimmste daran ist, dass diese Zahlen die bittere Realität sogar noch beschönigen. Denn die Untersuchung wurde Mitte letzten Jahres durchgeführt, als die Hofheimer noch im süßen Glauben lebten, sie seien groß, stark und vor allem steinreich. Wie das Urteil wohl heute aussehen würde, nach den jüngsten Haushalts-Hiobsbotschaften? Man möchte es sich lieber gar nicht erst ausmalen…
Für den gigantischen Gemeindecheck hat das IW jede einzelne Kommune anhand von 17 Indikatoren aus den fünf Schlüsselbereichen Digitales, Gesundheit, Mobilität, Freizeit und Bildung analysiert. Bewertet wurden unter anderem die Mobilfunkabdeckung, die Erreichbarkeit von Ärzten, Kliniken und Kitas sowie der Zustand von Brücken und die Anbindung an den Schienenverkehr.
Flankiert wurde dieser Datenberg durch eine repräsentative Umfrage unter mehr als fünftausend Personen. Der Gesamtrang ist dabei kein simpler Mittelwert, sondern basiert auf komplex standardisierten Indexwerten der fünf Kategorien.
Wenn man in Hofheim überhaupt etwas zur Aufheiterung sucht, hilft wie so oft nur der Blick auf die Nachbarn, denen es statistisch gesehen noch schlechter geht. In Eppstein zu leben macht – glaubt man der Untersuchung – im Main-Taunus-Kreis am wenigsten Spaß. Mit Platz 2.860 im Gesamtranking bildet die Burgstadt das absolute Schlusslicht im Kreisgebiet, noch weit hinter Hattersheim (Rang 633). Besonders schrecklich schneidet Eppstein beim Thema Bildung und Freizeit ab, wo man sich im tiefen, vierstelligen Niemandsland der Tabelle wiederfindet.
Das Ergebnis bleibt bitter für die Kreisstadt. Hofheim ist zwar nicht Eppstein, aber der eigene Anspruch kann es unmöglich sein, sich mit den Schlusslichtern zu trösten, während direkt nebenan in Kriftel die Korken knallen. Es wird Zeit, dass man im Hofheimer Rathaus endlich aufwacht.
Alle Daten, Details und die interaktiven Karten der Untersuchung finden Sie beim Institut der Deutschen Wirtschaft [hier].
HN/TR – Foto: Raimund Rupp

