Millionen verbrannt, nichts gebaut – das Kita-Debakel von Lorsbach

Millionen verbrannt, nichts gebaut – das Kita-Debakel von Lorsbach

Die Stadt Hofheim hat in den letzten Jahren viele Millionen Schulden über kurzfristige Kredite gemacht – fast wie ein Dispo bei Privatpersonen: extrem teuer! Jetzt drohen saftige Steuererhöhungen und drastische Sparmaßnahmen. Viele Bürgerinnen und Bürger fragen sich: Wohin ist das ganze Geld eigentlich geflossen? Bisher ist davon doch in der Stadt eigentlich nichts zu sehen. Zeit, der Sache auf den Grund zu gehen!

Kleinvieh macht auch Mist – so hatten wir es zuletzt formuliert. Und tatsächlich: Die Stadt tritt weiter als großzügiger Förderer ausgesuchter Interessengruppen auf. Der Windelzuschuss – kleines Geld, große Symbolpolitik. Theater-Abos kosten die Stadt fünfstellige Summen – für ein überschaubares Publikum.. Die Musikschule steckt finanziell in der Krise, doch der Geschäftsführer bekommt trotzdem einen Sonderbonus. Die Lokalzeitungen, deren Leserschaft immer weiter schrumpft, werden mit Anzeigen und Abos aus dem Stadtsäckel gepäppelt. Dazu viele Feste und Sommerpartys – das Volk freut sich, die Geschäftsleute reiben sich die Hände: Die Stadt zahlt alles.

Aber Kleinvieh ist nur der Anfang. Jetzt reden wir über das große Geld: Millionen, die ausgegeben wurden – und kaum etwas Greifbares ist zu sehen.

Uns liegt eine Kostenaufstellung aus dem Rathaus vor.

Die Pointe nehmen wir vorweg. Die Stadt gab Unsummen aus – und bekam dafür praktisch: nichts.

Lorsbach – ein Dorf, ein Zentrum, ein Dauerproblem

Lorsbach, schön gelegen im Lorsbachtal, etwa 3.000 Einwohner. Nicht immer leise – man denke an das „Aktionsbündnis L3011“. Mitten im Ort liegt das Gemeindezentrum. Darin untergebracht: Vereinsräumlichkeiten, eine kleine Bücherei, ein kleines Archiv, ein Saal für die Dorfgemeinschaft – und eine evangelische Kindertagesstätte, die seit Jahren zu klein ist.

Mehr Platz für Kinder muss her – das ist unstrittig. Ebenso unstrittig: Für diese Idee wurde bereits sehr viel Geld ausgegeben. Über eine Million Euro. Die Kita ist trotzdem bis heute nicht erweitert.

Demnächst soll weiteres Geld fließen. Die Stadtverwaltung meinst es ernst: Mehr als drei Millionen Euro sind eingeplant. Kein Witz!

Die ersten Überlegungen stammen aus der Amtszeit von Bürgermeisterin Gisela Stang: Die Kita müsse wachsen – am besten durch eine Aufstockung des Gebäudes. Der Plan klang vernünftig.

Dann wechselte die politische Führung: CDU-Bürgermeister Christian Vogt übernahm, SPD-Beigeordneter Bernhard Köppler wurde zuständig. Und das Projekt nahm eine bemerkenswerte Wendung.

Weil im Rathaus offenbar Kapazitäten fehlten, wurde die Planung extern vergeben. Allein dafür flossen im Jahr 2019 rund 57.500 Euro, 2020 sogar weitere 140.100 Euro.

Insgesamt 197.606,15 Euro wurden ausgegeben – nur für die Planung.

Gemeindezentrum Lorsbach 2
Das Logo am Eingang des Gebäudes.

Kaum war das Geld weg, kam die Erkenntnis: Die Aufstockung könnte teuer werden. Zudem sei die Statik des Gebäudes womöglich nicht ausreichend. Im Herbst 2020, während der Haushaltsberatungen, wurde die Reißleine gezogen.

Planung gestoppt – zu teuer.

Aber jetzt ging das Geldausgeben erst richtig los.

