Gesund mit Felix (18): Wenn Massagen gut tun – aber nicht alles lösen

Die Gesundheitskolumne von Osteopath Felix Kammerlander (Folge 18)

Massagen sind beliebt. Kaum etwas fühlt sich bei Verspannungen so angenehm an wie ein fester Griff im Nacken oder ein durchgekneteter Rücken. Viele Menschen erleben nach einer Massage sofortige Erleichterung: Die Muskeln fühlen sich weicher an, Bewegungen gehen leichter, der Schmerz lässt nach. Und trotzdem stellt sich bei vielen die gleiche Frage: Warum kommen die Beschwerden nach ein paar Tagen oder Wochen wieder? Die Antwort liegt weniger in der Qualität der Massage – und mehr darin, wie Muskelspannung im Körper überhaupt entsteht.

Was eine Massage tatsächlich bewirkt

Eine Massage wirkt in erster Linie über Berührung, Druck und Bewegung. Diese Reize werden von Rezeptoren in Haut, Muskeln und Faszien aufgenommen und an das Nervensystem weitergeleitet. Das Nervensystem interpretiert diese Signale meist als angenehm und sicher. Daraufhin passiert Folgendes:

  • die Muskelspannung nimmt ab
  • die Durchblutung verbessert sich
  • das Körpergefühl wird ruhiger
  • Entspannung breitet sich aus

Das Entscheidende dabei ist: Die Entspannung entsteht nicht, weil der Muskel mechanisch „weich gemacht“ wird, sondern weil das Nervensystem seine Ansteuerung reduziert.

Warum sich Verspannungen oft wieder aufbauen

Wenn Massagen so gut entspannen – warum halten sie dann häufig nicht an?
Weil die eigentliche Ursache der Spannung oft nicht im Muskel selbst liegt, sondern im Alltag, im Stresslevel oder in gewohnten Bewegungs- und Haltungsmustern. Beispiele:

  • Anhaltender Stress hält den Körper im Aktivmodus
  • Langes Sitzen führt zu dauerhafter Schutzspannung
  • Fehlende Bewegung reduziert die Selbstregulation
  • Alte Schutzmuster nach Verletzungen bleiben aktiv

Die Massage unterbricht diesen Zustand kurzfristig. Doch wenn das Nervensystem danach wieder in die gleichen Anforderungen zurückkehrt, stellt es die Spannung erneut her. Nicht aus Bosheit – sondern aus Gewohnheit und Schutz.

Muskelspannung ist Steuerung, kein Materialproblem

Ein häufiger Irrtum ist die Vorstellung, verspannte Muskeln seien „verhärtet“ wie Knetmasse und müssten nur kräftig genug bearbeitet werden. In Wirklichkeit ist Muskelspannung ein aktiver Zustand, der vom Nervensystem kontrolliert wird. Der Muskel selbst bleibt elastisch – er wird nur stärker angespannt. Das erklärt auch, warum:

  • sehr feste Massagen manchmal kaum helfen
  • Druck sogar als unangenehm oder schmerzhaft empfunden wird
  • der Körper sich nach intensiver Behandlung kurzzeitig erschöpft anfühlt

Das Nervensystem lässt Spannung nur dann los, wenn es Sicherheit wahrnimmt – nicht, wenn es sich „überredet“ fühlt.

Massage als Teil eines größeren Ganzen

as bedeutet nicht, dass Massagen wirkungslos sind – ganz im Gegenteil.
Sie sind oft ein sehr guter Einstieg, um den Körper überhaupt wieder spürbar zu entspannen. Vor allem bei Menschen, die lange unter Spannung stehen, kann eine Massage das erste Signal sein: Du darfst loslassen. Nachhaltiger wird die Wirkung jedoch dann, wenn sie eingebettet ist in:

  • regelmäßige Bewegung
  • Mobilisation
  • bewusste Atmung
  • Pausen im Alltag
  • Stressreduktion
  • bessere Körperwahrnehmung

So bekommt das Nervensystem nicht nur einmal Entspannung, sondern lernt Schritt für Schritt, diesen Zustand selbst wieder herzustellen.

Warum „mehr Druck“ nicht automatisch besser ist

Viele denken: Wenn es richtig weh tut, wirkt es besser. Doch Schmerz aktiviert das Nervensystem – und Aktivierung führt eher zu mehr Spannung als zu weniger.

Sanfte, gut dosierte Reize sind oft effektiver, weil sie Sicherheit vermitteln. Genau diese Sicherheit ist entscheidend, damit das Nervensystem Spannung dauerhaft herunterfährt.

Die osteopathische Perspektive

In der osteopathischen Arbeit wird Massage nicht als alleinige Lösung gesehen, sondern als Teil eines Regulationsprozesses. Der Fokus liegt darauf:

  • warum ein Bereich Spannung hält
  • welche Strukturen miteinander verbunden sind
  • wie Bewegung, Atmung und Haltung zusammenspielen
  • wie das Nervensystem auf Reize reagiert

Berührung und manuelle Techniken dienen dabei nicht dem „Bearbeiten“ von Muskeln, sondern dem Anstoßen von Selbstregulation. Ziel ist nicht kurzfristige Lockerung, sondern ein dauerhaft ausgeglichener Spannungszustand.

Was du für dich mitnehmen kannst

Wenn Massagen dir gut tun, nutze sie – aber mit realistischen Erwartungen. Sie sind hervorragend geeignet, um Entspannung einzuleiten. Damit diese Entspannung bleibt, braucht dein Körper jedoch zusätzliche Signale im Alltag: Bewegung, Ruhe, Abwechslung und bewusste Wahrnehmung.

Fazit

Massagen wirken – aber vor allem kurzfristig. Nicht, weil sie Muskeln mechanisch verändern, sondern weil sie dem Nervensystem Entspannung signalisieren. Damit diese Wirkung anhält, braucht es mehr als Druck von außen: Es braucht ein System, das auch im Alltag wieder lernen darf, loszulassen.

© Felix Kammerlander / Praxis Angewandte Osteopathie

Der Autor

Felix Kammerlander

Felix Kammerlander hat Osteopathie studiert und betreibt seit acht Jahren die Praxis Angewandte Osteopathie in Marxheim. In den Hofheim-News erscheint regelmäßig seine Kolumne „Gesund mit Felix” mit Gesundheitsinformationen und präventiven Tipps - eine verlässliche Anlaufstelle für Ratschläge zur Vorbeugung, Schmerzbewältigung und für einen ausbalancierten Körper. Viel Freude beim Lesen und Ausprobieren neuer Wege zu mehr Wohlbefinden!

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