Zukunft des Heizens: Großes Interesse an Geothermie-Projekt in Hofheim

Zukunft des Heizens: Großes Interesse an Geothermie-Projekt in Hofheim

Wie kann die Hofheimer Altstadt künftig zuverlässig, klimafreundlich und bezahlbar mit Wärme versorgt werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Informationsveranstaltung, zu der der Arbeitskreis Energie der Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt in den Schönbornsaal eingeladen hatte. Unter dem Titel „Wie wollen wir in Zukunft in der Altstadt heizen?“ informierte Andreas Walter über die Möglichkeiten der Geothermie und stellte den aktuellen Stand des Projekts Vivere vor.

Das Interesse war groß: Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, sich über Chancen, technische Voraussetzungen, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und mögliche nächste Schritte zu informieren. Im Anschluss an den Vortrag beantwortete Andreas Walter die vielen Fragen aus dem Publikum ausführlich und kompetent.

Gerade für die Hofheimer Altstadt ist die Wärmewende eine besondere Herausforderung. Die enge Bebauung, historische Bausubstanz und häufig fehlende Flächen machen individuelle Lösungen wie Luft-Wärmepumpen in vielen Fällen schwierig oder gar unmöglich. Gleichzeitig kommen auf viele Eigentümerinnen und Eigentümer in absehbarer Zeit Entscheidungen zu: Im Durchschnitt sind Heizungsanlagen rund 19 Jahre alt. Damit ist zu erwarten, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren in vielen Gebäuden Ersatzinvestitionen anstehen.

Geothermie als Chance für die Hofheimer Altstadt

Bereits vor einigen Jahren stellte sich der Arbeitskreis Energie der Bürgervereinigung deshalb die Frage, wie eine klimaneutrale Wärmeversorgung in der Altstadt praktisch umgesetzt werden kann. Vor dem Hintergrund steigender CO₂-Abgaben und damit wachsender Kosten für Öl und Gas gewinnt diese Frage weiter an Dringlichkeit. Eine geothermisch gespeiste Wärmeversorgung könnte auch in Hofheim eine zukunftsfähige Lösung bieten: Sie wäre unabhängig von fossilen Energieträgern und damit weniger den Preisschwankungen und geopolitischen Risiken des Weltmarkts ausgesetzt – zugleich wäre sie deutlich klimafreundlicher.

Aus Sicht der Bürgervereinigung geht es dabei nicht nur um Energiepolitik, sondern auch um die Zukunftsfähigkeit der Altstadt als Wohn- und Lebensort. „Wir wollen, dass Wohnen in der Altstadt auch in Zukunft attraktiv bleibt. Dazu gehört eine moderne Wärmeversorgung, die unser Klima nicht weiter belastet, Versorgungssicherheit bietet und vor allem bezahlbar bleibt“, heißt es aus dem Arbeitskreis Energie.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die Kosten für Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer. Die Anschlusskosten an ein Geothermienetz liegen deutlich unter den Investitionskosten, die für eine individuelle Heizungsanlage anfallen können.

Hinzu kommt: Energiestandards spielen schon heute eine wachsende Rolle für den Wert einer Immobilie. Wer rechtzeitig über zukunftsfähige Lösungen nachdenkt, schützt daher nicht nur das Klima, sondern auch den langfristigen Wert des eigenen Hauses – ein überaus signifikanter Aspekt.

Für die weitere Entwicklung des Geothermieprojekts ist nun die Zustimmung der Politik erforderlich. Nach der bisherigen Projektplanung wäre dafür in der aktuellen Projektphase keine finanzielle Beteiligung der Stadt notwendig. Die weiteren geologischen Untersuchungen könnten zu einem großen Teil durch Fördermittel sowie private Investoren finanziert werden.

Geothermie
Andreas Walter bei seinem Vortrag im Schönbornsaal.

Vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage Hofheims stellt die Umsetzung des Geothermieprojekts im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft derzeit die realistisch einzig tragfähige Option dar, die kommunale Wärmeplanung in der Kernstadt umzusetzen. Neben dem wesentlichen Beitrag zum langfristigen Werterhalt der Immobilien in der Altstadt stärkt sie gleichermaßen nachhaltig die Standortattraktivität für Gewerbetreibende. Insbesondere kann die energetische Sanierungspflicht für Nichtwohngebäude durch den Anschluss an eine geothermisch betriebene Fernwärmeversorgung effizient und wirtschaftlich erfüllt werden.

Nach den positiven Gesprächen mit den Fraktionen und der guten Abstimmung mit der Verwaltungsspitze braucht es nun ein deutliches politisches Signal: ein Prüfauftrag, der das Projekt aus der Konzeptphase in die konkrete Umsetzung führt und den Investoren die nötige Planungssicherheit gibt.

Die Bürgervereinigung sieht in der Geothermie eine große Chance für Hofheim: für eine klimaneutrale Wärmeversorgung, mehr Versorgungssicherheit und bezahlbare Energie auch für die historisch gewachsene Altstadt. Die Informationsveranstaltung im Schönbornsaal hat gezeigt, wie sehr das Thema die Menschen bewegt und dass die Wärmewende trotz schwieriger Bedingungen gelingen kann. Zum Abschluss äußerte Moderatorin Ingrid Schulz die Hoffnung, dass Magistrat und Stadtverordnetenversammlung das Thema zeitnah weiterverfolgen.

Wer Interesse an der Mitarbeit im Arbeitskreis Energie hat, kann sich gern an Karl-Heinz Eyrich wenden, Tel. 0151 70054979.

Quelle: Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt

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