Neue Versprechen, alte Probleme

Ende 2020 präsentierte das Rathaus den Lorsbacher Lokalpolitikern auf elf Seiten eine neue Lösung: keine Aufstockung, sondern Umbauten im Bestand. Rund 250 Quadratmeter mehr Fläche, neue Küche, Ausweichflächen zum Spielen…

Der Zeitplan klang ambitioniert: Baubeginn Juli 2021 – Fertigstellung Ende 2021.

Die Planung wurde erneut aufgenommen, von einem Architekturbüro. Und die Kosten explodierten regelrecht:

  • 2021: 105.249,68 Euro
  • 2022: 107.094 Euro
  • 2023: 83.584 Euro
  • 2025: 58.321 Euro

Insgesamt: 354.249 Euro – wie gesagt: wieder ausschließlich für die Planung.

Zwischendurch wurden den Lorsbacher ein neues Versprechen gegeben: Mit einer Fertigstellung sei bis Ende des dritten Quartals 2025 zu rechnen.

Umbauen ohne Ziel, ausweichen mit Kosten

Immer wieder wurde im Gemeindezentrum umgeschichtet. Kita, Dorfbücherei, Vereinsräume – alles konkurrierte um Platz. Umbauten, Umzüge, Anpassungen.  Allein dafür summierten sich die Kosten in vier Jahren auf 166.391 Euro.

Von einer echten Erweiterung der Kita weiterhin keine Spur.

Weil der Druck wuchs und dringend Betreuungsplätze fehlten, beschloss das Stadtparlament zusätzlich die Einrichtung eines Waldkindergartens. Das Vorgehen der Stadtverwaltung erinnerte dabei in weiten Teilen an ein Dorftheater, doch darum soll es hier nicht gehen: Nach langen Verzögerungen wurde am Waldrand ein Kita-Bauwagen aufgestellt – die Stadt beziffert die Kosten heute auf 235.187 Euro.

Die Kita im Gemeindezentrum blieb unverändert.

Lorsbach
Zum Vergrößern anklicken: In den Unterlagen zum Etatentwurf 2026 findet sich diese Übersicht. Sie zeigt, dass die Stadt für die Erweiterung der Kita im Gemeindezentrum Lorsbach letztlich über 5 Millionen Euro aufwenden würde.

2024 wurde schließlich beschlossen, die Erweiterung des Gemeindezentrums erneut anzugehen. Für erste Schritte flossen 2024 und 2025 zusammen 28.554 Euro.

Hinzu kamen weitere Kosten: Probleme mit einem Elektriker – Trennung trotz Zahlung (11.947 Euro), ein neuer Hausanschluss (8.936,90 Euro). Parallel investierte die Stadt in Technik: neue Lüftungsgeräte (234.126 Euro), neue Combidämpfer (17.743 Euro).

Ende letzten Jahres lautete die Bilanz: 1,254 Millionen Euro ausgegeben.

Das Gemeindezentrum ist unverändert.

Die Kita ist nicht vergrößert.

Und jetzt?

Der städtische Haushalt für 2026 liegt vor, die Finanzlage Hofheims ist dramatisch. Für die Kita Lorsbach hat Hofheims neuer Bürgermeister Willi Schultze („Kita ist Chefsache“) trotzdem weitere gewaltige Summen vorgemerkt:

  • Planung: 714.000 Euro
  • Bau 2026: 1,356 Millionen Euro
  • Bau 2027: 1,776 Millionen Euro

Planung und Bauausführung in den nächsten beiden Jahren zusammen: 3,8 Millionen Euro – ganz exakt: 3.845.260,92 Euro.

Das Projekt Kita Lorsbach – oder auch die Erweiterung des Gemeindezentrums – würde dann eines Tages, wenn die Stadtverordneten zustimmen und wirklich mal gebaut wird, insgesamt mehr als 5 Millionen Euro gekostet haben.

Das ist viel Geld. Sehr viel Geld.

Die entscheidende Frage bleibt: Wie oft kann man ein Projekt planen, umbauen, stoppen und neu starten – bevor man sich eingesteht, dass hier etwas grundlegend schiefläuft?

HN / TR

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