Nach Hofheim-News-Bericht: Politischer Druck auf Willi Schultze wächst
Es ist ein Bericht, der nun mit deutlicher Wucht in die Stadtpolitik hineinwirkt: Hofheim-News hatte aufgedeckt, dass künftig sämtliche Fachbereichsleitungen der Stadtverwaltung bei allen Sitzungen des Stadtparlaments anwesend sein müssen – angeordnet von Verwaltungschef Willi Schultze persönlich. Das hat jetzt politische Folgen.
Die Entscheidung des Bürgermeisters wird nicht nur zusätzliche Kräfte an langen Sitzungsabenden binden, sondern die Stadt auch finanziell spürbar belasten – im fünfstelligen Bereich. Das ist unstrittig. Offiziell soll die Maßnahme, wie berichtet, für bessere Abläufe, schnellere Informationswege und effizientere Beratungen sorgen. Kritiker sehen darin jedoch vor allem viel Präsenz, viel Symbolik, hohe Kosten – aber kaum erkennbaren praktischen Mehrwert.
Die Reaktionen der Stadtverordneten, die der Bürgermeister selbst noch vor wenigen Wochen per Videobotschaft zur Einreichung von Sparvorschlägen aufgefordert hatte, ließen nicht lange auf sich warten.
Unmittelbar nach der konstituierenden Sitzung des Stadtparlaments, bei der die geballte Präsenz der Rathaus-Führung erstmals sichtbar wurde, richtete CDU-Fraktionschef Andreas Hegeler eine Anfrage an den Magistrat. Sein Schreiben liegt vor: Der bisherige Stadtverordnetenvorsteher fordert eine nachvollziehbare Begründung der neuen Regelung, Transparenz über die entstehenden Kosten sowie Antworten auf die Frage, wie die zusätzliche Arbeitszeit der Verwaltungsmitarbeiter überhaupt kompensiert werden soll.
Auch zur Frage, ob der personelle Großeinsatz im Plenum wirklich nötig ist, will Hegeler eine Antwort – kurz gesagt: Muss wirklich die gesamte Verwaltungsspitze bei jeder Sitzung im Saal sitzen?
Noch schärfer fällt die Reaktion der FWG aus. Fraktionschef Andreas Nickel und sein Stellvertreter André Seuberth halten die zusätzlichen Personalkosten für „keinesfalls vertretbar“. In ihrer Anfrage ans Rathaus stellen sie offen infrage, ob die verpflichtende Teilnahme von Fachbereichsleitungen und persönlichen Referentinnen tatsächlich dauerhaft bestehen bleiben soll. Je nach Antwort kündigt die FWG bereits weitere Initiativen im Stadtparlament an.
Die politische Brisanz der Schultze-Anordnung liegt vor allem im Zeitpunkt. Hofheim steht seit Monaten unter massivem Spardruck, nahezu jede Haushaltsposition wurde in der Stadtpolitik mit Blick auf mögliche Steuererhöhungen geprüft. Auch der Bürgermeister hatte in mehreren Selfieclips unmissverständlich als Linie vorgegeben: sparen, konsolidieren, kürzen.
Umso erklärungsbedürftiger wirkt nun seine Entscheidung, zusätzlich Führungspersonal an sämtliche Parlamentsabende zu binden – inklusive der entsprechenden Personalkosten.
Alles muss auf den Prüfstand. … Wir in der Stadtverwaltung suchen weiter Tag für Tag, wo wir weitere Sparpotenziale identifizieren können. Und auch die Politik ist jetzt an der Reihe, Sparvorschläge zu machen und Prioritäten zu setzen.
Willi Schultze in einem Selfie-Video am 19. Dezember 2025
Besonders heikel dürfte die Debatte für jene Parteien werden, die sich bislang eng an der Seite von Willi Schultze positioniert haben. BfH, SPD und Grüne hatten vor den Kommunalwahlen die Bürgerinnen und Bürger eindringlich auf Sparmaßnahmen eingestimmt, die angeblich unumgänglich seien: Nur so könne ein weiteres drastisches Ansteigen der Grundsteuer verhindert werden.
Wie erklären sie nun, dass für Spielplätze, Brunnen, Straßenreparaturen und Feste kein Geld mehr vorhanden sein soll, während an ihren Sitzungen zusätzliche Führungskräfte anwesend sind und der Stadt dadurch neue Kosten entstehen?
Und wie lässt sich der Eindruck vermeiden, dass in Hofheim beim Sparen sehr genau differenziert wird – zwischen Bürgerschaft auf der einen und Rathausspitze auf der anderen Seite?
Entsprechend wächst das politische Unbehagen. In sozialen Netzwerken ist bereits von einer Zwei-Klassen-Moral die Rede. Die zentrale Frage lautet zunehmend: Gilt der Sparkurs eigentlich für alle – oder nur für die Menschen außerhalb des Rathauses?

Auch die Lokalzeitung griff das Thema auf – mit einer augenzwinkernden Überschrift: „Teilnahme an Sitzungen soll erhellend wirken“.
Selbst die Lokalzeitung, die das Thema an diesem Wochenende aufgriff, klang auffallend skeptisch. „Teilnahme an Sitzungen soll erhellend wirken“, lautete die Überschrift – der ironische Unterton kaum zu überlesen.
Und auch der Begründung des Bürgermeisters, die Mehrkosten würden durch „Effizienzgewinne egalisiert“, wird mit deutlicher Skepsis begegnet. Der Redakteur kommentiert trocken, eine solche Aussage sei „weder zu beweisen noch zu belegen“.
So bleibt am Ende vor allem ein Eindruck zurück: Das ganze ist weniger Verwaltungsreform als Machtdemonstration. Die Verwaltungsführung tritt geschlossen in den Sitzungen des Stadtparlaments an, die Botschaft dahinter wirkt beinahe simpel: Der Bürgermeister hat es angeordnet – also wird es gemacht.
Ob dadurch Entscheidungen besser werden, weiß derzeit niemand. Sicher scheint bislang nur eines: Es kostet. Und zwar nicht zu knapp.
Der „personelle Aufmarsch“ ist damit weniger ein Zeichen von Stärke – als Startschuss für eine Debatte über den moralischen Kompass der Stadtspitze.
HN/TR


